Alphamänner & Katzenfrauen

Werbung, RFT Color 20, FernseherDie Gebrauchtwoche

9.-15. Dezember

So ist es nun mal, wenn Alphatieren das Rudel abhanden kommt, wenn sie baufällig werden und ersetzbar: Dann suchen sich die grauen Wölfe der Macht neue Jagdgebiete und verkaufen wie der alte Freiheitskämpfer Gerhard Schröder für neue Despoten (Wladimir Putin) Gas oder der uralte Umweltschützer Josef Fischer für Klimakiller (BMW) Autos. Kein Wunder, dass auch Stefan Aust, der vor seinem geriatrischen Schwenk zur Atomlobby lange Zeit dem Kapitalismus die Leviten geschrieben hat, nun als Herausgeber zu Springers Welt geht. Übrigens jenes konservative Frontblatt, das zu Austs progressiver Zeit Gasangriffe auf palästinensische Flüchtlinge guthieß und der Todesstrafe für Kinderschänder noch heute geistig nahe steht.

Was moralisch verwerflich klingt, erschließt sich jedoch besser, wenn man die unmittelbaren Folgen des Wechsels betrachtet. Denn kaum war er vollzogen, kaufte sich sein Arbeitgeber in spe mit N24 gleich mal einen Nachrichtensender, dem Aust bereits als Gesellschafter vorsitzt – und vollzieht so scheibchenweise, was das Kartellamt vor acht Jahren verboten hatte: Springers Übernahme der ProSiebenSat1-Gruppe. Die allerdings muss sich nun fragen, woher sie künftig ihre ohnehin dürren Infomationsanteile bezieht. Schließlich wurden die vornehmlich von N24 geliefert – und sei es nur, um den Schein zu wahren, ein Vollprogramm zu sein. Ein Teil der kolportierten 120 Millionen Euro gehen also womöglich an Axel Caesars Erben, die sich den Erhalt des Anscheins sicher teurer bezahlen lassen werden, als die kommerzielle Karikaturen seriöser TV-News bislang gekostet haben.

Andererseits: schlimmer als das pathetische Trara, in dem sich ein ZDFspezial Dienstag durch die Trauerfeier für Nelson Mandela dramatisiert hat, kann es bei den Privaten auch nicht sein. Viele von denen, raunte es da aus dem Off, „die hier heute dabei waren, werden diesen Tag niemals vergessen“. Steile These. So wie die von Lanz, mit Wetten, dass…? aufzuhören wäre „uncool“, wie er dem Stern neben allerlei Fehlern in der Donnerstagsausgabe gestand. Nein, lieber Markus, uncool sind Männlichkeitesriten. Etwa „die Meute“, wie er Kritiker nennt, „zu ärgern“. Cool dagegen ist Scheitern, wie auch diesen Samstag, wo ganz 330.000 Zuscher mehr als beim kürzlichen Allzeittief schon zur Erfolgsmeldung hochgeblasen wurden. Oder mal einen Appell ins Netz zu blasen. Zum Beispiel den:

KAUFT NICHT BEI AMAZON!

Aber das nur nebenbei, also am Rande des einzig wahren Medienscoops der vorigen Woche: Der werbewirksam als „einmaliges Event“ angekündigte Weihnachtseinsatz von Nora Tschirner und Christian Ulmen als Weimarer Tatort-Duo soll nun doch – Überraschung! – fortgesetzt werden.

TV-neuDie Frischwoche

16.-22. Dezember

So wie das Schicksal der fiktiven Fabrikantenfamilie Mallinger. In Beste Bescherung haut ihr Regisseur Rainer Kaufmann heute im ZDF erneut das großbürgerliche Getue um die Ohren, was auch beim dritten Mal sehr unterhaltsam ist. Und trotz aller Skurrilität realistischer als die paar ernst gemeinten Momente bei Ein Quantum Trost parallel im Ersten, wo 007 gewohnt sinnfrei noch jedes physikalische Gesetz ignoriert. Wie man Geschichten über harte Kerle im Kampf gegen widrige Elemente macht, ohne dass ständig Testosteron aus dem Bildschirm suppt, zeigt dagegen Baltasar Kormákurs isländischer Film The Deep morgen um 22.05 auf Servus TV, während der ARD-Mittwochsfilm Was machen Frauen morgens um halb vier beweist, wie wenig Östrogen nötig ist, um eher weibliche Themen zu verhandeln. Wenn Brigitte Hobmeier darin ihre bayerische Landbäckerin dadurch vor der Pleite rettet, Dubaiern Christstollen anzudrehn, spielt ihr Chromosomensatz eine untergeordnete Rolle.

Was man fürwahr nicht von all ihren Geschlechtsgenossinnen behaupten kann. Eine davon hat das Klischee der dämlichen Silikonblondine so konsequent perfektioniert, dass ihr Stammsender Vox Dienstagabend allen Ernstes 5 Jahre Daniela Katzenberger feiert. Kommen wir also zu etwas mit ein paar Hirnzellen mehr. Die zweite Staffel der britischen Serie Downton Abbey, wo ab Freitag auf ZDFneo drei Tage am Stück der Niedergang des britischen Adels vor 100 Jahren verhandelt wird. In Der kleine Lord dagegen hat blaues Blut noch Gewicht und eröffnet parallel im Ersten wie jedes Jahr das Weihnachtsprogramm.

Zwischendurch verabschiedet sich der Fußball mit einer sportlich irrelevanten, betriebswirtschaftlich profitablen Klub-WM in die Winterpause. Von Mittwoch an läuft die öffentlich-rechtliche Dauersubvention des FC Bayern also nochmals auf Hochtouren und könnte am Samstag sogar den Kriegsfilm Laconia aus der ARD kegeln, falls die Münchner Milliardäre das Finale in Agadir erreichen. Weniger lukrativ, dafür soziokulturell relevant ist da die Doku Kiezrock und Punkrock über das Phänomen des FC St. Pauli, mit der ZDFkultur dem gleichen Sport zwei, drei Dimensionen tiefer auf den Grund geht.

Für Kinder gibt’s auch was: Hermine Huntgeburths Kinoversion von Mark Twains Tom Sawyer am Freitag auf Arte. Für Satirefans den Jahresrückblick Nuhr 2013 (Montag, 22.55 Uhr, ARD). Für Kriminalisten: den neuen Tatort aus Bayern, diesmal ­– versprochen! – nicht von Dominik Graf, also auch ohne Vollnarkose verträglich. Und für Wochentippfans den Tipp der Woche: Bang Boom Bang, Dienstag auf Tele 5, die vielleicht beste Ruhrpottkomödie ever. Und der Konsumtipp der Woche zur Weihnacht: KAUFT NICHT BEI AMAZON! Oder hatten wir das schon?

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