Samplerfriday: Koppruch, staatsakt, 2 Tone

A Tribute to Koppruch

Musikalisch Tribut zu zollen kratzt an Grenzen, die oft besser unberührt blieben. Wer die Großen, Vergangenen, Prägenden ihrer Zeit kopiert, um ihnen Ehre zu erbieten, klingt ja nicht selten impertinent oder anmaßend, wenn nicht gar größenwahnsinnig oder alles zusammen. Bei manchen, vor denen sich da verbeugt wird, ist die Gefahr gewaltig. Bei Nils Koppruch ist sie das nicht. Gerade weil er so groß, vergangen und prägend war. Vor zwei Jahren ist der Singer/Songwriter aus Hamburg gestorben und hat ein gewaltiges Loch in die Poesie des zeitgenössischen Pop gerissen. Ganz zu schweigen von den Herzen seiner Fans. Jetzt haben Freunde, Verehrer, Weggenossen ein Tribut-Album aufgenommen, dass sich dem alternativen Vordichter deutschen Countrys huldigt und es zeigt sich: Koppruch war zu einmalig und einer von vielen zugleich, als dass eine Annäherung an ihn impertinent, anmaßend, gar größenwahnsinnig sein könnte.

Und so sind die mal technoiden, rockigen, poppigen, wavigen, chansonesken, mal waidwunden,  wunderbaren, manchmal missglückten, aber stets liebenswerten Interpretationen seiner Form von urbaner Wildwestlyrik ein Compendium das zu Tränen rührt, wer Koppruch noch kannte. Oder zum Nachdenken bringt, wer ihm erst posthum begegnet. Gisbert zu Knyphausen, Olli Schulz, Knarf Rellöm, Halma, Wiglaf Droste, Bernadette La Hengst, Moritz Krämer, Kettcar, Fehlfarben Kajak und ein Dutzend weniger prominenter Künstler zollen dem Verstorbenen hier Tribut. Sie kratzen an Grenzen, die gottlob weiter berührt werden. Und halten Nils Koopruch weiter am Leben. Dafür von Herzen ein Danke.

A Tribute To Nils Koppruch + Fink (Doppel-CD, Trocadero)

Keine Bewegung

Das Berliner Label Staatsakt zählt zu den ganz Besonderen Musikmachern des Independent Die Sterne werden dort verlegt, Fraktus un Andreas Dorau, Ja, Panik!, Jens Friebe und Jolly Goods, Hans Unstern, Bonaparte und Die Türen, Verschrobenes, Brillantes, Abseitiges, Punkiges, Alternatives, Unabhängiges, Eigensinniges, all dies vor allem und gern auf einzelnen Alben vereinigt. Da ist es eine gute Nachricht, wenn Staatsakt etwas kompiliert.

Und wenn der Titel Keine Bewegung heißt, dann trägt er nur jene Dialektik des Pop in sich, die auf diesem Laben seit jeher zuhause ist. Es scheppert gewaltig, wenn 206, Trümmer oder Messer darauf mit jugendlichem Furor den Postpunk weiter radikalisieren, wenn selbst der Songwriter Friebe ruppig klingt und Die Nerven blaue Flecken verpassen. Gemeinsam ist das ein dreizehnstückger Faustschlag in die Magengrube saturierten Pops und doch selten aggressiv. Kaufen! Auf Vinyl! Schon wegen des Covers!

Various Artists – Keine Bewegung (Staatsakt)

The Best Of 2 Tone

Es gibt so Platten, die stehen ungenutzt in jeder zweiten Plattensammlung rum. Irgendein Best-of von Elvis zum Beispiel, die ersten zwei, drei Alben von Marius. Oder That’s Ska, eine Kompilation jamaikanischer Ursounds aus den Achtzigern. Das Kompendium unbekannter Bands einer bekannten Musik. Seither gab es keinen Sampler, der ihm nahe gekommen ist. Bis jetzt. Denn Crysalis hat gerade The Best of 2tone herausgebracht, eine Zusammenstellung bedeutender Bands des bedeutsameren Labels.

Es vereinigt von The Selector über Madness bis zu den Specials die Genregrößen, aber auch Unbekannteres wie Sea Cruise oder Do Nothing und flutscht rein ins Gehör wie Speiseeis in den Bauch bei Sonnenschein. 18 Stücke haben die Kuratoren zusammengetragen, die keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erheben oder gar eine qualitative Wertung vornehmen. Grandios ist der Sampler trotzdem. Und wird garantiert nicht im Fach jener Platten landen, die man zwar hat, aber nie hört.

Various Artists – The Best Of 2 Tone (Crysalis)

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