Guido Knopp: Nazithrill- & Deutschlandfan

Ein Guido namens Knopp

Nach seinem Rückzug aus der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte erklärt uns der NS-kundige Salonpatriot nun bei Phoenix die Welt wie er sie sieht. Ab Sonntagabend zum Beispiel wen er für die größten Bundeskanzler hält. Aus diesem Anlass bringen die freitagsmedien ein älteres Porträt des Hitorikers mit dem schwarz-rot-goldenen Herzen.

Von Jan Freitag

Es ist ein Triumph der Beharrlichkeit, aus Hingabe, Aufopferung und Fleiß oder – um es mit Leni Riefenstahl zu sagen: ein Sieg des Willens. Guido Knopp, die graue Eminenz hiesiger Vergangenheitsbewältigung, kriegt einen Preis: In New York überreicht ihm eine internationale Jury zeitgeschichtlicher Fernsehmacher den Lifetime Achievement Award. Damit feiert sie einen Mann, der wie kein zweiter im Medienland den Weg aus der geistig moralischen Wende über die neue Mitte ins nationale Selbstbewusstsein geebnet hat. Und weil zugleich niemand die deutsche Ahnenforschung nach 1933 exporttauglicher machte als der Bundesverdienstkreuzträger aus dem hessischen Knüllgebirge, weiß man das auch im fernen Toronto.

Gut, dass dort mit Olaf Grunert und Ralf-Peter Piechowiak zwei Fahrensmänner vom Lerchenberg im Gremium der History Makers sitzen – geschenkt. Seit Guido Knopp 1984 die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte schuf, hat der promovierte Historiker das sperrige Genre nicht nur in über 50 Länder exportiert, sondern „aus dem Ghetto des Spätabendprogramms ins Hauptabendprogramm“ gehievt, so Knopp selbst. In einer Gegend mit mehr Spielkonsolen als Enzyklopädien ist das schon mal bemerkenswert.

Schon sein erster großer Mehrteiler Der verdammte Krieg fesselte 1991 ein Millionenpublikum. Im Anschluss betrieb der Ex-Redakteur konservativer Frontblätter des Kalten Krieges Welt am Sonntag und FAZ, was der Philosoph Hermann Lübbe mit „deutscher Sündenstolz“ umschreibt: Konfrontatives Verarbeiten. Gnadenlos konfrontierte er das wiedervereinigte Volksempfinden mit den Tabuthemen Nationalsozialismus und Krieg, betrieb es aber als konsequente Exkulpation des von den Nazis, nein – eher einer Führungskaste, noch besser: vom Führer verführten Volkes. Schuld sind immer die anderen – das alte Sandkistenprinzip.

Denn stets lenken Hitlers Helfer, Henker, Frauen und Kinder alle Aufmerksamkeit fort vom fanatisierten Volk. Bataillone großväterlicher Zeitzeugen geben sich ohne je Nachfragen zu fürchten so persönlich, dass Motive, Ursachen, Schuld verschwimmen. Ob Machtergreifung, Widerstand, Stalingrad oder Nachkriegszeit – Knopp hat „das Wir-Gefühl ins deutsche Erinnern gebracht“, schreibt Die Zeit und nennte seine Taktik „Entschuldung durch konsequente Entpolitisierung“. Seine zweifarbige Heldenproduktion, deren schwarze Seite allein durch Hitlers (Krieg, Plan, Clique) apostrophiert wird, duldet nur weiße Flecken. „In gewisser Weise hat er sich zu Beginn von Hitler täuschen lassen“ – so arglos klang die frühe Führerbegeisterung des späteren Attentäters im Stauffenberg-Film Die wahre Geschichte von 2008. „Der Graf war deutsch-national, nie ein Nazi“ lobt Knopp seinen Lieblingsdeutschen. „Wir atmen etwas freier, weil es ihn gegeben hat.“

Und um Befreiung geht es. Nichts belastet das nationale Behagen mehr als ein dreckiges Gestern. Deshalb führt Italien keine Debatte über den Duce, deshalb bleibt Stalin in Russland ein Star. Deutschland indes ging zu lang gesenkten Kopfes, wie die Rechte seit je befindet. Da half Guido Knopp beim Heben, der „Liberalkonservative in den Farben Schwarz-Rot-Gold“, wie er sich selber nennt. Kritiker bevorzugen „Megalomane“ oder „ZDF-Kriegsguru“, der aus Sicht des Historikers Ulrich Herbert „Nazi-Kitsch“ mit „Spaßkompatibilität“ (Süddeutsche) liefert.

Knopp hat aus Geschichtsfernsehen Histotainment gemacht und die braunen Flecken darin verrührt, wenn auch nicht alle: Als Knopp zum 60. Jahrestag der Normandie-Landung reaktionäre Historiker à la Arnulf Baring ins Studio bat, die „vom Tod, der alle gleich macht“ faseln durften. Wenn sein Leibregisseur Hans-Christoph Blumenberg in Der Aufstand“ DDR-Polizisten zu Bestien in SS-Kluft uniformiert oder alle Vertreibungsgründe im Dokudrama Kinder der Flucht 1944 statt ’33 suchte. Und als sein Endlosformat History am Sonntag das Gedenken an die Auschwitz-Befreiung um drei Tage vorzog, widmete er sich dem Klassenfeind: Die DDR und die Juden. Immer die anderen, wie gesagt.

Ansonsten aber mag es Knopp nun milder. Als Quizonkel im Zweiten etwa lässt er Frauen gegen Männer oder Adel gegen Pöbel raten und kümmert sich in History auch mal um US-Präsidenten oder Verschwörungstheorien. Mit 61 scheint er geläutert vom populistischen Eifer früherer Tage – der Westerwelle des Fernsehens, ein Guido namens Knopp. So wie sich der FDP-Chef heute seriös gibt, so hat der ZDF-Stratege die Strategie verfeinert. Sein Guidomobil fährt weiter mit fixen Schnitten, dramatischer Musik und plakativen Kommentaren, aber uns als großes Opfervolk einer winzigen Tätergang zu zeichnen – das das hat ihm jeder abgekauft, der sich nicht querinformiert. Alle lieben Stauffenberg und schuld war Hitler. Mission erfüllt. Sogar in Toronto.

Advertisements


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.