Heather Nova, Hudson Mohawke

Hudson Mohawke

Die Startaufstellungen der Popmusik sind eher statisch. Falls deine Platte nicht grundlegend auf Verstörung abzielt, so lautet das Credo des Erfolgs, eröffne sie mit etwas Eingängigem, gern ein Cover, zur Not kunstvoll als Sample verpackt. Erstmal einlullen, dann fordern. Nie umgekehrt. Auch nicht in der Spotify-Diktatur zerhackter Alben. Achtung – Abschaltimpuls! Ross Birchard macht es genau umgekehrt. Sein zweites Warp-Werk Lantern beginnt mit einer Digitaltonkaskade, die förmlich in den Ohren schmerzt, um fortan auf das zu schalten, was den Sound des schottischen Soundtüftlers und Superproduzenten seit Jahren kennzeichnet: Verspielter Electrohousefunkpop aus einer erfrischenden Quelle nie versiegenden Ideen.

Das klingt dann manchmal wie Filmmusik, wenn sie mit Liebe, statt Kalkül kreiert wäre, mal nach dem großen, breiten Technobrett für die gediegenere Disco, und mal wie das fabelhafte Scud Books in der Mitte, als würde er im Raumschiff durch vier Jahrzehnte digitaler Takte rauschen und alles aufsaugen, was darin herumfliegt. Man ist auf der Suche nach schönen Adjektiven für dieses Feuerwerk der sachlichen Leichtigkeit mit Gastsängern wie Anthony Hegarty und findet doch nur krasse, wenn man sich Lil Djembe in einem Fiebertraum wähnt und ein paar Lieder darauf auf dem Dancefloor der R’n’B-Charts seines Buddies Kanye West. Lantern ist einfach richtig richtig geil.

Hudson Mohawke – Lantern (Warp)

Heather Nova

Ein krasses Adjektiv für Heather Nova zu finden, ist schon schwerer. „Geil“ passt zum Beispiel eher weniger, so sehr das karibische Feenwesen Mitte der 90er auch für Hormonschübe sorgte, als Frauen im Rock allenfalls den Background dekorieren durften. „Süß“ lag seinerzeit gut im Rennen, prallte aber stets an Novas Gitarre vorm Bauch ab wie Testosteron am süffisanten Du-nicht!-Blick. Nein, den stadionfüllenden Festivalheadliner früherer Tage umwehte was anderes, eine kühlwarme Aura zwischen Unnahbarkeit und Anziehungskraft, die auch ihr neuntes Studioalbum The Way it Feels kennzeichnet.

Noch mit fast 50 vereint sie darauf Kate Bushs hyperfemininen Mystizismus mit der kantigen Androgynität revoltierender Riot-Grrrls zu einem oft süffigen, grundsätzlich berührenden Alternative-Pop, der seine Kraft zugleich aus ein Melancholie und Kernigkeit gewinnt. Vielleicht könnte man auch das derbe nennen: derbe emotional, romantisch, manchmal etwas melodramatisch, aber immer derbe schön. Irgendwas mit Sommertag, Rausch, Melancholie und derlei anheimelndes Zeugs. Frühlingsherbstmusik.

Heather Nova – The Way it Feels (Embassy of Music)

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