Kleinblockbuster & Heldenbeschau

0-GebrauchtwocheDie Gebrauchtwoche

3. – 9. August

Range, Maaßen, Beckedahl – das Sommerloch produziert gern Tagesschau-Stars, die darin selten zu sehen sind. Der Generalbundesanwalt, Deutschlands oberster Verfassungsschützer und ein leidlich bekannter Netzjournalist erregen sonst allenfalls die Gemüter medial Eingeweihter. Aber da sich Griechenland grad ein wenig beruhigt, in der Ukraine kaum geschossen wird und selbst die größten Mitgefühlsreserven irgendwann mal erschöpft sind angesichts des Flüchtlingselends in aller Welt, dominiert das aberwitzige Ränkespiel um vermeintlich illegal publizierte Staatsgeheimnisse seit Tagen die nachrichtenarme Zeit.

Das ist gut so und wichtig, aber doch ein bisschen seltsam. Schließlich lockt die Pressefreiheit ansonsten allenfalls Betroffene hinterm Ofen bundesrepublikanischer Behaglichkeit hervor. Quote ist mit ihr jedenfalls ebenso wenig zu machen wie Werbung, zumal mit Spotpreisen wie beim Superbowl, dem Finale der amerikanischen Football-Liga NFL. Bei der Übertragung im Februar liegen sie wieder oberhalb von 150.000 Dollar – pro Sekunde, nicht pro Spot. Dieser Irrsinn ist jedoch längst so normal, dass zuletzt keiner über 4,5 Millionen plus Herstellungskosten für einen Halbminüter debattierte, sondern eher darüber, dass die kommerziellen Kleinblockbuster im Februar 2016 erstmals auch ins Netz gestreamt werden.

Aus deutschen Landen ist da höchstens mitteilenswert, dass der „Musikantenstadl“ unter leicht verjüngter Moderation künftig Stadlshow heißt, womit das Erste offenbar jene Alterskohorte im Visier hat, die ZDFneo zurzeit mit Blockbustaz versorgt. So heißt der Gewinner des vorjährigen TV-Labs, mit dem der Spartenkanal sein Publikum über die Serientauglichkeit neuer Formate abstimmen lässt. Fragt sich nur, über wen das siegreiche Schultheater mit Eko Fresh und Ferris MC als liebenswerte Plattenbau-Loser mehr sagt: Die Zuschauer, die solchen Klischeemüll wählen. Oder den Sender, der ihn überhaupt zur Wahl stellt.

0-FrischwocheDie Frischwoche

10. – 16. August

Um Angebote zu finden, die gegen Sender und Zuschauer sprechen, muss man sonst eher ins private Milieu zappen. Zu Sat1 etwa, wo man es ab Mittwoch für geboten hält, 25 Jahre Einheit vorab mit einer Bild-kompatiblen Heldenbeschau namens Wir sind Deutschland zu feiern und Freitag drauf den Container von Promi Big Brother mit Kalibern von Nino de Angelo bis Menowin Fröhlich zu füllen, deren Existenz ja vor allem den ganz alten oder ganz schlichten Konsumenten bekannt sein dürfte.

Was noch vor wenigen Jahren höchstens ein paar Nachtschattengewächsen in schlecht belüfteten Zimmern bekannt gewesen sein dürfte, sind hingegen Zombie-Fiktionen. Seit dem unfassbaren Erfolg von Walking Dead jedoch beißen sich die Untoten übers frei empfängliche Fernsehprogramm zusehends in gewöhnliche Wohnstuben. Gerade ist bei Pro7 die unerbittlich gruselige US-Serie „The Strain“ angelaufen, da legt Sixx donnerstags zur besten Sendezeit mit der nächsten Comic-Adaption nach: iZombie handelt von einer Pathologin (Rose McIver), die anders als andere Zombies zwar blass, aber bombig aussieht und nur Gehirne von Mordopfern isst, von denen sie sodann Erkenntnisse über den Tathergang sammelt. Das ist von so gravierender Dummheit, dass man es glatt schon wieder mögen könnte.

Vielleicht sollte man doch lieber gleich die lebenden Untoten der Fußball-Bundesliga ansehen, mit denen am Freitag live im Ersten die neue Saison startet: Zum Auftakt tritt der HSV bei Meister Bayern an, wo die hanseatischen Zombies abermals versuchen, ihr hirntotes Überleben zu verlängern. Eine spannende Doku, in der es irgendwie auch um Artenschutz geht, läuft Mittwoch im Zweiten. Aus Liebe zum Tier heißt das Schmuckstück, in dem die Reihe ZDFzoom radikale Umweltschützer fragt: „Wie weit dürfen Aktivisten gehen?“, aber nicht moralinsauer wie gewöhnlich, sondern ergebnisoffen.

Das erinnert an die farbige Wiederholung der Woche: Christian Petzolds Kinodebüt Die innere Sicherheit (2000) mit der blutjungen Julia Hummer als Kind fliehender Terroristen, das im Untergrund die Liebe entdeckt  (Montag, 22.45 Uhr, WDR). Schwarzweiß ist dagegen der Spätwestern vom Mann, der Liberty Vance erschoss (1962, Freitag, 21.50 Uhr, Servus) mit James Steward als Senator, der seine Karriere auf ein Duell begründet, das nie stattfand. Die „Doku der Woche“ heißt passend zur abstrusen Vergabe der Olympischen Winterspiele an Peking: China, die neue Supermacht (Dienstag, 20.15 Uhr, Arte.

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