2 Bier – 1 Platte

Marthe-nnekaNneka & Mobb Deep

Sie war Jurymitglied bei Nigerian Idol, hat sich mit Lenny Kravitz und Nas eine Bühne geteilt und tourt gerade durch die USA. Nnekas musikalische Karriere begann aber, als sie mit 19 Jahren nach Hamburg kam. Mit ihrer außerordentlichen Stimme und den meist kritischen, politisch aufgeladenen Songs, ist die 34-Jährige mittlerweile zu einem musikalischen und gesellschaftlichen Vorbild gewachsen. Grund genug, sie (heute mal auf kein Bier) zu treffen, um über eine für sie besondere musikalische Inspiration zu sprechen.

Von Marthe Ruddat

freitagsmedien: Nneka, welche Platte hat dich und deine musikalische Karriere besonders beeinflusst?

Nneka: Das Album The Infamous von Mobb Deep hat mich besonders zu Beginn meiner Karriere sehr geprägt. Ganz einfach, weil es HipHop ist! Darüber hinaus ist es aber HipHop, mit dem ich mich sehr identifizieren kann. Die Mitglieder der Band waren zu Beginn ihrer Karriere, genau wie ich, noch sehr jung. Sie hatten eine sehr eigene Art ihre Musik zu präsentieren, etwa so wie Nas, aber dann doch sehr individuell und einzigartig.

Mobb Deep sind ein New Yorker HipHop-Duo, das in den 90ern seinen großen Durchbruch feierte. Ihren Rap bezeichnen die zwei selber gern als Reality-Rap, andere würden ihn vielleicht eher unter Hardcore oder Gangster einordnen. Ihre lyrischen Texte und die damit verbundene Fähigkeit, mit einem Wort eine ganze Botschaft zu transportieren, machen sie zu einem entscheidenden Teil amerikanischer HipHop-Geschichte.

Gibt es auf der Platte einen Song, der für dich von besonderer Bedeutung ist?

Da ist dieser Song, Shook Once (Part II). Zu diesem Song habe ich das erste Mal gerappt und den Rap auch aufgenommen. Ich habe dieses Lied geliebt und war sehr stolz auf meine ersten eigenen Aufnahmen.

 

Cause ain’t no such things as halfway crooks

Scared to death, scared to look

Living the live that of diamonds and guns.

There’s numerous ways you can choose to earn funds


Some get shot, locked down and turn nuns.

Cowardly hearts and straight up shook ones, shook ones

He ain’t a crook son, he’s just a shook one.

 

Und das war hier in Hamburg? 

Genau. Ich war damals in einer Band, die Chosen Few Group. Einer der Jungs der Gruppe sammelte CDs und Platten und brachte The Infamous mit zu einemmarthe-mobb unserer Treffen. Da habe ich den Song das erste Mal gehört. Ich war das einzige Mädchen in der Band. Einer von uns hat die Beats gemacht, zwei haben gerappt und ich habe gesungen und gerappt. Ich erinnere mich daran, dass die Jungs immer gesagt haben: Du musst Deine eigenen Texte schreiben! Wenn du mit deiner Musik etwas erreichen möchtest, dann brauchst du deine eigenen Songs, deine eigene Identität!

Wie sehr hat dich die Platte dann beim Entfalten deines eigenen Stils beeinflusst?

Als ich Farhot das erste Mal getroffen habe und anfing, mit ihm zu arbeiten, lag die Platte tatsächlich auch bei ihm rum. Ich erinnere mich, dass ich zu ihm gesagt habe: Wenn wir zusammen Musik machen wollen, dann soll es so klingen wie The Infamous.

Nnekas Durchbruch gelang ihr mit dem von DJ Farhot produzierten Song Heartbeat. Der Hamburger mit afghanischen Wurzeln hat seine Finger aber auch bei anderen Größen wie Patrice, Fettes Brot oder Haftbefehl im Spiel.

Die Produktion von The Infamous hat mich einfach sehr beeindruckt. Die Texte sind sehr selbstbewusst und teilweise aggressiv, gleichzeitig aber melancholisch. Auch die Melodien sind nicht unbedingt so arrangiert, wie es im HipHop heute üblich ist. Man kann hören, dass der Band die Regeln des Songschreibens nicht wichtig waren und sie einfach die Musik gemacht haben, die zu ihnen und ihren Gefühlen passte. Genau diesen Anspruch habe ich auch an meine eigene Musik.

Marthe1Die Anfänge deiner Karriere liegen nun schon ein wenig zurück. Begleitet dich die Platte weiterhin?

Naja, es ist mehr so ein Kommen und Gehen. Besonders, wenn ich mal wieder so in Rap-Stimmung bin, höre ich solche Platten. Die Beats inspirieren mich einfach. Da gehört die Illmatic von Nas dann aber genauso zu, obwohl Mobb Deep schon sehr speziell sind. Auf jeden Fall werde ich sie heute Abend hören, weil wir zwei uns gerade darüber unterhalten!

Das habe ich auch getan und kann sie jedem HipHop-Fan nur empfehlen!

Du hast schon mit unzähligen Musikgrößen zusammen gearbeitet. Gehört eine Kooperation mit Mobb Deep zu deinen Wünschen für die Zukunft?

Nö.

Nö?

Ich weiß nicht, darüber hab ich ehrlich gesagt nie nachgedacht. Mobb Deep habe ich noch nie getroffen und das eine Konzert, was ich besuchen wollte, wurde aus Krankheitsgründen abgesagt. Das ist eine tolle Combo und was sie kreiert, inspiriert mich. Obwohl ich seit Längerem nichts von ihnen gehört habe. Sie sind ja nun schon etwas älter, und ihre Musik war schon irgendwie Old School als ich sie regelmäßig gehört habe. Ich hoffe einfach, dass sie noch Musik machen, denn sie sind eine großartige Alternative zum profitgierigen, modeorientierten HipHop von heute.

Mobb Deep machen immer noch Musik. Sie waren unter anderem als Produzenten aktiv und haben 2014 das Album The Infamous Mobb Deep veröffentlicht. Nnekas erste Indie-Album My Fairy Tales ist seit Februar auf dem Markt, im Sommer tritt sie vor allem auf Festivals auf.



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