Falscher Thommy & echte Kampusch

Werbung, RFT Color 20, FernseherDie Gebrauchtwoche

4. – 10. August

Die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion ist in der Medienmoderne immer schwerer zu ziehen. Gerade im Entertainment bedarf es da schon eines genauen Blicks, besser noch dezidierten Hintergrundwissens, um die kleinen Betrügereien von Film und Fernsehen zu erkennen. Falsche Realität verkleidet sich hinter wackelnden Kameras zuweilen so geschickt als Mockumentary, dass bis heute viele an die Hexe in Blair Witch Project glauben. Privatsender bemühen sich mit ihrer Scripted Reality schon weit weniger um Glaubhaftigkeit, täuschen aber dennoch Millionen ihrer naiveren Zuschauer. Und dass dies selbst mit dem abgebrühteren Stammpublikum der Öffentlich-Rechtlichen möglich ist, belegte zuletzt die Schauspielsimulation von Daniela Katzenberger, der die nun ARD (gottlob) eine Fortsetzung des Pfalz-Krimis Frauchen und die Deiwelsmilch versagt. Oder die Betrügerei bei Kerners angeblich Besten, die sich gerde im NDR wiederholt hat. Vielleicht erklärt das die Chuzpe, mit der das Boulevardblatt Bunte vorige Woche Gottschalks Rückkehr zu Wetten, dass…? vermeldete.

Dass sich der arg offensichtliche, rasch dementierte Fake trotzdem mehr als einen Tag im Netz gehalten hat, zeigt jedoch etwas anderes als die Täuschungskompetenz selbst seriöser Medien im Bannstrahl der Erregungsökonomie: Dass der Exhumierung eines Unterhaltungsfossils so kurz nach seinem Abschied auch nur theoretische Wahrhaftigkeit beigemessen wird, heißt ja nur, dass man dem ZDF mittlerweile praktisch jede Art programmatischer Restauration zutraut. Es hätte sich also niemand ernstlich gewundert, wenn der Thommy seine lieb- und leblose Musikrevue auf RTL zugunsten der geliebten Wettcouch verlassen hätte.

Er wäre mit offenen Armen, respektablen Quoten und nicht zuletzt: fürstlichem Honorar empfangen worden. Schließlich wird simple TV-Unterhaltsamkeit längst höher dotiert als Nobelpreise, Firmenleitungen, Kanzlerschaften. Dafür lohnt sich ein Blick auf den übersteuerten US-Markt. Dort stoßen die drei Hauptdarsteller der beliebten, keinesfalls weltbewegenden Pro7-Sitcom The Big Bang Theory gerade in die Gruppe jener Serienstars vor, die eine Million Dollar verdienen. Pro Folge! Angesichts von 650.000 Dollar, die eine Werbeminute solcher Formte erzielen kann, klingt das gar nicht mal so unverhältnismäßig. Das Lebensgehalt eines Handwerkers für 45 Minuten Hintergrundlachervordergrund auch nur in Erwägung zu ziehen, grenzt aber doch spürbar an Größenwahn. Einer, der von dem eines Rupert Murdoch, dessen Übernahmeangebot von 80 Milliarden Dollar Time-Warner zum Glück abgelehnt hat, nur noch drei, vier Nullen entfernt ist.

TV-neuDie Frischwoche

11. – 17. August

Eine andere Form von Größenwahn bildet Mittwoch die Basis der ARD-Koproduktion 3096 Tage. Thure Lindhardt spielt darin den österreichischen Sklavenhalter Wolfgang Prokopil, der seine perversen Allmachtsphantasien an Natascha Kampusch (Antonia Campbell-Hughes) auslebt. Es ist ein gelungenes, düsteres Stück realer Fiktion, die erstaunlicherweise nie auf Tränendrüsen drückt. Schade, dass es erst um 22.45 Uhr ausgestrahlt wird. Weil es allzu starker Tobak für die Primetime ist. Aber auch, da das Erste seine Topsendzeit gern für freundliche Komödien freiräumt – sogar, wenn es wie die Ruhrpottkomödie Das Millionen-Rennen mit Peter Lohmeyer und Axel Prahl als Taubenzüchter Wiederholungen sind.

Ist vielleicht auch mal ganz angenehm, wenn einem der Filmmittwoch nicht dauernd Kindesmissbrauch und ähnliche Schläge in die Magengrube verpasst. Einerseits. Andererseits ist die Großwetterlage der ARD ja schon an den restlichen Tagen meist wolkig bis heiter. Wie am Montag, wo Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt ist länger tot) erneut sein Gespür für humoristischen Provinzialismus auslebt. In Wer’s glaubt wird selig versucht Gastwirt Georg (Christian Ulmen) seine verstorbene Schwiegermutter (Hannelore Elsner) mit ein paar falschen Wundern heiligsprechen zu lassen, damit sein zusehends schneefreier Wintersport- vom vatikanischen Priester (Fahri Yardim) als Wallfahrtsort anerkannt wird. Ebenso witzig, nur noch skurriler ist am gleichen Abend Puppe, Icke & der Dicke, wo es eine Blinde, ein Stummer und ein Kleinwüchsiger miteinander zu tun kriegen. Das Personal des Roadmovies lässt zwar reichlich Fremdscham befürchten. Doch siehe da: die vielen Preise fürs Regiedebüt von Felix Stienz gab es völlig zu recht.

Schade, dass es dafür vom ZDF die bemitleidenswerte Sendezeit um 0.30 Uhr gibt. So was könnte King Fußball nie widerfahren – ganz gleich, wie belanglos seine Spiele sind. Der Teufel scheißt daher diese Woche gleich zweimal auf gut gefüllte Haufen, ohne dass es sportlich um irgendwas Bedeutsames ginge: Dienstag beim Uefa-Supercup Madrid gegen Sevilla (ZDF), Mittwoch beim DFB-Supercup Bayern gegen Dortmund. Ansonsten steht die Woche vorm Bundesliga-Start im Zeichen wirklich wichtiger Wettkämpfe: Den Europameisterschaften in der Leichtathletik und im Schwimmen. Nicht ganz so wichtig ist dagegen das Ringen 15 leidlich bekannter PR-Figuren in Promi Big Brother, deren Containerbewohner niemand mit mehr als dem Intellekt einer Erdbeerbowle je kennenlernen möchte.

Zum Ausgleich für so viel Stumpfsinn empfiehlt sich eine Perle der Dokumentarfilmkunst – auch weil sie das Dokumentarfilmen selbst zum Thema hat. Montag nach der „Tagesschau“ zeigt 3sat Deutschland filmt. Eine zweiteilige Zeitreise durch ost- und westdeutsche Homevideos auf Super8 zwischen Ungarn-Urlaub und Platten-Alltag, die durch unbedingte Authentizität bezaubert. Irgendwie auch authentisch, am Ende aber eben doch Fake wie eingangs erwähnt ist der Tipp der Woche, Dienstag um 22 Uhr (BR): A Hard Days Night, bei der die Beatles 1964 brüllend komisch ihr Studio suchen, dicht gefolgt von einem schönen Porträt über George Harrison.


Judith Rakers: Sachlichkeit & Glamour

Keine Pfauenräder

Seit neun Jahren spricht Judith Rakers die Tagesschau, halb so lang leitet sie an der Seite von Giovanni di Lorenzo den NDR-Talk 3 nach 9. Und seit die schöne Vollblutjournalistin aus dem eher glanzlosen Paderborn auch noch den glamourösen ESC in perfektem Französisch präsentierte, ist klar: Diese Frau kann beinahe alles. Außer kochen.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Rakers, sind sie naturblond?

Sie als Blatt für Intellektuelle sprechen mich als erstes auf meine Haarfarbe an? Ja, ich bin blond, hab aber auch ein paar helle Strähnchen. Warum fragen Sie.

Spielt das Äußere in seriösen Formaten wie Tagesschau und 3 nach 9 eine Rolle?

Wäre es so, würde ich meine Haare eher dunkel färben, weil das Blonde bei Frauen noch immer mit Vorurteilen behaftet ist; meine Haarlänge und -farbe gilt manchen sogar als kommerziell, da wurde mir auch schon  nahe gelegt, sie kurz zu schneiden.

Auf die Nachrichtensprecherinneneinheitslänge in Kinnhöhe.

Richtig. Aber auch dem habe ich mich verweigert, obwohl es angeblich seriös wirkt. Hätte ich von Anfang an Boulevardjournalismus gemacht, hätte die blonde Schublade gepasst, so nicht.

Ist das Äußere für Sie von Bedeutung.

Wir reden aber nicht nur übers Aussehen?

Keine Sorge.

Die Optik spielt natürlich eine Rolle, weil ich in einem optischen Medium arbeite. In meinem Genre allerdings ist übertrieben vordergründige Optik seit jeher eher hinderlich. Anfangs habe ich mich deshalb gelegentlich aufs Optische reduziert gefühlt, aber ich habe meine Kollegen immer rasch davon überzeugt, dass Klischees bei mir nicht passen, ohne verkrampft Überzeugungsarbeit leisten zu müssen. Ich bin wie ich bin und wie jeder Mensch schwer mit anderen zu vergleichen..

Auch nicht mit Charlotte Roche?

Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Wir sind verschiedene Charaktere, haben aber beide Feuchtgebiete, nur dass Charlotte drüber schreibt, ich nicht. Wir sind berufstätig und machen einen guten Job. Wir setzen uns wissentlich der Kritik von außen aus. Und wir sind beide medienerfahren.

Sie allerdings etwas mehr.

Im Nachrichtensektor vielleicht, aber bei Viva hat sie für ihre Interviews und Gespräche sogar den Grimme-Preis gekriegt. Ein großer Unterschied ist, dass sie es beim Feuilleton leichter hat. Auf ihrer Schublade steht: hochgelobte Bestsellerautorin, bei mir herrscht relativ große Unkenntnis über meine Person als solche. Viel mehr als die Tatsache, dass ich Nachrichten spreche ist nicht bekannt, kein Werdegang, nichts über sechs Jahre Hörfunk, die Zeitungsjournalistin zuvor, mein kommunikationswissenschaftliches Studium, dass ich für der „Brigitte“ ein Format entwickelt habe. Wenn sich jemand die Mühe gemacht hätte, wäre bekannter, dass es auch Gemeinsamkeiten mit Frau Roche gibt.

Oberflächlich wirken Sie bodenständiger.

Sehen Sie? Falsch! Charlotte ist Charlotte. Ich arbeite da nicht an Gegenentwürfen, weder zu ihr noch zu anderen, auch nicht zu ihrem Fragestil etwa.

Was kennzeichnet Ihren?

Bisher die Sachebene. Als Recherche oder drei Minuten im Studio, mit Verteidigungsminister Jung zur Kundus-Affäre oder Regisseur Hirschbiegel zu Der Untergang. Interviews zur Person, wie sie jetzt auf mich zukommen, hatte ich in den letzten 15 Jahren seltener. Insofern verlagert sich meine Tätigkeit ein bisschen. Mein Ziel ist erreicht, wenn sich Information und Emotion gleichermaßen für den Zuschauer vermitteln. Talkshows dürfen krawallig sein, wenn der Gast es hergibt, aber auch lustig oder still. Im Idealfall gibt es Tempiwechsel. Die Interaktion macht die Musik.

Und Sie moderieren nur oder gießen auch mal Öl ins Feuer oder löschen es?

Beides. Es gibt Menschen, die muss man nur anticken und sie reden, bis man sie zügelt. Anderen muss man bei der Öffnung helfen und nachgrätschen. Die Konfrontationshaltung variiert mit den Gästen.

Sie gehen keiner aus dem Weg.

Das wüssten Sie, wenn Sie mal Interviews mit mir beim Hamburg Journal gesehen hätten. Ich bin geradezu abonniert auf konfrontative Nachfragen. Aber das ist bei mir kein Selbstzweck. Ich will nicht mich gut verkaufen, sondern die Geschichte des Gastes, seine Antworten. Wie ich dabei aussehe ist mir letztlich egal, selbst wenn das ziemlich blöd ist.

Das klingt nach Kokettieren.

Ist aber ist Professionalität. Und meine Haltung. Mich machen Interviewer wahnsinnig, die sich unablässig produzieren, sogar Marotten aneignen, das ist mir zu viel Personality-Show. Man muss gelegentlich seinen Standpunkt klären, aber keine Pfauenräder schlagen.

Sehen Sie sich gern im Fernsehen?

Das tut niemand. Gelegentlich muss es sein, schon um alle paar Monate mit einem Sprechtrainer an der Präsenz vor der Kamera zu arbeiten. In der Tagesschau steh ich zum Beispiel leicht schief. Das ist nichts Schlimmes, fällt aber auf und lenkt ab. Ich kriege da viele gut gemeinte Tipps von den Zuschauern, Wärmepflaster und so.

Ist Ihnen die zusätzliche Popularität durch die Talkshow lieb?

Was Popularität betrifft, kann ich mit zehn Millionen Tagesschau-Zuschauern nicht mehr erreichen. Und wenn ich sie meiden würde, wäre ich immer noch beim Radio.

Ist 3 nach 9 der erste Schritt ins Unterhaltungsfach?

Also eine Sendung mit Schlager oder Volksmusik mache ich sicher nie. Aber wenn mir früher Unterhaltungssendungen angeboten wurden, war das für mich unvorstellbar, weil ich mir da schlichweg blöd vorgekommen wäre. Jetzt, wo ich mit 3 nach 9 informative Unterhaltung mache, fragen viele: kann die das und meinten, ich solle lieber eine Kochsendung machen. Ich. In einer Kochsendung…

Sie können nicht kochen?

Überhaupt nicht. Außerdem müsste ich da eine Rolle spielen. Ich wäre wohl professionell genug, das irgendwie hinzukriegen. Bei 3 nach 9 muss ich das eben gar nicht erst.

Nehmen wir das Thema Lifestyle, dem Sie angeblich sehr zugeneigt sind.

Was glauben Sie, was mir da schon alles angeboten wurde. Ich mache keinen Boulevard.

Weil es Ihnen zu unseriös ist?

Nein, es ist eine Facette des Lebens. titel thesen temperamente ist am Ende auch Lifestyle, da geht’s um Kunst, Kultur, Design. Wenn ich mir bei 3 nach 9 einen Jorge Gonzalez einlade, ginge es eben nicht um seinen Job als Heidi Klums Topmodel-Juror, sondern, wie er in seiner kubanischen Heimat als Homosexueller diskriminiert wurde. So lernt man neue Facetten an ihm kennen, die mir aufgefallen sind, weil ich neugierig war, als ich bei einem Abendessen mal neben ihm saß. Außerdem ist er studierter Nuklear-Ökologe, der für seine Examensarbeit Milchproben von Kühen bei Tschernobyl genommen hat. Wer würde das von dem denken? Wer Vorurteile sät, erntet nur Oberflächen.

Sind Sie auch privat so investigativ und offen?

Also wenn ich im Zug mit jemandem ins Gespräch komme, erzählen mir Frauen schon mal ihre Kriegserinnerungen, weil sie mein Interesse spüren. Das ist kein dummes Gelaber: mich interessiert immer das „Warum“. Deshalb hab ich auch Geschichte studiert.

Interesse allein reicht nicht, man braucht sprachliche Hebel, um Menschen zu öffnen.

Und da bin ich mal gespannt, ob mein Instrumentarium ausreicht. 3 nach 9 ist nicht genau mein Ding, weil ich schon jetzt darin perfekt bin, sondern weil ich das können kann. Und wenn ich so was spüre, mache ich’s auch. Das ist mein Naturell. Ich hab mal für den NDR eine Tanzshow moderiert, als ich noch relativ neu war. Da habe ich mich die ganze Zeit von außen betrachtet und fand das schrecklich. Das muss ich jetzt auch erst mal machen und sehen, ob ich in die Sendung passe. Bei meinem Mit-Moderator Giovanni di Lorenzo sagten vor 21 Jahren viele, was will der Yuppi aus München bei unserer Talkshow, jetzt fragen das andere eben zur „Tagesschau“-Tante. Wenn man mich 2020 bei Interviews weiter zuerst nach dem Haaren, statt meinem Fragestil fragt, hab ich was falsch gemacht. Jetzt wollen wir mal sehen, wie’s läuft.

Wussten Sie schon nach Ihrer ersten Sendung, dass es das ist – Ihr Ding?

Nicht direkt, aber ich habe schon in der Sendung in mich reingehorcht und gemerkt: Das fühlt sich gut an. Ich war die ganze Zeit bei mir, kein Tunnelblick, der unter großem Druck gerade bei Live-Sendungen entsteht. Und dann noch mit sieben Gästen plus Co-Moderator; man stellt manchmal eine Frage, nur um die nächste anzuschließen und plötzlich grätscht Giovanni rein und das Konzept ist dahin. Aber ich habe mich trotzdem wohl gefühlt.

Fühlte es sich auch wie ein Casting an?

Eher wie ein Gastauftritt. Aber das Feedback war sehr positiv, also haben sich auch andere wohl gefühlt. Kritik geht mir sehr nahe, negative wie positive.

Haben Sie sich als sechste Frau an di Lorenzos Seite seit Charlotte Roches Weggang im Februar als Konsenskandidatin gesehen?

Nein. Nie.


Tohuwabohu: Kinderkram & Privatsachen

Chaos für Verhaltensauffällige

Eine Kindersendung vom KiKa zurück ins reife Programm zu holen, klingt nach einer guten Idee. Mit Tohuwabohu bietet ZDFneo samstagsmittags jedoch bloß billigem Privatpersonal eine Werbefläche und ersetzt Inhalt durch Lärm.

Von Jan Freitag

Wer heutzutage den Fernseher einschaltet, muss oft erstmal kurz einen Blick ins Bildschirmeck werfen, um die gewählte Seite der dualen Medaille zweifelsfrei zu erkennen. Gut – Privatsender von Pro7 bis RTL erkennt man zu allen Tages- wie Nachtzeiten an sensorisch übersteuerter Inhaltsweigerung; öffentlich-rechtlich jedoch surft mittlerweile selbst Arte die Casting-Welle, und sei es mit Opernsängern. ARD-Reportagen kopieren längst das aufgekratzte Jahrmarktgeschrei kommerzieller Dokusoaps. Comedians, Kerners, TV-Köche flottieren frei zwischen den Frequenzen. Kein Wunder, dass es auch bei der neuen Spielshow auf ZDFneo nur drei Dinge gibt, die noch echt nach Staatsfunk klingen: Der Moderator Schopp heißt Jochen, was eher nach Vater als Sohn klingt. Das Finale jeder Runde nennt sich seltsam fremdartig „Herausforderung“ statt wie gewohnt „Challenge“. Und dann der Titel: Tohuwabohu. Das hebräische Wort fürs fröhliche Chaos feierte schließlich schon in der Bibel Premiere und dürfte den jungen Mitspielern ähnlich bekannt sein wie „dufte“, „galant“ oder „nichtsdestotrotz“.

Nichtsdestotrotz befinden sich die kreuzbraven Lilly, Janis, Lena und Calvin aus dem rechtsrheinischen Mittelstand aber bei einem Kanal, den angehende Teenager sonst nie, nie einschalten. Umso eifriger bemüht sich der Jugendableger des Zweiten, Publikumsalter im  Durchschnitt über 50, in keiner der 45 Minuten nüchtern, sachlich, gar erwachsen zu klingen. Je zwei B- bis D-Prominente des oberflächlichen Entertainmentfachs messen sich im Bespaßen zehn- bis zwölfjähriger Kids und führen ihre vierköpfige Jury so unterhaltsam wie möglich durch wechselnde Chall…, pardon: Herausforderungen. Weil das allein aber keinen SuperRTL-Fan vorm Flatscreen hervorlockt, wanzt sich Tohuwabohu völlig ungeniert an ferne Zielgruppen heran.

Und das gleich mal in Gestalt von Ross Antony. Bei wem dieser Namen keine Alarmglocke anwirft, wer also – was bei der Stammklientel von ZDFneo nicht unwahrscheinlich ist – nie von ihm gehört hat: Antony ist ein musikalisch gescheitertes Castingprodukt, das sich seit dem Ende seiner raspelkurzen Popkarriere tuntig-schrill über die Bühnen werbefinanzierter Sendergruppen johlt, zappelt, kreischt. Dschungelkönig ist er, Panel-Star, Raab-Inventar, solche Sachen. Und nun eben: Teilstück zeitgenössischen Kinderentertainments.

Und weil das Nachwuchsprogramm sein Publikum allerorten zusehends behandelt wie verhaltensauffällige Epileptiker vom Anspruchsdenken lerngestörter Teletubbies, tritt er nicht auf – er platzt herein und bricht gleichsam aus. Johlend, zappelig, kreischkreischkreisch. Die volle halbe Sendezeit, so unablässig, dass selbst  bei abgestelltem Ton Tinnitus droht. Wenn Rossy hört, dass er sein Zerstreuungstalent in einer Zeche belegen soll, peitscht er ein „Wow“ durch den Essener Zollverein, als hätte er dort Gold gefunden. Wenn er mit seinen Showschutzbefohlenen auf Schatzsuche geht, hagelt es „Yeahs“ wie beim Bullenzureiten. Als er das im Finale in der Tat auf einem künstlichen Tier probt, quietscht er wie ein abgestochenes Kalb.

Und die Kinder? Belohnen den Eindrucksoverkill einer Skala von 1 bis 10 stets so nah am Höchstwert, dass die nächste Kandidatin nur knapp gewinnt. Sie heißt Sonya Kraus und johlt, zappelt, kreischt sich seit ihrem Einstieg als Glücksradklappendreherin blendgranatenblond-sexy über die Bühnen werbefinanzierter Sendergruppen. Wobei durchaus bemerkenswert ist, dass ihre Schnitzeljagd durchs Kölner Schokoladenmuseum mit abschließendem Kartrennen verglichen mit Ross Antonys Infantilitätsgewitter fast seriös anmutet.

Nicht, dass hier alles Käse ist. Angeleitet vom süffig lächelnden Turnschuhmoderator Schopp wird schon auch Wissenswertes vermittelt. Die Jungen sind artig, die Mädchen wissbegierig, nächste Woche darf eins mit Migrationshintergrund mitspielen. Dennoch sehnt sich nach fünf Minuten jeder intellektuell grundbegabte Zuschauer Michael Schanze herbei. Und ein paar Antworten auf folgende Fragen: Warum macht das ZDF so etwas? Was tragen die Kandidaten der nächsten drei Folgen vom tuntig-schrillen Topmodelsucher Jorge Gonzales bis zum schön gescheiterten Castingprodukt Fiona Erdmann zur Unterhaltung der Generation Smartphone bei? Weshalb gewann Tohuwabohu voriges Jahr das TV-Lab, mit dem ZDFneo frische Formate zur Abstimmung stellt? Welche Chancen hat dieses in einer Zeit fernsehabstinenter Teenager, die ZDF womöglich für einen amerikanischen Geheimdienst halten und das „neo“ dahinter bestenfalls für einen Einzelkämpfer in der Matrix?

Ergebnis: Nichts. Gar nichts.

Tohuwabohu wird unbemerkt, ungewürdigt, ungesehen im Orkus verpuffen und trotzdem die wachsende Erkenntnis befeuern: Den öffentlich-rechtlichen Sendern fällt mit ihren Gebührenmillionen wenig mehr ein, als sich mit kommerziellem Personal im eigenen Stammpublikum unmöglich zu machen. Und zwar so lange, bis irgendwann niemand mehr hinsieht. Also auch nicht, welches Logo grad im Bildschirmeck erscheint. Das ist nämlich irgendwann völlig egal.

Der Text ist vorab unter http://www.zeit.de/kultur/film/2014-08/tohuwabohu-zdf-neo-ross-anthony erschienen


Exchef Kloeppel & Grüßaugust Schropp

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28. Juli – 3. August

Der Gaza-Konflikt, der längst ein Gaza-Krieg ist, dominiert die Nachrichten so nachhaltig, dass selbst der Ukraine-Konflikt, der längst ein Ukraine-Krieg ist, manchmal in den Hintergrund rückt. Und wie schwer es ist, dabei Haltung zu bewahren, zeigt der tägliche Medienzank um die Deutungshoheit dessen, wo Israelkritik endet und Antisemitismus beginnt. Da ist es spannend zu beobachten, wenn die eine Übelkrähe der anderen mal ins Auge hackt. Bei der bis zur Besinnungslosigkeit israelfreundlichen Bild nämlich hat die übelste von allen – Kai Diekmann – vorige Woche eine kaum minder üble – Nikolaus Fest – offen für den Satz kritisiert, der Islam störe ihn im Ganzen mehr und mehr. Nun hätte das Springerblatt, würde es alles offen kritisieren, was darin sachlich falsch oder geistig vergiftet ist, keine dicken Lettern mehr für irgendwas anderes übrig. Aber das stünde dann auf einem seriöseren Blatt Papier.

Also eher nicht auf dem von Peter Kloeppel, der seit 22 Jahren mühevoll gegen die geistige Armut seines Arbeitgebers anmoderiert. Als der Mittdreißiger vor zwei 22 Jahren übernahm, was der damalige Tittensender RTL so als Nachrichten verkloppte, soll Senderchef Helmut Thoma ihn ja gebeten haben, sich die Haare grau zu färben, damit es wenigstens optisch einigermaßen seriös rüberkam, was er da so an Rotlicht und Blaulicht verlas. Jetzt ist sein Haupthaar tatsächlich ergraut und noch immer müht er sich redlich, gegen die geistige Armut seines Arbeitgebers anzumoderieren. Und womöglich, damit ihm nicht noch mehr Pigmente flöten gehen, ist er nun von seinem Posten als RTL-Chefredakteur zurückgetreten, was angesichts der informationellen Leere beim einstigen Marktführer fast schade ist.

Wenngleich nicht annähernd so schade wie der biologische Rücktritt eines Mannes, dem die Kloeppels der kommerziellen Mediengegenwart nie, nie, nie das Wasser reichen können. Mit 88 Jahren ist Gert von Paczensky gestorben. 1961 hatte er das seinerzeit meinungsbildende Politmagazin Panorama gegründet. Sein regelmäßig auf Sendung geäußerter Satz, „nun wollen wir uns mal ein bisschen mit der Bundesregierung anlegen“, dürfte den glattgeschliffenen Anchors heutiger Prägung in den Ohren klingeln, wenn sie mal wieder Nachrichten nach Zuschauerbedarf verhökern. Wohlfeil wie Werbeblöcke.

Jedenfalls billiger als Sky seine Abos.

Denn mit der dritten Preiserhöhung innerhalb weniger Monate macht sie der Bezahlsender zumindest für gastronomische Kunden mittlerweile unerschwinglich. Abhängig vom Standort, müssen selbst winzige Kneipen nun bald 700 Euro pro Monat zahlen, was sie sich gerade in angesagten Großstadtvierteln kaum noch leisten können. Viele von ihnen bestellen das Fußballpaket daher gezwungenermaßen ab. Skys Kalkül ist klar: Weniger Public Viewing, mehr private Kunden als bisher.

TV-neuDie Frischwoche

4. – 10. August

Mehr private Kunden, weniger Stress mit Inhalten erhofft sich dagegen Pro7, wenn es wie angekündigt seine Showoffensive gegen das scheidende Wetten, dass…? startet – was allerdings furchtbar schief gehen dürfte, wenn auch die nächsten 19 Versuche ähnlich inspiriert sind wie Himmel oder Hölle, eine Quizshow mit dem dauerlächelnden Grüßaugust Jochen Schropp, der seine Kandidaten am Samstag entweder mit Wasabi füttert oder 50.000 Euro. Da scheint also weniger Esprit mehr Quote bringen zu sollen.

Weniger öffentlich-rechtliche Kunden als verdient wird es indes auch diese Woche wieder für eine Perle des Spartenprogramms geben. Auf ZDFneo, von dessen bloßer Existenz ein gehöriger Teil des hiesigen Fernsehpublikums nicht den geringsten Schimmer hat, läuft ab Dienstag um 22.45 Uhr Masters of Sex. Klingt schlüpfrig, ist es auch zuweilen, aber nicht im Kern, also krampfhaft, sondern quasi naturgemäß. Die preisgekrönte US-Serie handelt schließlich vom real existierenden Gynäkologen William Masters, der in den prüden Fünfzigerjahren das Liebesleben der Amerikaner erkundete und dabei auf Erkenntnisse wie den vorgetäuschten Orgasmus stieß, die seinerzeit unfassbar waren. Heute bieten sie Stoff für ein zwölfteiliges Kostümfest, das diese emotional bleierne Zeit mit exakt der richtigen Würze erzählt.

Ähnlich humorvoll, aber ohne irgendwas Bleiernes drumherum, gerät das Regiedebüt des Tausendsassas Florian David Fitz am Donnerstag im Zweiten. Für die charmante Romantikkomödie Jesus liebt mich hat der Frauenschwarm nicht nur das Drehbuch geschrieben; er spielt auch noch die Hauptrolle des langhaarigen Softies, der sich als moderner Heiland durch die Gegenwart schlägt. Dass am Christentum nicht alles eitel Sonnenschein ist, zeigt dagegen das Erste am heutigen Montag, 22.40 Uhr. Die Reportage Mission unter falscher Flagge porträtiert evangelikale Hardcore-Christen in Deutschland, die tüchtig Zulauf haben. Und damit es im Glashaus nicht zu sehr scheppert, schiebt die ARD sicherheitshalber Sterben für Allah hinterher, in der es – na endlich – um deutsche Islamisten in Syrien geht. So herrscht gleich wieder Parität im religiösen Irrsinn.

Dem ja auch das Genre der Fantasy nicht vollends fern ist. Filme wie Tom Tykwers Cloud Atlas etwa, den das Erste am Mittwoch erstaunlicherweise erst nach der Wiederholung des Ehegewaltdramas Kehrtwende um 22.45 Uhr zeigt. Es ist der teuerste Film, der hierzulande je entstanden ist und trotzdem (oder gerade deshalb) chronisch unterschätzt wird. Das ist dem Tipp der Woche tags zuvor im BR sicher nie widerfahren. Dominik Grafs Frau Bu lacht gilt unumstritten seit 1995 als bester „Tatort“ aller Zeiten – und hilft Süchtigen ein wenig, den Turkey der Tatort-Sommerpause zu überstehen.


Alternativfriday: Graveyard Train, Tiny Fingers

Graveyard Train

Gibt es in Australien eigentlich Cowboys? Und falls doch – heißen die dann etwa Sheepboys und sind ganz anders drauf als ihre rindertreibenden Kollegen aus dem Wilden Westen? Tragen also keine Sporen, schießen weniger scharf, trinken nie Whisky, essen nicht dauernd dicke Bohnen am burning camp fire und vor allem: machen dort womöglich andere Musik als immer nur Country & Western? Schwer zu sagen. Vielleicht sind Graveyard Train das akustische Abbild des australischen Kuhjungen. Zum Sound flatternder Steelguitars, flehender Mundharmonikas und winselnder Banjos kündet das Debütalbum der siebenköpfigen Band von Schrecken und Schönheit der Prärie. Da schwirren die Choräle durchs Licht der Mittagshitze. Da riecht es rauchschwer nach Lagerfeuer und Saloon. Es weht allen Ernstes ein Hauch von Texas durch die elf Stücke ihres Albums Hollow. Aufgenommen wurde diese Art Americana zwar in Melbourne; tief im Herzen jedoch, weit unten in der Seele klingt sie nach den Hollywoodmythen westwärts ziehender Hirten. Ein bisschen zumindest. Und zum Glück nicht viel mehr.

Das Fundament von Hollow mag auf dem US-Folk klassischer Prägung errichtet sein. Dem, was hierzulande als Cash-Country bekannt wurde, letztlich aber nichts anderes ist als zusammengeschusterte Volksmusik eingewanderter Kulturkreise nach ihrem Weg ins Ungewisse, angekommen im Business globaler Musikvermarktung. Graveyard Train allerdings tunken das Ganze in einen Topf mit psychedelischem Indierock, sodass ihm jede Massentauglichkeit von vornherein ausgetrieben wird – und man sich umso wehmütiger an die beste Zeit dieser Art Mashup erinnert: die späten Achtziger, als Violent Femmes Folk und Punk, Status Quo und Revolte auf so verstörend harmonische Weise miteinander versöhnten, als hätten sie seit jeher zusammengehört.

Das haben sie nicht. Und irgendwie doch. Country und Alternative, angepasster und dissidenter Gitarrensound passen in lichten Momenten wie diesen zueinander wie Bohnen in den Blechnapf: Auch darin bleiben sie eine öde Pampe, erhalten durchs Klappern des Löffels aber eine ganz eigene, unwiderstehliche Würze. Getragen von Nick Finchs düsteren Zeilen über die Abgründe des Menschlichen im Umfeld von Klapperschlangen und ähnlichen Biestern, entlocken Graveyard Train ihrem Genre ein Pathos, in dem man zu versinken droht wie im Westernmythos Treibsand. Doch als ergäbe auch hier Minus mal Minus Plus, liegt gerade im übertrieben Feierlichen, ostentativ Ergriffenen, unablässig Betroffenen ein unentrinnbarer Sog. Somit wirkt Hollow wie der Soundtrack eines Abenteuerfilms, den zu drehen wir längst entwachsen sind. Und wenn Nick Finch im Track mit dem melodramatischen Titel One Foot on the Grave zu schreien beginnt wie Jack White ohne Bluesrock, spürt man: Graveyard Train sind dabei die Regisseure, Autoren, Kameramänner in einem. Im echten Leben mag der Western tot sein. Hier erwacht er zu neuem Leben.

Graveyard Train – Hollow (Cargo Records), mehr pics’n’files’n’Kommentare unter http://blog.zeit.de/tontraeger/2014/07/23/graveyard-train_18415

Tiny Fingers

Teppiche sind total aus der Mode. Fußböden flächendeckend mit Textilien zu belegen stammt schließlich noch aus einer Epoche, als Stuck schwer rückständig war und baulicher Kubismus das Maß aller Dinge. Kein Wunder, dass die verspielten Sechzigerjahre musikalisch erst durch flokatihaft psychedelischen (Kraut-)Rock abgelöst wurden und der wiederum über den Umweg des flächigen Elektrowave durch die elektronische Auslegeware des Techno. Bis auf die zeitliche Abfolge hatten die drei Stile dennoch wenig Berührungspunkte. Bis jetzt. Bis zu den Tiny Fingers. Die Rockband aus Israel vollbringt das Kunststück, die Wesensmerkmale aus vier Jahrzehnten psychoaktiver Musik so filigran ineinander zu verweben, dass daraus ein zeitloser (Achtung: Floskel!) Klangteppich entsteht, auf dem es sich überall prima laufen lässt – daheim, im Stroboskopkeller oder draußen auf der Wiese. Stocknüchtern, schwer bekifft, leicht beduselt, egal. Angetrieben von Oren Ben Davids mal peitschender, mal erzählerischer Gitarre und Boaz Benturs hypnotischem Bass, entstehen auf dem neuen Album Megafauna mehr Kompositionen als Tracks, die alle Fragen nach Analogie und Digitalität, nach Künstlichkeit und Naturalismus auf siebenmal fünf Minuten abschließend beantworten: Trancige Elektronika kann wunderbar mit der Grundausstattung klassischer Rockmusik erzeugt werden.

Dabei kommt es dem kompositorischen Bombast ungeheuer zugute, dass das zum Quintett gewachsene Trio nach seinem viel beachteten, außerhalb Israels aber kaum gekauften Debütalbum Massive Fingers Spacetrip wieder auf alle begleitenden Vocals verzichtet. Gab Daniella Cecilia Turgeman dem Sound zuletzt etwas liedhaft Bodenständiges (was live weiterhin passiert), so finden die Tiny Fingers gewohnt instrumental wieder zum Kern ihres Schaffens zurück: die strukturlosen Soundgebilde so endlos zu verdichten, bis alles Liedhafte daran verloren geht und dennoch weiter unter der Oberfläche schlummert.

Das kann man Stücken wie Pasadena Matator anhören, die Züge robusten Hardcoremetals annehmen. Oder im nachfolgenden Cyclames mit seinem fast unendlichen Gitarrensolo. Überall jedoch wirkt die selbstreferenzielle Verspieltheit als Transmissionsriemen zwischen Krautrock, Stoner und Techno, als Missing Link zwischen berauschten Sounds verschiedener Popepochen mit ihren Krautdrogen und synthetischen Surrogaten. Gewiss, man muss sich auf diesem Phantasiewesen im Kuriositätenkabinett des Rock zuhören, um den Schreck zu verlieren. Megafauna steht nicht im Streichelzoo, sondern im Maschinenraum, dem der Schlagzeuger Tal Cohen oft etwas Industrielles entlockt. Von dort aus erzeugt das seltsame Tier Emotionen, die auf jeden Rave ebenso passen wie nach Wacken. Welche Band könnte das schon von sich behaupten?

Tiny Fingers – Megafauna (Anova Music), mehr pics’n’files’n’Kommentare unter http://blog.zeit.de/tontraeger/2014/07/09/tiny-fingers-megafauna_18338