Gätjen & Co: Hoffnungen & Enttäuschungen

Ausgestrahlt

Das Fernsehen ist voller Karrierehoffnungen. Auch Steven Gätjen oder Oli Geissen waren mal welche. Heute moderiert der eine leicht ölig Eventshows wie Stefan Raabs Turmspringen (diesen Samstag), der andere gelangweilt Chartshows (fast jeden Freitag). Inhaltlich banal, finanziell erfolgreich, jenseits früherer Träume von Relevanz – damit sind beide nicht allein.

Von Jan Freitag

TV-Karrieren haben was Hybrides. Gerade im Moderatorenfach verläuft zwischen Anspruch und Erfolg, Seriosität und Ruhm ein breiter Graben. Den Spagat drüber hinweg schaffen eigentlich nur die Schmidts, Jauchs, Gottschalks. Auch Anke Engelke und Matthias Opdenhövel kommen durchaus schichten-, geschlechter-, gar altersübergreifend an. Doch schon die Talkonkels von Kerner bis Lanz polarisieren so wie Moderationsfassaden der Marke Marco Schreyl, der vom Castingpöbel vergöttert, keinem Fernsehpleb ins Haus käme. Welcher RTL-Gucker hat andererseits je von Klaus Kleber gehört, welcher GZSZ-Fan von Francis Fulton-Smith?

Gut, auch ohne Visum zur anderen Seite lässt es sich diesseits der Gräben leben. Doch in der Nische zu stecken, geduldet von Millionen, gehasst vom Rest, hat etwa Oliver Geissen, der seit 16 Jahren wegmoderiert, was ihm das Massenmedium übrig lässt, kaum gewollt. Man sieht ihm die geplatzte Illusion einer nachhaltigen Karriere in jeder Ultimativen Chartshow, an. Einst als echter Entertainer gehandelt, langweilt er sich selbst noch mehr als die Zuschauer. Das Gleiche gilt – sogar mehr noch – für Steven Gätjen. Geboren in Phoenix, volontiert in Hamburg, studiert in LA, auf der Liste seriöser Redaktionen – für den 31-Jährigen Doppelsprachler leuchtete was am TV-Himmel. Tief darunter macht er heute nur privates Müllfernsehen à la Sommermädchen, das bei Schlag den Raab immerhin lukratives Müllfernsehen ist. Und so erscheint sein hoffnungsvoller Laufbahnbeginn doch nur ziemlich kurzes Wetterleuchten.

Und damit ist er keineswegs allein:

Pilotin, blond, schlagfertig, Pressdekolletee – im Grunde bringt Sonja Zietlow viel für solide Unterhaltungsbekanntheit mit. Kultiviert aber bloß noch ihren Zynismus im Dschungelcamp und wartet in der Billigshow Die 10… nur noch darauf, sich bei den 10 verschleudersten Moderatorinnen auf Platz 4 nennen zu müssen.

Ehrlich – Birgit Schrowange galt Ende der 80er im WDR als neue Dagmar Berghoff, gilt heute aber eher als neue Marianne von Michael. Glaubt wohl selber, der Promi-Unrat, den sie in Extra oder Life! runterleiert, besäße so was wie Sinn. Weil dem nicht so ist, bleibt ihr relevantester Medienbeitrag: ein Sohn mit Markus Lanz

Schon mit Ende 20 ein gefragter ZDF-Außenpolitiker, kommt Normen Odenthal auch mit Anfang 40 nicht über Nachtjournale, Mittagsmagazine, Frühstücksfernsehen hinaus. Wurde bei letzterem sogar vom unsäglichen Wulf Schmiese ersetzt. So bleibt der Nachwelt vor allem die putzige Schreibweise seines Vornamens erinnerlich.

Mann, war die schön, Mann, war die klug, Mann, war die kühl. 1988 hat sich Dr. Privatfunk eine neue Mrs. Nachrichten kreiert: Maria Gresz. Sah so die Zukunft der Politmagazine aus? Nein, aber die Gresz ist exakt so blond wie damals. Und sie nuschelt auch wie einst, nur von Spiegel TV zu Spiegel TV belangloseres Zeugs.

Noch so ein öffentlich-rechtliches Talent. Steffen Hallaschka war frisch volljährig, als er im HR gutes Radio machte. Mit Mitte 20 machte er bei 3sat gutes Jugendfernsehen. Um die 30 ging er zu Polylux, sogar Arte. Jetzt oberhalb der 40, sieht aus wie immer, leitet das politfreie Politmagazin Stern TV und hofft weiter aufs heute-journal.

Cherno Jobatey kennt man. Ist das nicht der Farbige vom Morgenmag in Turnschuhen? Ja! Er war aber auch Stipendiat, Politologe, Zeit-Autor, Showmaster (Verstehen Sie Spaß), Schauspieler (Isch kandidiere), ein Vorbild vieler Migranten. Nach 20 Jahren ist er immerhin noch: der Farbige vom Morgenmag in Turnschuhen.

Als Susanne Kronzucker ZDF-Auslandskorrespondentin wurde, galt die 20-Jährige als Erbin ihres Vaters Dieter, kam aber über RTL-News nie hinaus. Immerhin  machte sie ab 2007 das emanzipierte Magazin Mona Lisa. Mit annähernd 50 ist die Ex-Vorzeigefrau dem Vernehmen nach Mutter, und ihr Mann, ein Anwalt, verdient das Geld.

Kennt noch wer Caroline Beil, Carsten Spengemann, Susan Stahnke? Erstere galt als extrem variabel, bis sie nur noch Soaps machte. Letztere verließ die Tagesschau vergebens für eine Hollywoodkarriere. Mittlerer klaute lieber einen Ring, als weiter DSDS zu moderieren. Was sie alle heute eint? Besuche im Dschungelcamp.

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