Heinz Fischer & Helene Schenk

Werbung, RFT Color 20, FernseherDie Gebrauchtwoche

26. April – 4. Mai

Heinz Schenk ist tot. Heinz wer? Selbst volljährige Digital Natives dürften mit dem Namen nicht mal eine blasse Erinnerung verbinden. Umso verlorener muss man jetzt, da dieses Fossil der deutschen Fernsehhistorie mit 89 Jahren gestorben ist, mal fragen: Wer ist denn eigentlich noch übrig aus der Riege alter Conferenciers einer Epoche, als Showmaster noch Heinz oder Hans-Joachim, statt Joko und Claas hießen? Als Schenks bieder-fröhliches Fernsehbierzelt Zum blauen Bock 20 Millionen Zuschauer vorm Röhrenbildschirm fesselte? Wobei, fesselte – „die Großeltern wollen ihn sehen, die Kinder dürfen ihn sehen, die Enkel müssen ihn sehen“, so skizzierte die hessische Frohnatur den Erfolg einer Sendung, die vom Stroboskopgewitter heutiger Supermegasausen weiter entfernt war als Helene Fischer vom Tagesschau-Studio.

Obwohl…

Samstag darf sie nun ja sogar schon the results of the german vote vom Hamburger Spielbudenplatz verlesen und sich Samstag beim ESC-Finale somit weiter fit senden für höhere Aufgaben: ARD-Talkshow, RTL-Intendanz, ADAC-Vorstand, UN-Generalsekretariat, ZDF-Wettsofa, ungefähr in dieser Reihenfolge. Bloß Boxen im Ersten kann sie nicht moderieren, da das Erste zum Jahresende den Irrsinn beendet, alles zu übertragen, was der Sauerland-Stall an gewaltbereiten Ghettokids zwischen die Seile jagt. „Hervorragende Einschaltquoten, populäre Boxsportler sowie spannende und faire Kämpfe haben die gemeinsame Zeit geprägt“, bejubelt Programmchef Volker Herres die teuren Jahre vorm sparbedingten Rückzug. Da hätte er sich bis auf die ersten zwei Worte doch glatt alle sparen können.

Ob der Kampftag Samstag nach von Hirschhausen oder Volksmusik künftig etwas anspruchsvoller wird, sei allerdings ebenso dahingestellt wie die Chance, ohne Profiprügel junge Leute vom kommerziellen ins öffentlich-rechtliche Programm zu ziehen. Zumal die ein Medium bevorzugen, dessen durchschnittliches Niveau noch auf lange Sicht eher Schulhofschlägereien als Informationskanälen entspricht. Zum Beleg sei exemplarisch der Schlagzeilenteaser des Internetportals www.news.de vom Mittwoch verlesen: „Darmbakterien bei Burger King / Heidi Klum heiratet / Hitler privat / Sylvie Meis bei RTL gemobbt“. Dagegen sendet RTL2 ja geradezu Bildungsfernsehen.

TV-neuDie Frischwoche

5. – 11. Mai

Obwohl…

Der Kommerzkanal füttert sein Stammpublikum auch diese Woche vornehmlich mit Sättigungsbeilagen ohne Nährwert ab. Die Fortsetzung des Dating-Formats Next, Please! etwa (heute, 17 Uhr), das RTL2 abermals als Erstversorger vom Anspruch benutzter Unterhosen ausweist. Da will der Muttersender seiner kleinen Schwester in nichts nachstehen und ballermannisiert mit einer neuen Folge von Mario Barth deckt auf am Mittwoch das wichtige Thema Steuerverschwendung. Parallel dazu probiert Sat1 mit Hell’s Kitchen etwas sensationell Innovatives aus: Kochende Promis! Was ähnlich überrascht wie tags drauf das Finale von Germany’s Next Tompmodel oder auch die heutige Besetzung Diana Amfts als tapsige Bielefelder Polizistin Josephine Klick in einem Berliner Kommissariat voller – Achtung Genderhumor! – Machos. Krass kreativ.

Aber um nicht in den Ruch der Pauschalkritik zu geraten, hier schnell zwei Serien, die theoretisch womöglich durchaus interessant zu werden versprechen könnten vielleicht: heute startet um 22 Uhr das zehnteilige Psycho-Prequel Bates Motel, womit Vox zumindest mal seine Gruselkompetenz erprobt. Und Mitwoch zeigt Pro7 Suburgatory, ein englisches Kofferwort aus „Suburbia“ und „Purgatory“, übersetzbar mit Vorstadtfegefeuer. Wenn das im religiösen Sinne ernst gemeint wäre, hätte Deutschlands älteste Sendung nach der Tagesschau dazu vielleicht was zu sagen. Weil sich die 22 Teile aber um die Hölle auf Erden im Speckgürtel kümmert, kann das Wort zum Sonntag Samstag Erbauliches über die vermeintlich sündige Reeperbahn erzählen, wo es zum 60. Geburtstag live den Eurovision Song Contest unterbricht.

Ansonsten aber duldet die ARD keine Ausnahmen vom Regelprogramm, weshalb sie die Verleihungen des Medienpreises CIVIS am Donnerstag und des Fernsehpreises Lola am Freitag zeitversetzt zur Nacht versendet. Sonst gäb’s am Ende zur Primetime weder Krimi (Zorn mit Mišel Matičević) noch Schnulze (Romy mit Jessica Schwarz). Letzteres übrigens als Wiederholung, was womöglich eine Reminiszenz an die zeitgleiche Fortsetzung eines Klassikers im ZDF ist: Ein Fall für zwei kehrt zurück, noch so ein Fossil aus Zeiten, das Heinz Schenk die Straßen regelmäßig leer fegte. Mit Antoine Monot Jr. und Wanja Mues als Anwalt und seine Faust wagt die Serie aber tatsächlich einen Neuanfang.

Wer es vorige Woche verpasst hat, kann Mittwoch übrigens im Ersten das Dokudrama Die Spiegel-Affäre nachholen, gefolgt von einer sehenswerten Doku. Wer aber doch den Kulturkanal vorzieht, findet dort zeitgleich einen Themenabend über preisgekrönte Filme des Festivals von Cannes. Sonntag dann gibt es den Tatort aus Köln, ohne neuen Assistenten, aber mit Jugendgewalt. Und den Tipp der Woche gibt es schon jetzt: den Schwarzweißklassiker Lohn der Angst mit Yves Montand als Trucker, der eine explosive Fracht durch Venzuela karrt. Auch nach 60 Jahren famos!

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2 Comments on “Heinz Fischer & Helene Schenk”

  1. rollinger says:

    Seine echte Größe erkannte ich erst als er mit Kerkeling diesen Film machte (dessen Titel mir entfallen ist). Ich wusste nicht, dass er wirklich schauspielern konnte. Das hätte ich nicht gedacht.


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