Femalfriday: DENA, Neneh Cherry

DENA

Was ein Name doch alles bewirken kann. Mathangi Arulpragasam zum Beispiel, schwer auszusprechen, noch schwerer zu merken. Oder Denitzka Todorova, kein ganz so komplizierter Brecher deutscher Zungen, aber auch schon leicht sperrig. Da ist es nicht nur zuvorkommend, Spitznamen anzubieten, es hat auch aus Marketingsicht seine Vorteile. Weshalb Popfans das Kürzel M.I.A. ebenso geläufig ist, wie es das von Frau Todorova bald sein dürfte. Denn DENA macht nicht nur einen Electroclash, der verteufelt an den der eingangs erwähnten Londoner Trashpop-Queen mit srilankischen Wurzeln erinnert; er ist auch absolut massenkompatibel. Was der Masse diesmal allerdings durchaus zugute kommt.

Denn wie DENA, die vor knapp zehn Jahren zum Studieren aus Bulgarien nach Berlin kam und natürlich hängengeblieben ist, was also dieser Irrwisch aus dem Osten mit Flash für ein Debütalbum hinlegt, das ist schon ein ganz schönes Clubbrett. Allerdings kein berechenbar Gagamäßiges, prollig berechenbares, R’n’B-verpopptes, sondern ein ziemlich gelungenes. Schon das Auftaktstück Thin Rope, längst ein kleiner Berghain-Hit, so scheint es live, liefert wunderbaren Uptempo-Trash zu den Samples nebst E-Drums ihrer zwei Mitmusiker und kann gar nicht anders, als mit fluffigen Texten über Cheerleader, Party, solche Sachen ein Lachen auf tanzende Köpfer zu zaubern. So geht es neun Lieder weiter.  Kein Sound für die Ewigkeit, eher einer für den Moment. Einen sehr unterhaltsamen.

DENA – Flash (Normal Surround)

Neneh Cherry

“Das Comeback des Jahres” ist eine der heikelsten Formulierungen im Popgeschäft. Zurückkommen könnten Foreigner schließlich ebenso wie, sagen wir, Bonnie Tyler, Chris de Burgh oder Toto. Und sehr wahrscheinlich hätte so eine Heimkehr ins Showbiz irgendwas mit Geldsorgen zu tun oder schlimmer noch: Sinnleere. Zurückgekommene neigen nämlich dazu, ihr tradiertes Liedgut besserer Tage mit neueren Stücken zu durchsetzen, die verteufelt nach dem tradierten Liedgut besserer Tage klingen, was zusammengenommen im besten Fall furchtbar klingt, im Regelfall bemitleidenswert. Es ist also Obacht geboten, wenn eine Künstlerin ihr Comeback feiert, die den Spätgeborenen aus den Jahren ihrer großen Erfolge womöglich kaum noch ein Begriff ist: Neneh Cherry. Fast 18 Jahre nach ihrem bislang letzten Studioalbum bringt das einstige Gesicht des weiblichen Hip-Hops eine neue Platte raus und wird damit ohne Zweifel ein bisschen etwas dazuverdienen. Eines aber kann man der schwedischen Stieftochter des amerikanischen Freejazz-Gottes Don Cherry nicht vorwerfen: Dass es ihr mit Blank Project um so profane Dinge wie Geld gehen könnte.

Allzu viel davon verdient man mit dem sperrigen Neotriphop darauf nämlich nicht – wobei wir beim positiven Aspekt des Comebacks wären. Denn Neneh Cherry, die mit dem virilen Buffalo Stance 1988 ihren Durchbruch feierte und aus den Videocharts der Musiksender fast so lange nicht wegzudenken war, wie dort wirklich Musik gespielt wurde, sie krempelt sich auf ihrem vierten Album in einem Vierteljahrhundert förmlich um. Und zwar so resolut, dass wenig übrig bleibt von Manchild oder 7 Seconds, den sonoren Melodramen ihrer Erfolgsära. Schon das Auftaktstück Across The Water deutet an, wohin es die Halbschwester des unlängst ebenfalls zurückgekehrten Eagle-Eye Cherry im salomonischen Alter von 50 Jahren treibt: Wie in der Blütezeit, als ihr selbstgewisses Auftreten dem Begriff der Mulattin die rassistische Schärfe nahm und Frauen endgültig im männerdominierten Hip-Hop positionierte, weht viel brüchiger Trotz durch die Stimme.

Aber er lässt sich nicht von eingängigen Harmonien umschmeicheln, sondern bleibt unbegleitet, verletzlich. Bis der darauf folgende Titelsong die Stoßrichtung vorgibt: Durch treibende Breakbeats vermischt sich ihr düsterer Soul da mit fiebrigem Ethnosound, als ringe sie im verrauchten Existenzialistenkeller mit ihrem inneren R ‘n’ B. Bis zum zehnten Stück klingt Blank Project wie ein Kampf mit den Geistern, die Neneh Cherry rief, und sie gewinnt ihn. Nach langen Jahren des Herumstromerns in den Stilen ihrer Ahnen samt einer bemerkenswerten Freejazz-Kollaboration ab 2010 hat die dreifache Mutter damit zwar nicht gerade den Pop neu erfunden, aber sich selbst einen neuen Platz darin zugewiesen, ohne den alten vollends zu räumen.

Neneh Cherry – Blank Project (Smalltown Supersound); mehr Text’n’Files’n’Kommentare unter http://blog.zeit.de/tontraeger/2014/02/28/neneh-cherry_17635

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