Francis Fulton-Smith: Nostalgie & Schulter

Steward Fulton-Smith Granger

Francis Fulton-Smith ist ein Schauspieler der ganz alten Schule, ein kantiger Charmeur, der zupackt und mitfühlt, pures Fünzigerjahrefernsehen gegen die emanzipatorischen Verlockungen der Gegenwart. Jetzt zeigt er das mal wieder mit junger schöner Frau und harten Nüssen zu knacken in Ein Fall von Liebe (donnerstags, 18.50 Uhr, ARD). Und das Dollste: Damit kann FFS echt zufrieden sein. 

Von Jan Freitag

In Zeiten wie diesen haben es echte Kerle schwer. Der Kulturbetrieb sucht metrosexuelle Protagonisten, allerorten ist Androgynität gefragt, von Wirtschaft bis Kino sind Frauen auf dem Vormarsch und dürfen dabei sogar Frauen bleiben. Keine leichte Phase also für Männer vom Schlage eines Francis Fulton-Smith. Der Münchner Schauspieler ist schließlich ein Prototyp maskuliner Beharrlichkeit im Showbiz: Lederjackenattitüde, 36-Stunden-Bart, Landsermimik – ein Mannsbild wie aus dem Silberwald. Ein Kraftpaket früherer Tage, als es sonntags noch Braten mit Soße gab und alltags Vollbeschäftigung. Francis Fulton-Smith – so heißt er wirklich! – ist so gestrig wie Meister Proper und doch bestens im Geschäft. Das hat Gründe.

Offenbar gibt es auch in Zeiten wie diesen einen unverwüstlichen Bedarf nach Helden alter Schule. Und da auch die Nachfrage nach Krimiserien ungebrochen ist, darf FFC, das bayrische Kraftpaket mit britischem Pass, mal als französischer Flic mit Stahl im Blick namens LaBréa auf Verbrecherjagd gehen und dabei auf Pariser Straßen fließend deutsch sprechen. Mal darf er etwas Ähnliches in Deutschland tun, wenn er wie heute den alliterierenden Anwalt Florian Faber spielt, der mit Mariella Ahrens als Journalistin und Exfrau für Gerechtigkeit und den denkbar debilen Titel Ein Fall von Liebe kämpft.

Das ist wie nahezu alles, was Francis Fulton Smith spielt, dramaturgisch hanebüchen, schauspielerisch mäßig und alles in allem unfassbar konventionell. Aber um inhaltliche Güte geht es dem Vorabendfernsehen ebenso wenig wie dem zugehörigen Publikum. Beiden geht es ums Einlullen, die sanfte Vorbereitung auf den anschließenden Hauptabend, wenn abseits der handelsüblichen Tatort-Härte an schönen Urlaubszielen ermittelt wird und ARZDF von Venedig (Donna Leon) über halb Skandinavien bis nach Triest (Commissario Laurenti) auf Reisen geht. Und immer vorweg: diese kantigen Charmeure des Stromlinienfernsehen: Erol Sander, Uwe Kockisch und natürlich er: Francis Fulton-Smith.

Doch so auch die heimische Übeltäterhatz schmeckt – das Kraftpaket von 43 Jahren ist für derlei Formate keinesfalls die schlechteste Wahl, nicht bei diesem Sender, nicht auf diesem Sendplatz, nicht bei diesem Zielpublikum. Denn die Generation 60+ belohnt auch herkömmliche Formate mit Topquoten und mag vor der Nachtruhe weder feuilletonistisches Dialogkino noch schrilles Entertainment. Ihm reicht seichte Unterhaltung mit leichtem Schauder, an dessen Ende gut über böse siegt. Punkt.

Vor allem aber schätzt es hier wie an den anderen Schnulzenplätzen von ARD und ZDF Männer wie Francis Fulton-Smith. Eben weil er sie an verwehte Heimatfilmepochen erinnert. Nicht umsonst ist in seiner bekanntesten Rolle die ganze Filmsippe nach seinem Filmberuf benannt (Familie Dr. Kleist). Da fühlen sich viele Senioren in überschaubare Zeiten zurückversetzt, als man haushaltende Gattinnen noch mit Frau Kommerzienrat anreden durfte.

Es ist dieser zahme Tiger aus Traumschiff, Pilcher und Schwarzwaldklinik, den kaum einer besser zu reiten versteht als Francis Fulton-Smith. Viele seiner Filme tragen irgendwas mit Herzen, Liebe, Glück oder Gefühl im Titel. Seit seiner Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München ist er auf Beziehungsrollen abonniert. Gern spielt er sie an der Seite von Christine Neubauer. Fast immer wird darin Triviales verhandelt. Und wenn er mal etwas Härteres wie einen Wehrmachtsoffizier gibt, dann zielsicher in revanchistischer TV-Sülze wie Die Gustloff. Aus dieser Kitschfalle, so Fulton-Smith selbst, soll ihm nun Alexandra von Grotes Romanreihenverfilmung LaBréa helfen. Ausgerechnet. „Ich kann ja nicht immer der freundliche Arzt aus Eisenach sein“, sagt er offen und fügt hinzu: „Bei Dr. Kleist hat eben immer die Sonne zu scheinen.“

Mit Verlaub, Mr. Fulton-Smith, das tut sie in fast all ihren Formaten. Permanent. Vor kurzem durfte FFS zwar einen furiosen FJS spielen, als ihn die ARD in der Spiegel-Affäre als bayerischen Gegenspieler des charismatischen Rudolf Augstein besetzte. Danach aber gab’s nicht wie erhofft anspruchsvollere Formate, sondern doch wieder nur Sulz à la Ein Fall von Liebe. Doch was soll’s – „ich bin gut im Geschäft“, sagt er gut gelaunt und brüllt über die voll besetzte Tafel der Pressepremiere seiner neuen Rolle „es ist angerichtet“ hinweg, als niemand sonst die Gabel erhebt. So ist er eben: geradlinig, männlich, ein Machertyp, im Film wie privat, wo er mit seiner zehn Jahre jüngeren Frau Verena Klein in München lebt. Daran gibt es wenig zu kritisieren, das Publikum sucht Darsteller wie ihn in Filmen wie diesen, ein bisschen Steward Granger, ein bisschen Nostalgie, ein bisschen Starke Schulter in Zeiten, wo selbst echte Kerle mal weinen. Wir leben in FFS-Zeiten. Was braucht es da gute Rollen.

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