Daniela Katzenberger: Brust & Keule

IMG_20140228_110731Sie könnten mich glatt anfassen

Nach dem gestrigen Porträt heute also das versprochene Interview, denn die Begegnung mit Daniela Katzenberger war eine Begegnung der Dritten Art: Das aufgepumpte Billigshowstarlet gibt’s nämlich wirklich! In echt und im ARD-Film Frauchen und die Deiwelsmilch, wo die Katze heute allen Ernstes zur besten Sendezeit die Hauptrolle spielt. Links im Bild ist übrigens Katzenberger zu sehen, was den Interviewer rechts im Bild sichtlich verwirrt…

Interview: Jan Freitag

Frau Katzenberger, ich bin schon mal überrascht, dass es Sie wirklich gibt.

Daniela Katzenberger: Äh (lacht), wie soll ich das verstehen?

Wer Sie sonst nur am Bildschirm sieht, könnte Sie auch für eine Installation halten, ein Kunstprodukt, eigens fürs Fernsehen kreiert.

Und jetzt sitze ich hier in Fleisch und Blut und Sie könnten mich glatt anfassen.

Was an Ihnen ist denn wirklich echt, was fürs Medium gemacht?

An mir ist alles echt, zumindest gehört alles zu mir. Ich hab mir, bevor ich ins Fernsehen gekommen bin, jedenfalls keine Liste gemacht, was ich sein und wie ich aussehen soll. Alles, was ich bin, war ich auch schon vorher. Die unechten Dinge an mir sind sichtbar, alles Innere gehört schon immer zu mir. Obwohl… [hier quetscht sich Daniela Katzenberger zum ersten, aber nicht zum letzten Mal beherzt die Brüste zusammen und lacht dabei arglos].

Heißt das, die Persönlichkeit des Provinzgewächses Daniela Katzenberger wurde durch die Präsenz in allen Medien nicht verändert?

Doch, mein Geschäftssinn wurde unglaublich gestärkt. Privat sitze ich aber weiter in Jogginghose auf dem Sofa rum wie früher. Falls Sie nämlich meinen, ich werde häufiger zurechtgemacht – seit ich im Fernsehen bin, habe ich weniger Lust, mich zu stylen und lebe stattdessen meine Rumlümmelseite mehr aus.

Das klingt, als sei es anstrengend, diese öffentliche Person zu sein.

Manchmal schon, dann hab sogar ich keinen Bock zu reden. Dann ist sogar der Fernseher aus und ich bin eher still und nachdenklich. Das hab ich beim Film besonders gemerkt. Ich lerne wirklich gern Texte und stehe vor der Kamera, aber wenn ich den ganzen Tag gedreht habe, wollte ich wirklich für mich sein und nichts sagen.

Bezeichnen Sie sich nach diesem Film bereits als Schauspielerin?

Für den Film war ich eine, aber als Berufsbezeichnung würde ich das nie im Leben wählen. Dafür reicht weder der Film noch das bisschen Coaching vorweg.

Was hatte der SWR denn in Ihnen eingekauft – die normale Darstellerin eines normalen Films oder das PR-Produkt eines PR-Films?

Natürlich wissen die, dass man einen Film mit meinem Namen ganz anders teasern und pushen kann, damit es auch ja jeder guckt. Andererseits war meine Arbeit handwerklich am Ende die, einer Schauspielerin.

Wie sollte die ARD Ihren Auftritt denn betiteln: „Sie kann auch anders“ oder „sie ist, wie sie ist“.

Ich glaube, eine Mischung aus beidem. Ich bin ja wirklich, wie ich bin. Aber das, was ich da machen musste, war echt schwierig und musste lange trainiert werden.

Wird man Sie nach diesem Film womöglich ein bisschen ernster nehmen?

Das ja, ernst sicher nicht. Dafür bräuchte ich noch zehn Filme mehr.

Geht es Ihnen darum – ernst genommen zu werden?

Nee, nicht in diesem Film. Mit dem wollte ich mich einfach mal ausprobieren, eine coole Erfahrung. Damit, nicht ernst genommen zu werden, hab ich kein Problem.

Aber gerade dass Sie so ernst genommen werden, hat ein Paul Breitner neben Ihnen in einer Talkshow mal als Problem unserer Gesellschaft bezeichnet.

Ach wissen Sie, ich nehme mich doch selbst ständig auf die Schippe und damit gar nicht richtig ernst. Deshalb baue ich immer so ein Gerüst aus Ironie um mich herum. Was man aber nicht verwechseln darf, ist meine Figur und das, was daraus gemacht wird. Die Figur Katzenberger muss man vielleicht nicht ernst nehmen, den Erfolg, den sie hat, allerdings schon.

So ernst wie Heidi Klum, die permanent ihre Haut zu Markte trägt und das dann auch noch als emanzipiert verkauft, weil sie es ja selbst bestimmt?

So ähnlich. Wir sind beide äußerlich Kunstfiguren mit einem realen Kern.

Ist Ihre Sparkassenangestellte Miri im Film echt oder auch eine Kunstfigur.

Sie ist weniger geschminkt und kann gut mit Zahlen. Ich würde Sie mal eine abgeschwächte Version von mir nennen. Ich spiele da schon ein Stück weit mich selbst, deshalb fiel es mir so leicht. Die Rolle wurde mir förmlich auf den Leib geschnitten. Ich musste da gar nicht viel spielen.

Als Miri einmal den Computer des Filialleiters repariert, sagt sie, sie hätte eigentlich gar keine Ahnung, aber nur, wenn sie nicht darüber nachdenkt. Ist das auch Ihr Credo?

Wir sind jedenfalls beide eher Bauchmenschen.

Ihr Buch, dass Sie mal geschrieben haben, heißt „Sei schlau, stell dich dumm“. Sind Sie schlau und stellen sich dumm?

Wenn es sein muss. Männer mögen es zum Beispiel gern, wenn man Ihnen sagt, das kann ich nicht, hilfst du mir mal. Da fühlen Sie sich stark, ohne dass ich schwach sein muss. So was ist im Alltag sehr hilfreich. Und wer ständig unterschätzt wird, übertrifft öfter die Erwartungen.

Wie weit kann Sie diese Kombination noch bringen im Fernsehen?

Das weiß ich nicht. Darüber mache ich mir auch nie Gedanken. Ich lasse mich schon immer lieber treiben.

Aber Sie haben schon Ziele?

Schon, aber keine allzu hohen. Dann ist man nur enttäuscht, wenn man sie nicht erreicht.

Was wären denn die niedrigen?

Also wenn Sie denn Film meinen: wenn er schlecht läuft und niemand mag ihn, war es eine tolle Erfahrung, wenn er gut läuft und es gäbe einen zweiten Teil, wäre ich sofort dabei. Ich setze mich da nicht unter Druck. Und sonst werde ich einfach versuchen, mit meinem bekannten Namen zu arbeiten und so mir damit andere Ziele verwirklichen: Ein Kosmetikstudio zum Beispiel, das überlege ich schon. So wie das Café Katzenberger. Mein Name ist mein Kapital, das muss ich doch nutzen.

Das wären Ziele, zu irgendetwas hinzukommen. Gibt es auch welche, von etwas wegzukommen – Ihrem Image etwa?

Ich habe jedenfalls keine Typ-Veränderung geplant.

Auch nicht in zehn Jahren? Wo steht Daniela Katzenberger mit 37?

Wenn ich jetzt sage, mit 37 eine seriöse Schauspielerin zu sein, hält man mich doch für übergeschnappt. Also: auf jeden Fall in einem schönen Haus mit Mann und Kind und noch immer im Showbiz.

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