Garagenfriday: Diagrams, Menace Beach

Diagrams

Was war das für eine Platte, vor drei Jahren, als der Tunng-Kopf Sam Genders auf Solopfaden zu Black Light wandelte und eins der schönsten Alben 2012 hinlegte. Ein Meilenstein des tiefenspannten Indiepops, gesalbt von Genders samtener Stimme, beseelt von dissonanten Harmonien voller Brüche, getragen von einer wunderbaren Eleganz, die bis heute ihresgleichen sucht. Dieses Niveau, seien wir fair, war schlichtweg nicht zu halten. Der Nachfolger Chromatics ist demnach, seien wir ehrlich, ein bisschen bruchloser als sein Vorgänger, zuweilen fast gefällig. Schöne Momente hat er trotzdem.

Wenn durchs tiefenentspannte Gentle Morning Song eine überstürzte Snaredrum trabt. Wenn eine Welle chromatischer Orgeln durchs anschließende Desolation fährt. Wenn wavige Synths Dirty Broken Bliss durchzucken. Wenn also viele der elf Stücke die Schrägheit von Black Light hinüberretten in Chromatics. Dann freut man sich einfach, dass die Diagrams es wieder gemacht haben. Zum Üben quasi, um uns beim dritten Album wieder von den Sitzen zu hauen. Könnte klappen.

Diagrams – Chromatics (Full Time Hobby)

Menace Beach

So wie das erste Album von Menace Beach. Die fünf ostentativ miesepetrigen Röhrenhosenstrickjackenhalbschuhslacker aus Leeds haben ihre fantastische EP Lowtalker vom Vorjahr zu einer veritablen LP aufgeblasen, die mit das Bezauberndste ist, was im Bereich von Surfpunk und Garagenbeat dieser Tage erscheint. Gut, das sind nun auch Genres, die nur noch am Rande bespielt werden. Am Rande der Aufmerksamkeitsspanne effektversauter Durchschnittskonsumenten vor allem. Doch was die zwei singenden Songwriter Ryan Needham und Liza Violet samt Begleitung da aus trüben Hipstergestalten pusten, ist so was von erfrischend, dass sogar die Verantwortlichen irgendwann mal zu lächeln beginnen könnten. Nachts versteht sich. Oder im Keller. Vielleicht.

Auf Ratworld tanzen die Fuzz-Gitarren schließlich so aufgekratzt und heiter durchs psychedelisch angehauchte Sixties-Ambiente ihrer 12 Songs, dass das pseudowinterliche Schmuddeletwas draußen vor der Tür zur Strandparty gerät, die überhaupt nicht so bedrohlich ist, wie der Bandname suggeriert. Menace Beach machen einfach ungeheuren Spaß und tun mit klassischem Rockinstrumentarium plus Violets verschrobenen Keyboards auch nirgends so, als seien sie im Herzen eigentlich digital und nutzen die Analogie nur als reales Sample.

Menace Beach – Ratworld (Memphis Industries)

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