Popfriday: Féloche, Kishi Bashi

Féloche

Manchmal pfeifen es die Vögel förmlich aus den Boxen, wenn da was Neues vom Himmel kommt, das die Musikwelt aus den luftigen Höhen des Einfallsreichtums ein bisschen durcheinander schüttelt. Beim Multinstrumentalisten Féloche zwitschern sie gleich ins erste Stück hinein und legen die Messlatte des Verspielten, Ironischen, Absurden damit bewusst niedrig. Féloche, ein Franzose mit spanischen Wurzeln und weltmusikalischem Ansatz, macht Musik aus gespitzten Lippen tief aus dem Magen heraus. Auch deshalb hat er sein zweites Album nach der Pfeifsprache auf La Gomera, der Heimat seines Großvaters benannt. Silbo ist ein einziges, irrisierendes Flöten und Tirilieren.

Umso schöner, dass gleich der zweite Track frankophonen Neo-Chanson mit ziemlich amerikansichem HipHop vermengt und anschließend auf bezaubernde Weise an seinen Landsmann Mathieu Chedid alias -M- erinnert, der die Verwirrung traditioneller Klänge mit den Mitteln des multikulturellen Mashups zum Credo erhoben hat. Besonders erstaunlich daran aber ist, dass all dies nie so klingt, als beute der charismatische Künstler dahinter das Prinzip Pop als Strukturprinzip nur aus, um möglichst viel hineinzupacken, das möglichst vielen gefallen könnte. Féloche unterschreitet die Grenze zum Massenkompatiblen so gekonnt, dass es selbst der Masse gefallen würde, wenn man es mal im Radio spielte.

Féloche – Silbo (Ya Basta)

Kishi Bashi

Bei Kaoru Ishibashi ist der Fall ein wenig anders, im Grunde sogar umgekehrt gelagert. Der Multinstrumentalist aus dem sommerlich heißen, winterlich frostigen Seattle überschreitet die Grenzen seiner symphonischen Elektronika zum Pop als Strukturprinzip so bewusst, so kalkuliert, dass die eklektischen Sounds dahinter weit profaner wirken als sie sind. Was nichts Negatives heißen muss. Denn unterm Pseudonym Kishi Bashi hat er nun sein zweites Album mit dem luziden Namen Lighght produziert, und es klingt so grandios überladen wie auf dem ersten vor zwei Jahren.

Gut, zuweilen erinnert das auch ein wenig daran, als würden die Oliver Onions mit den Scissor Sisters natürliche Drogen synthetisieren. Mit Geige und Synthies und einem betörend anschmiegsamen Gesang erwirkt der Amerikaner mit japanischen Wurzeln dabei einen Sound, dass man wie Kishi Bashi auf Einhörnern ins Lichicht seiner diffusen Klangwelten reiten und dort verstehen lernen, warum zu viel manchmal genau richtig ist. Für Freejazzer und andere Feingeister mag Lighght irgendwie bloß etwas elaborierteres Lady Gaga sein; für aufgeschlossenere Gemüter ist es ein grandioser Versuch, sich nicht allzu ernst zu nehmen und dabei irre Spaß zu haben.

Kishi Bashi – Lighght (Joyful Noise)

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