Anna Schudt: Provinzküche & Pott-Tatort

Ich bin kein Ausbrechertyp

Anna Schudt, das ist doch die unscheinbare, fast spröde, seltsam schöne, jedenfalls unfassbare Große mit den blonden Haaren aus dem Dortmunder Tatort. Interview mit einer Schauspielerin, die selbst belanglose Provinzkrimikost wie Mordshunger (18. Mai, 20.15 Uhr) im betulichen Blümchenkleid mit Leben füllt, sonst allerdings fast immer interessante Persönlichkeiten mit noch interessanteren Brüchen spielt.

Interview Jan Freitag

freitagsmedien: Ich weiß nicht, ob ich das System Mordshunger verstanden habe – aber ist die Reihe nun Komödie, Krimi, Milieustudie oder von allem etwas?

Anna Schudt: Also genau weiß ich es auch nicht, in welches Genre man sie einordnen sollte. Komödie sicher nicht, dafür sind die Figuren und ihr Humor zu skurril. Krimi auch nicht, dafür werden die Fälle zu unsauber gelöst. Und Milieustudie, weiß nicht… Vielleicht Groteske?

Mit Ihrer Figur als junge Miss Marple?

Dafür empfindet sich Britta Janssen zu wenig als Ermittlerin, geschweige denn als Detektivin. Sie ist die Schwester des Polizisten, bei der die privaten Fäden zusammenlaufen, wodurch sie andere Informationen bekommt als er. Ihr bauernschlaues Interesse an menschlichen Zusammenhängen hilft bloß bei der Aufklärung.

Und welche Rolle spielt das Kochen dabei?

Eine sinnliche. Es steht für ein warmes Mahl, das die Menschen am Küchentisch zusammenbringt. Den Leuten soll der Mund aufklappen – vor Hunger und Erstaunen. Ein gutes Rezept ist wie ein guter Kriminalfall, mit verschiedenen Zutaten, die man förmlich entlarven muss, um daraus eine Delikatesse zu komponieren.

Sie kochen selbst auch gern?

Sehr gern.

Sind Sie dabei eher die entlarvende, experimentelle Köchin oder die rezepttreue?

Beides. Experimente sind toll, aber unterschätzen Sie nicht den Zauber des Gewohnten. In beiden Fällen ist die eigene Familie ein guter Ratgeber. Meine zwei Jüngsten sind vier und zwei Jahre, wobei der eine extrem picky ist und fast gar nichts probiert, während der andere alles will. Das macht natürlich mehr Spaß – so wie es mir übrigens Spaß macht, die Köchin Britta zu spielen.

Warum haben Sie die Rolle überhaupt angenommen? Beim Kriminalist sind Sie doch ausgestiegen, weil Sie sich von der Reihe unterfordert gefühlt hatten.

Das ist inzwischen zehn Jahre her, da hatte ich gerade mit dem Drehen angefangen. Und „unterfordert“ ist auch nicht der richtige Begriff, weil es dann ja gerade ein Ansporn sein müsste, um daraus etwas Eigenständiges zu entwickeln. Ich kam damals vom Theater und sah ein Potenzial, das nicht ausformuliert wurde. Das lag aber auch an mir selbst.

Beim Dortmunder Tatort war das anders?

Da hab ich meine Bedenken Reihen gegenüber abgelegt, aber auch dafür war unglaublich viel Arbeit vonnöten, um Martina Bönisch plastisch zu machen. Ist es noch. An Mordshunger dagegen hat mich gereizt, dass meine Rolle sympathisch, fröhlich und bunt ist mit ihren Blümchenkleidern. So werde ich sonst nicht besetzt, das war ein angenehmer Ausbruch.

Ist Ihnen persönlich denn die Tatort- oder die Mordshunger-Figur näher?

Ich würd’s mal so sagen: Die Tristesse fällt mir leichter, weil ich zu den Schauspielern gehöre, die Figuren als einfacher zu spielen empfinden, die weiter von einem selbst weg sind.

Abstrahieren fällt leichter als Abschöpfen?

Abschöpfen ist langweiliger, weil erst die Suche nach verborgener Wahrhaftigkeit aufregend ist. Die zu finden, ist bei Figuren mit viel Reibung anspruchsvoller. Trotzdem finde ich auch Britta spannend, die mehr mit mir gemeinsam hat als Martina.

Diese Britta sagt an einer Stelle, Sie würde gern mal alles hinter sich lassen – kennen Sie dieses Gefühl oder ist das ein Landei-Syndrom?

Also davon abgesehen, dass sie das sagt, um ihre Gesprächspartnerin zu ködern, möchte ich selbst niemals irgendwas, geschweige denn alles auf Zwang hinter mir lassen. Natürlich hat es seinen Reiz, sich mal völlig neu zu definieren; aber das tut man in meinem Beruf ohnehin ständig, weshalb ich keinen Fluchtimpuls habe. Zumal ich jetzt auch keine 15 mehr bin und auch keine 35 mehr. Ich bin kein Ausbrechertyp – außer vielleicht einer aus Rollenklischees.

Dennoch spielen Sie seit geraumer Zeit vordringlich Krimis. Warum?

Zum einen, weil es wahnsinnig viele davon gibt, und zum anderen, weil ich dafür gern angefragt werde. Liebhaberinnen springen mir scheinbar nicht aus dem Gesicht.

Wächst da der Bedarf, das mal machen zu dürfen?

Nö. Ich würde höchstens mal gern und öfter historisch drehen. Andererseits mache ich nach wie vor viel Theater, was oft im Kern historisch ist. Ich werde da schon ausreichend befriedigt. Aber ich würde schon wahnsinnig gern mal auch im Film so was wie Elisabeth II. spielen.

Cate Blanchett – starkes Vorbild…

Mit der möchte ich mich nicht vergleichen, aber gut – warum nicht.

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