G-Eazy, Correatown, Sunn O)))

TT12 G-EazyG-EAZY

Was eine Band ist und was nicht, wird gerne von der Suche nach Labels, Zuordnung und Struktur vorgegeben. Keine Band zu sein gilt daher naturgemäß auch für den Rapper Gerald Earl Gillum, dessen Fach mit derlei kollektivistischem Vokabular generell schwer vereinbar ist. Als G-Eazy schreibt er sich allenfalls die Namen exquisiter Produzenten wie Michael Keenan aufs Cover der vierten Platte in fünf Jahren, die seinen Status als neuer Eminem des (Billboard-)HipHop weiter stärken dürfte. Der Erfolg seines Majordebüts These Things Happen scheint dem Bedarf nach Gesellschaft sogar so minimiert zu haben, dass die Singleauskopplung It’s just me, myself & I nach Zeit für sich, Freiraum, Privacy förmlich brüllt.

https://www.youtube.com/watch?v=Tfs5GOQK4dU&feature=youtu.be

Doch das wird wohl nix, solange G-Eazy optisch an Vanilla Ice erinnert und verkaufsfördernden Gossip voll edler Autos, sexy Bitches und etwas Ghetto-CNN über einen düsteren Sound kippt, den auch noch ständig featurende R’n’B-Engel aufhellen. Dennoch: So fett wie When It’s Dark Out ist, so eindrücklich sein Flow klingt, so viel Empathie zwischen all dem Mainstream hindurch scheint, wird der Posterboy aus dem Cowboystaat Arizona noch eine Weile am Rap-Himmel entlang streifen. Und dann verglühen.

G-EAZY  – When It’s Dark Out (Sony)

T12 CorreatownCorreatown

Angela Correa hingegen beginnt grad erst richtig zu leuchten am Firmament ihres Fachs, das mit Dreampop nur unzureichend beschrieben ist, aber immerhin eine Ahnung davon vermittelt, was die kalifornische Singer/Songwriterin zu einem der Zauberwesen alternativen Neofolks macht. Mit verwehender, fast flüchtiger Stimme aus dem Hallraum juvenilen Erwachens kreiert sie im Kreise ihres Projekts Correatown betörend unangestrengte Hymnen der Lebenslust, die oft an den famosen Hippiefolk der Pierces erinnern.

https://www.youtube.com/watch?v=wkJJq_jCTNU

Ihre feingliedrigen Berichte vom Erwachsenwerden und Jungbleiben, von maximaler Hingebung und zulässigem Zweifel haben schon dem Vorgänger Pleiades viel Aufmerksamkeit beschert, die Teile davon in Film und Fernsehen gespült haben. Unter aller Eingängigkeit jedoch offenbart ihr viertes Album noch spürbarer den Willen, die Mitte ans Ufer des Mainstreams zu locken, wo der Gesang auch mal bricht, das Keyboard neben der Spur klimpert und die Lagerfeuergitarre gelegentlich Flächenbrand spielt.

Correatown  – Embrace The Fuzzy Unknown (Highline Records)

TT12 SunnSunn O)))

Was eine passende Umschreibung fürs besonders düstere Subsubgenre des besonders düsteren Subgenres Doom Metal gilt: Drone löst jede Form von Rhythmus, Metrik, Takt gern in einem behäbig dröhnenden Klangbrei auf, den selbst Kenner kaum entschlüsseln können. Umso erstaunlicher, dass das US-Duo Sunn O))) dieser bombastischen Gitarren-Pampe zu gutturalem Bauchhöhlen-Gesang eine Art Struktur verleiht, die zuweilen fast symphonisch wirkt. Oberflächlich mag das siebte Album des Labelbetreibers Greg Anderson und seines langjährigen Nischenweggefährten Stephen O’Malley demnach wie eine endlose Rückkopplung klingen

Wer sich jedoch auf die raumgreifende, allumfassende Grundstimmung von Kannon einlässt und darin nicht etwa nach Halt oder Orientierung sucht, sondern abtaucht in diese tiefer gelegte Kakophonie der Seelenabgründe, der löst sich darin kurzzeitig auf und muss nach dem Erwachen die Augen selbst im fahlen Licht eine Weile zukneifen. Die drei Geräuschtürme, betitelt mit Kannon 1 – Kannon 3, verteilt auf eine gute halbe Stunde tonalen Dauerbeschusses, sind wahre Blockadelöser – wackenschwarz, seltsam erhellend.

Sunn O))) – Kannon (Southern Lord)

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