Briefehinhaltslautverleser

fragezeichen_1_Wer in Film und Fernsehen einen Brief erhält, liest ihn nicht einfach durch, sondern stets laut vor. Auch, wenn niemand dort ist, wer zuhören könnte

Oha: Post mit Behördenstempel, ein dickes Einschreiben vom Arbeitgeber, die Schrift der Geliebten auf dem Umschlag, irgendwas Bedeutsames also und ausgerechnet jetzt ist niemand da, mit dem man solch spannende Neuigkeiten teilen könnte. Was tun also – lesen, verarbeiten, schweigen? In Film und Fernsehen haben Adressaten da eine alternative Vorgehensweise parat: Rezitieren. Leicht nuschelnd, aber hörbar. Auch wenn keiner zuhört. Seltsam. Denn laut lesen tun in der Regel eigentlich nur Menschen mit starker Leseschwäche, um die es sich in der Regel allerdings nicht handelt, wenn am Bildschirm mal wieder ein postalischer Inhalt zum Mithören für alle erfasst wird.

Das ist natürlich zunächst mal der unmittelbaren Erlebbarkeit fürs Publikum geschuldet, dem das Leitmedium am liebsten praktisch nichts vorenthalten möchte, um nur ja nicht für Abschaltimpulse zu sorgen; allzu offene Fragen sind schließlich anspruchsvoll und somit quotenfeindlich. Die scheinbar sinnlose Mitteilsamkeit könnte aber noch einen anderen Grund haben: Die grundlegende Tendenz, Privatsphäre als etwas Verdächtiges zu präsentieren. Wer aufs Briefgeheimnis beharrt, hat ja wohl offenbar ebenso wie jeder, der einen Speicheltest verweigert, irgendwas zu verheimlichen. Und so weit kommt’s noch, im Quasselmedium Fernsehen. Sonst gibt’s bald Post vom Geheimdienst. Wird dann laut verlesen.

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