Alexandra Neldel: Lächeln & Heiraten

rosaIst doch schön!

Sie ist halt so und kann nicht anders: In Einfach Rosa sucht die GZSZ-geschulte Wanderhure Alexandra Neldel (Foto: Iltze Kitshoff/ARD) mal wieder das kleine Glück für sich und andere. Dabei könnte sie mehr – das zeigt präzises Timing gepaart mit authentischer Ausstrahlung im Pilotfilm der ARD-Reihe (30. Oktober, 20.15 Uhr). Wenn die 39-jährige Berlinerin doch nur das Süßliche ließe. Nur: das will sie gar nicht.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Neldel, ich muss zu Beginn mal ein Lob loswerden.

Alexandra Neldel: Oh!

In Einfach Rosa stimmt Ihr Timing, das Wechselspiel zwischen Gestik und Mimik, der Ausdruck, fast alles. Kann es sein, dass die ungelernte Filmhilfskraft Alexandra Neldel mittlerweile eine echte Schauspielerin ist?

Vielen Dank. Das lassen wir doch einfach mal so stehen. Danke für das tolle Gespräch, bis zum nächsten Mal (lacht laut). Nein im Ernst, vielleicht hat man mich hier einfach mal so machen lassen, dass es authentisch wirkt. Vielleicht liegt mir auch die Rolle besonders. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur besser geworden.

Sie sind also seit ihrer GZSZ-Zeit gereift.

Das hoffe ich doch!

Dann stellt sich die Frage, warum Ihre Filme nicht mit gereift sind?

Finden Sie? Ich nicht! Wenn man bedenkt, wo ich herkomme, aus der Daily Soap über Pro7-Filme und Verliebt in Berlin bis Wanderhure, Der Minister oder Unschuldig, eine echt anspruchsvolle Serie, sehr düster, für die das Fernsehen damals nur einfach noch nicht bereit war – ich hatte doch echt fast alles dabei.

Aber ist eine Hochzeitsplanerin da kein Rückfall in alte Romanzenrollenmuster einer Zeit, als gerade ein paar Wedding-Planer aus Hollywood kamen, Anfang der Nullerjahre?

Überhaupt nicht. Geheiratet wird immer. Und eine Frau, die den gleichen Typen gleich dreimal vorm Altar sitzen lässt und danach beim Arbeitsamt um einen Gründungszuschuss für eine Hochzeitsplanerin bittet – das ist doch kein gewöhnlicher Ansatz dieses Genres. Außerdem heißt sie nicht wegen der Farbe, wie sie heißt, sondern wegen Rosa Luxemburg.

Ah ja.

Das Dramatische wird mit jedem Fall ausgeprägter, glauben Sie’s mir.

Trotzdem – dachten Sie nicht, als das Drehbuch auf Ihrem Tisch lag, jetzt bieten die mir schon wieder so was Seifiges an, ich will keine Hochzeitsplanerin, ich will eine Totschlägerin?

Warum? Zum einen wurde ich ohne Drehbuch angefragt und fand die Idee sofort toll. Zum anderen hab ich noch massig Zeit, um auf Totschlägerinnen zu warten. Außerdem hab ich fürs ZDF gerade Das Mädchen aus dem Moor gedreht, auch so ein düsterer Krimi. Ich weiß ja, die Leute erwarten von einer seriösen Schauspielerin, dass sie ständig auf der Suche nach großem Anspruch ist. Aber ich habe weder mein Leben noch meine Karriere je so geplant, dass ich ständig Häkchen hinter irgendwas machen musste. Wenn ich auf etwas Bock habe, mach ich es, auch wenn andere etwas anderes von mir verlangen.

Was verlangen Sie denn selbst von sich?

Dass ich mich immer weiter entwickele.

Auch in Richtung harte Kante, weg vom dauernden Lächeln?

Nein, mein Lächeln gehört zu mir, so wie eine gewisse Leichtigkeit, die mir offenbar auch ein bisschen zu liegen scheint. Und wenn die Leute mich so sehen wollen, wie ich spiele – warum sollte ich dann auf Krampf dagegen angehen – damit ich’s allen Mal recht mache? Was hab ich von der megaharten Rolle in einem megakrassen Film, wenn meine Figur darin unglaubhaft wirkt? Ich möchte die Zuschauer gut unterhalten, aber mehr noch, dass sie mir meine Charaktere auch abnehmen.

Machen Sie sich damit nicht vom handelnden Subjekt zum Objekt fremder Ansprüche?

Um das zu beantworten, müsste ich erst mal genau wissen, was genau ich denn wirklich spielen wollen würde! Aber mit so viel Kalkül gehe ich da nicht ran. Wer weiß, was im Januar passiert…

Wurden Sie schon mal davon überrascht, wie viel man Ihnen zutraut, haben es aber dennoch abgelehnt, weil Sie sich darin nicht glaubhaft gefühlt hätten?

Warten Sie mal… Nee, in letzter Zeit nicht. Bei Unschuldig war ich überrascht, da durfte ich ja auch nicht lächeln. Dafür wollten es die Leute auch nicht sehen und ich dachte eine Zeitlang, das läge an mir.

Was die Leute offenbar unheimlich gern sehen, sind Menschen beim Heiraten in weiß. Sonst gäbe es das nicht so oft auf den Freitags- bis Sonntagssendeplätzen. Wie kommt das?

(lacht) Weil eine Hochzeit in Weiß am Ende für Romantik steht und ein Happyend symbolisiert. Ist doch schön!

Aber ist es auch realistisch oder nicht doch die schöne alte Märchenwelt des Schnulzenfernsehens?

Das hängt vom Einzelfall ab, aber bei uns wird gar nicht immer am Ende in Weiß geheiratet. Schon der zweite Film ist da komplizierter. Aber vielleicht macht ja gerade die Tatsache, dass nicht mehr so viel kirchlich geheiratet wird, dessen Reiz beim Publikum aus. Die tauchen in eine schöne Welt ein, die so nicht mehr besteht. Das ist doch legitim, so nach Feierabend.

Wenn Sie die Kontrolle über diesen Film gehabt hätten, sähe ihre Rolle darin so aus wie sie sich jetzt darstellt?

Rosa ist bindungsunfähig, hat ein schlecht laufendes Unternehmen, das ist so wenig happy, dass ich da voll hinter stehen kann.

Sind Sie eigentlich selber verheiratet?

Dazu werde ich Ihnen nichts sagen.

Es gibt von Ihnen ohnehin kaum Klatscherkenntnisse.

Und das wird auch nach unserem Gespräch so bleiben.

Na dann mal rein hypothetisch gefragt: Wenn Sie heiraten würden, wäre dann etwas Weißes dabei?

Ich glaube schon, aber es wäre bestimmt kein Sahnebaiser-Kleid, obwohl – man weiß nie, was kommt…

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