Helene Fischer: Dichtung & Wahrheit

Ziemlich harmoniesüchtig

Der Schlagerstar Helene Fischer ist in aller Munde, allen Medien, allen Kanälen präsent. Ein Interview mit ihr zu kriegen, ist trotzdem nicht leicht – selbst wenn sie gerade in der gleichen Stadt nur ein paar Kilometer entfernt zu PR-Zwecken im Hotelzimmer sitzt. Weil die begnadete Entertainerin morgen den künstlerisch nichtigen Musikpreis Echo (ARD, 20.15 Uhr) moderiert, darf man sie wenigstens anrufen. Zu schade, dass ihr Management hinterher wenig von Fischers Antworten veröffentlicht sehen möchte. Die eckigen Klammern geben Auskunft darüber, wie wenig wirklich. Protokoll eines Interviews, das mit der Realität am Ende nur noch bedingt zu tun hat.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Helene Fischer, was haben Sie und Thomas Gottschalk wohl bei allen Unterschieden gemeinsam?

Helene Fischer: (lacht) Nicht viel. Er ist der deutsche Entertainer schlechthin, während ich bei allem Bemühen, mein Publikum zu unterhalten, eher Sängerin als Moderatorin bin. Aber was meinten Sie denn – die blonden Haare?

Das auch. Aber wenn Sie die Bühne betreten, wirkt es wie bei Gottschalk nie, als seien Sie bei der Arbeit, sondern entspannen sich.

Wenn das Publikum anders empfände, könnte es sich jedenfalls kaum entspannt im Sessel zurücklehnen. Aber natürlich ist das für uns beide Arbeit, nur dass Herrn Gottschalk durch seine Routine noch viel gelassener ist. Ebenso wie mir dürfte auch ihm Nervosität bis heute nicht fremd sein, aber wir beide können offenbar einen Schalter in den Jobmodus umlegen.

Und wie lange haben Sie den Schalter schon?

Eine Weile. Ich mache mich vorher nicht mehr so verrückt und kann mit unvorhergesehenen Situationen entspannter umgehen. Erfahrung bringt Selbstbewusstsein, und das nimmt Druck von den Schultern. Trotzdem gibt es zwischen mir und Thomas Gottschalk große Unterschiede.

Aber nicht, was die Präsenz betrifft. Es gibt Helene-Fischer-Uhren, -Wandkalender und -Winterkleidung, ein Magazin, Dokumentation, die TV-Show und den Echo […]. Wann gibt es eigentlich genug Helene Fischer?

Zum Einstieg in die Diktatur der PR, hat der Agent hier gleich mal einen Teil der Frage gestrichen. Der Frage!

[…]

Ich habe mich zu allem, was von mir zu sehen ist, zwar bewusst entschieden, aber obwohl ich mir durchaus kreative Pausen nehme, kann schon das Gefühl entstehen, ich sei ständig da. Wobei man die Wiederholungen im Fernsehen ebenso wenig beeinflussen kann wie viele Geschichten über mich in der bunten Presse.

[…]

Und so geht es weiter. Hier zum Beispiel sagt Helene Fischer ein paar kluge Dinge über ihre Überpräsenz, die leider gestrichen wurden

Ist Ihre Präsenz also eine Art Dienstleistung?

In Zusammenhang mit etwas leidenschaftlichem wie Musik klingt der Begriff in meinen Ohren falsch. Aber professionell zu liefern, was erwartet wird, zählt zu meinem Beruf dazu.

Steuert die Nachfrage das Angebot oder umgekehrt ihr Angebot die Nachfrage?

Ich denke ersteres. Ich kann aber danach auswählen, ob ich die Sachen beherrsche, dahinter stehe und Spaß dabei habe. Das ist ein großer Luxus, aber ich habe ihn mir auch hart erarbeitet.

[…]

Auch hier setzte die Axt des Agenten an einer Stelle ein, die mal mehr übers Kunstprodukt Helene preisgab

Mit dem Faktor Berühmtheit als Zugabe. Sehen Sie die als Fluch oder Segen?

Am liebsten würde ich natürlich auf die Bühne gehen, meinen Job machen und dann wäre der Rummel vorbei. Aber ich bin nun mal eine Person des öffentlichen Lebens und muss damit umgehen.

[…]

Ist die Person, die heute beim Echo auf der Bühne steht, überhaupt Helene Fischer oder ein Kunstprodukt des Show-Business?

Das bin schon ich, sonst würde es nicht funktionieren. Shows wie diese haben zwar Drehbücher, aber die Zuschauer würden es merken, wenn ich nur eine Rolle spiele, die nichts mit mir zu tun hat.

[…]

Privat bin ich trotzdem eine andere, trage legere Kleidung und tanze nicht ständig durch die Gegend (lacht). Aber ich muss mich auf der Bühne für nichts verbiegen. Und beim Echo bin ja auch nicht ich der Star, sondern die Preisträger.

Was bedeutet Ihnen mehr: den Echo zu moderieren oder ihn zu kriegen?

Ich finde es toll, dass beides der Fall sein könnte. Aber ich bin ein Bewegungsmensch; wie in den Jahren zuvor passiv im Publikum zu hoffen, den Echo zu kriegen, war viel anstrengender als jetzt, wo ich vor und hinter der Bühne aktiv bin. Jetzt lenkt mich die Arbeit von der Aufregung ab, unter der die meisten anderen Nominierten ja stehen. Das finde ich sehr erleichternd.

[…]

An dieser Stelle wird es geradezu absurd, weil nicht nur sämtliche Ihrer Antworten zur Absage der Rechtsrocker Frei.Wild gestrichen wurden, sondern die Fragen gleich mit.

Ist es für eine Künstlerin von Ihrer Außenwirkung nicht wichtig, Haltung zu beziehen?

Schwierige Frage. Ich respektiere es sehr, wenn sich zum Beispiel Rosenstolz wie beim vori-gen Bambi für mehr Gleichberechtigung einsetzen, konzentriere mich selber aber aufs Künstlerische. Das bedeutet, niemanden zur Homestory zu bitten, aber auch, mich öffentlich nicht zu politischen Themen zu äußern.

Da ist die Bühnenfigur also doch eine andere als die private.

Nein, die Person bleibt die gleiche. Aber so viel, wie man von mir mitkriegt, möchte ich mich seelisch einfach nicht noch mehr ausziehen. Da brauche ich mein privates Refugium und zu dem zählen auch meinen Haltungen.

Meinen Sie mit „ausziehen“, buchstäblich viel Haut zu zeigen?

Auch.

Das macht sie zum Postergirl des Schlagers.

Ja? Da steckt aber kein Kalkül hinter. Das ist alles der Choreografie geschuldet oder kommt spontan aus mir heraus.

Braucht man für Ihre Art der körperlichen Performance eine exhibitionistische Ader?

Ohne die wäre ich im falschen Beruf, aber sie hat nicht unbedingt mit Kleidung zu tun. Ein Singer/Songwriter, der sein Innerstes über die Texte nach außen kehrt, gibt womöglich viel mehr von sich preis als ich, die mit körperbetonten Klamotten tanzt. Jeder fühlt sich auf seine Art auf der Bühne wohl. Und ich auf meine.

Wie weit würden Sie dafür nie gehen?

Wenn ich dafür mir selbst oder anderen schaden würde. Ich bin ziemlich harmoniesüchtig.

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One Comment on “Helene Fischer: Dichtung & Wahrheit”

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