Existenzberechtigungsproklamation

fragezeichen_1_Wer in Film und Fernsehen erstmals auftritt, macht sich oftmals bereits mit den ersten Worten bekannter, als einem als Zuschauer manchmal lieb ist.

Die deutsche Fiktion hat einen natürlichen Todfeind, gewissermaßen das Gegenstück zum ausgehungerten Löwenrudel im Revier ängstlicher Antilopen: Unkenntnis. Genauer: Informationsdefizit. Nichts, so scheint es entsprechend oft im Fernsehen, ist den Herstellern gewöhnlicher Prosa verhasster, als dem Zuschauer Wissen vorzuenthalten, das so etwas Unangenehmes wie Phantasie anregen dürfte. Weshalb – vorzugsweise Freitagabend im Ersten oder dem Sonntag ganztägig im ZDF – jeder nur erdenkliche Hinweis auf die handelnden Figuren im Moment ihres ersten Auftrittes gebündelt wird.

Das hat dann so absurde Folgen wie die, dass sich der leitende Angestellte eines Adelsgeschlechts im Melodram der Marke Pilcher beim Betreten der Bildfläche mit „Eure Lordschaft! Ich als Ihr Verwalter, der schon Ihrem Großvater die Geschäfte auf Lenborough Castle geleitet hat und nun neben dem Wiederaufbau des abgebrannten Gestüts auch die Hochzeitsvorbereitungen der unehelich schwangeren Lady Farnshire ordnet“ vorstellt. Merkwürdig. Aber nicht unlogisch. Denn diese Form Schmonzette, verwendet so viel Zeit, Energie und Ressourcen aufs Abfilmen von Liebesschwüren in traumhafter Landschaft, dass für technische Details schlicht Zeit, Energie und Ressourcen fehlen. Also wird alles im ersten Atemzug abgehandelt. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Zuschauer noch nicht vollends sediert sind.

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