1 Outing & 2000 Dinner

Werbung, RFT Color 20, FernseherDie Gebrauchtwoche

6. – 12. Januar

Die formierte Gesellschaft, Ludwig Erhards Ideal der zwangsharmonischen Wohlstandsgesellschaft – wenigstens in der Presselandschaft nimmt sie gut 50 Jahre nach seiner Kanzlerschaft langsam Gestalt an: Kaum ist der erste deutsche Profifußballer schwul, da zollen die linksliberale taz und die populärdebile Bild Thomas Hitzlsperger auch schon auf dem Titelblatt in seltener Einmütigkeit „Respekt“ dafür, es zu sein oder wenigstens, drüber zu reden. Muss Liebe schön sein. Ob all jene Medien, die seit voriger Woche – gedruckt, gesendet, gepostet – eine wahren Hype übers Outing-Debüt der Bundesliga entfacht haben, der kurzzeitig den Server der erstvermeldenden Zeit zum Zusammenbruch brachte, ob also sogar der latent homophobe Brachialboulevard auch homosexuelle Liebe so schön findet, wie es vorige Woche den Anschein erweckte, bleibt dann aber doch fraglich. Aber es passt nun mal gut in den Zeitgeist – so ein wenig Empathie für Randgruppen, Außenseiter, Unbeliebte.

Vielleicht hat der NDR ja deshalb Donnerstagmorgen allen Ernstes die Verabschiedung einer Gruppe live aus Hannover übertragen, die all dies auf sich vereinigt: von 150 Bundeswehrsoldaten zu ihren Auslandseinsätzen. Denn irgendwie scheint deren soziales Standing doch etwas unter dem vor 100 Jahren zu liegen, als der Erste Weltkrieg – das Premiumthema dieses Dokumentarjahres – seinen umjubelten Anfang nahm. Hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass Lutz Marmor und Thomas Schreiber den abrückenden Landsern Blumen in die Gewehrläufe steckt.

Aber so sehr haben es der Intendant und sein Unterhaltungschef ja nicht mit Präsenten. Sonst würden sie ihrem Tatortreiniger, diesem zart funkelnden Juwel im billigen Strasshaufen plumper Landfrauenunterhaltung langsam mal einen anständigen Sendeplatz verpassen. Vielleicht sogar im Ersten Programm, dem Marmor zurzeit vorsitzt. Denn vorige Woche knackte Schottys Zuschauerzahl trotz gezielter Unterfinanzierung, die selbst Hauptdarsteller und Regisseur als lieblos geißeln, die Millionenmarke – und lag damit sogar mehr als tags drauf die zweite Folge das Pro7-Elitencasting Millionärswahl. So was macht doch fast Hoffnung auf bessere Fernsehzeiten.

TV-neuDie Frischwoche

13. – 19. Januar

Die allerdings schon diese Woche sachte Fahrt aufnehmen. Und das wie so oft mit akzeptablen Spielfilmen auf den üblichen Sendeplätzen. Montags im ZDF zum Beispiel. Heino Ferch beweist dort, dass seine ewig gleiche Melodramenmimik auch zu guten Krimis wie Spuren des Bösen, wo er zum dritten Mal den Polizeipsychologen Brock spielt, führen kann. Oder dem ARD-Mittwoch, der diesmal das Familiengewaltthema mit Silke Bodenbender und Mark Waschke im Drama Es ist alles in Ordnung auf beklemmend unaufgeregte Art variiert, was sich tags drauf im preisgekrönten Schweizer 3sat-Drama Summer Games (22.25 Uhr) seine Fortsetzung findet.

Da muss man sich als kritischer Zuschauer dann doch mal mit zwei Zahlen wieder auf den Boden der televisionären Tatsachen zurückholen. 2000 und 11. Erstere bezieht sich auf die Jubiläumsfolge von Das perfekte Dinner, mit dem Vox ab heute wieder und wieder und wieder den Vorabend füllt. Letztere auf RTL, das am Freitag folgendes noch nicht so dreckige knappe Dutzend in den Dschungel schickt: Mola Adebisi, Marco Angelini, Jochen Bendel, Corinna Drews, Winfried Glatzeder, Larissa Marolt, Melanie Müller, Gabby de Almeida Rinne, Tanja Schumann, Julian F. M. Stöckel und Michael Wendler, deren Prominenzgrad zwischen Moderator, Schauspieler, Schlagerstar nebst ganz vielen Frauen mit dem Beruf Optik wieder kein gediegenes Entertainment, aber großes Spektakel aufeinanderprallender Klischees versprechen.

Etwas Ähnliches, nur ohne das Spektakel, gibt’s morgen zur besten Sendezeit gleich doppelt. In Real Cool Runnings trainiert die sehr blonde Eisläuferin Anni Friesinger sehr dunkle Afrikaner zu sehr putzigen Wintersportlern, was Vox sicher völlig frei von rassistischen Stereotypen inszeniert. Auf Sat1 liefert Frauenherzen die weibliche Fortsetzung des ähnlich lautenden Quotenerfolgs mit Männern – bleibt darin allerdings trotz aller Vorurteile über schuhfixierte Großstädterinnen erstaunlich leicht und locker.

Das exakte Gegenteil von lockeren Klischees läuft dafür tags drauf bei Arte, das Arno Schmidt in Mein Herz gehört dem Kopf auf eine Art porträtiert, die vergessen macht, wie randständig der avantgardistische Nachkriegsdichter heutzutage ist. Leichtere Kost dagegen läuft Freitag zur Primetime auf dem Disney Channel, der seit Jahresbeginn auf dem Platz von Das Vierte sendet, Aristocats nämlich, einer der bezauberndsten Zeichentrickfilme aller Zeiten. Da kommt – nein, nicht der Konstanzer Tatort, sondern nur noch der Tipp der Woche ran: Nichts zu verzollen, eine Schmugglerkomödie von/mit Danny Boon, die Mittwoch, viertel vor elf im Ersten, abermals die Frage aufwirft, warum französische Komödien bloß so wunderbar sind.

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One Comment on “1 Outing & 2000 Dinner”

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