Fernseh-Nepotismus: Emma Schweiger

Familienbanden

Til Schweigers Töchter brauchen weder Talent noch Handwerk, um im deutschen Film zu Stars zu reifen. Seine jüngste Emma schafft es dank Vatis Protektion nun sogar an die Seite von Johannes B. Kerner in die Samstagabendshow Das Spiel beginnt! Doch nicht nur bei den Schweigers überwiegt der klingende Namen sonstige Qualitäten.

Von Jan Freitag

Vitamin B. ist ein diskreter Wirkstoff. Wer es dank guter Beziehungen aufwärts bringen will, schluckt die karrierefördernde Pille und schweigt. In Film und Fernsehen stößt die heimliche Verabreichung indes an natürliche Grenzen: Name, Aussehen, Gestus, Stimme – Schauspielerkinder berühmter Schauspielereltern können ihre Herkunft oft schwer verbergen. Wenn sie es denn wollen. Emma Schweiger will nicht.

Wenn sie es denn könnte.

Schon bei der Anrede rauscht es ja in den Ohren der Medienwelt. Schweiger: Superstar, Superregisseur, Superproduzent, Superselbstvermarkter. Superfremdvermarkter. Vor allem seiner Töchter. Alle drei sind ja fett im Geschäft, besonders Emma, die jüngste, noch keine 13, schon zehn Jahre vor Kameras, gern im Dienste von Papas eigenem Filmimperium Mr. Brown Entertainment, das sie mit Luna und Lilli Richtung Ruhm päppelt.

Noch im Brabbelalter hat das Nesthäkchen Schweigers Barfuß geziert, bis zwei Jahre drauf die erste Sprechrolle (Keinohrhasen) hinzukam und seither in keinem Blockbuster des Patriarchen verstummte. Zweimal  durfte sie sogar schon ohne väterliche Patronage mitspielen. Doch nur wenige Monate vorm Sprung zum Teenager, der die Verwertungslogik empfindlich stören könnte, wird das väterliche Einflussgebiet um die Hauptklimazone deutscher Massenbespaßung erweitert: Emma Schweiger moderiert eine TV-Show.

Und zwar nicht irgendeine: Das Spiel beginnt!, Samstagabend, ZDF, Gottschalkzone, nur an der Seite von Johannes B. Kerner, dem letzten großen Stammeshäuptling am erlöschenden Lagerfeuer der Fernsehnation, und beim Zusatz Große Show von 3 bis 99 dürften selbst Waldmeistergummibärchen erblassen. Vor Neid, vor Scham. Emma S. mag hier ja vier Stufen die Lebenslaufleiter auf einmal nehmen – noch vorm sichtbaren Einsetzen der Pubertät eine so profane wie aufgeblasene Kulleraugensause um mehrzweckhallengroße Brettspiele zu präsentieren – mit Verlaub: das muss den Fratz fürs Leben versauen wie so viele ihrer Altersgenossen unterm Brennglas des Rampenlichts, hießen sie nun Macauley Culkin, River Phoenix oder Tatum O’Neal. Aber wir wollen es nicht beschreien, was dem Spross des larmoyanten Spaßfabrikanten neben den üblichen Panelpromis von Veronica Ferres bis Bülent Ceylan widerfahren könnte. Wir wollen uns stattdessen der Mechanik einer Branche widmen, in der Til Schweigers Vetternwirtschaft nicht Ausnahme ist, sondern Regel.

Denn so wie der erfolgreichste Vetternwirt drei seiner vier Abkömmlinge siebzehnmal in Eigenprodukte geschleust hat und mehrfach in fremde, so halten es auch viele seiner Kollegen. Der Ex-Kinderstar Fritz Wepper zum Beispiel hat Tochter Sophie 1991 bereits als Zehnjährige zwischen die Kommissaren Klein und Derrick geklemmt, ein Schraubstock, dem sie auch mit 33 kaum je entkommen ist. Ähnliches gilt für Wolfgang Stumphs Stephanie, Robert Atzorns Jens, Martin Semmelrogges Justin. Und da ist noch nicht mal von Familie Ochsenknecht die Rede, der es geschafft hat, zwei optisch, nun ja, ungewöhnliche Jungs mit realsatirischen Echtkünstlernamen Jimi Blue und Wilson Gonzales bar jeden schauspielerischen Geschicks, gar Handwerks zu lukrativen Stars des Kinderkinos zu machen, mit ersten Ausflügen in das der Altvorderen.

Hierin ruht allerdings – abgesehen von ehrbaren Dynastien à la Millowitsch, Hörbiger, Thalbach oder erblich belasteter Ausnahmetalente wie Hannah Herzsprung – auch das einende Element vieler Steigbügelgören des heimischen Films: Es sind keine Schauspieler! Und falls praktische Beharrlichkeit etwas in diese Richtung bewirkt, sind es allenfalls schlechte, Tendenz miserable. Der beste Beweis heißt Luna. Wie im richtigen Leben spielt sie am Hamburger Tatort Til Schweigers Älteste und ist damit trotz des Realitätsbezugs so heillos überfordert wie zuletzt Berti Vogts als Kommissar Stoevers Zeuge 1999 am gleichen Drehort.

Dass sie und ihre namensprivilegierten Kollegen am Rande der Kompetenzverweigerung dennoch reihenweise gut dotierte Kameraeinsätze haben, folgt demnach einer Mixtur aus Nepotismus, Niedlichkeitsfaktor und Hamsterradmentalität. Emma Schweiger – seien wir fair! – ist in all ihren wahrnehmbaren Einsätzen seit Keinohrhasen so süß wie der Honig im Namen ihrer aktuellen Komödie. Sie kann, beteuern sämtliche ausgebildeten Begleiter dieser lebenslangen Karriere pflichtschuldig, ganze Sets mit ihrer Herzlichkeit bereichern. Und fraglos wird sie das nächsten Samstag auch an der Seite des Vaters von vier leiblichen und Millionen zuschauenden Kindern (JBK) tun. Ein echter Sonnenschein eben. Nur würde ihn niemand außerhalb ihres Sichtfeldes je spüren, hätte sie die handelsübliche Prozedur aus Castings, Vorsprechen, Agentureintrag über sich ergehen lassen.

Doch eine Schweiger braucht kein Management; es reicht die Marktmacht des Vaters, der schon mal vom eigenen Filmpreis faselte, weil ihm außer banalen Bambis partout kein anständiger in die Hände gerät, dank gewaltiger Zuschauerzahlen all seiner Filme aber derart einflussreich ist, dass er für den plumpen Slapstick unter eigener Regie reihenweise Charakterdarsteller gewinnt. So einer darf alles. Sogar seine radebrechenden Kids mit Drehzeit versorgen, von der begabte Darsteller nur träumen können. Ihm nachzuweisen, dass er auch bei Kerners Brettspielshow die Finger im Spiel hatte, bedarf da gar keines Beweises. Til Schweiger hat das nicht mehr nötig. Die nehmen Lunalilliemma auch so.

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