2 Bier – 1 Platte

Marthe-RSSRSS Disco: Grace Jones

Natalie, Falk und Max legten erstmals auf dem Geburtstag eines gemeinsamen Freundes zusammen auf. Das kam so gut an, dass die drei Hamburger als RSS Disco seitdem große und kleine Clubs und Festivals in ganz Europa bespielen. Immer mit dabei: Eine Mischung aus House, Acid-Disco und sanften Popklängen und natürlich der rosa Flamingo. Mit Mireia Records haben RSS Disco ihr eigenes Label gegründet. Alle hier veröffentlichten Plattencover sind mit Sieb- oder Kartoffeldruck hergestellte Unikate. Wie schwer mag es wohl für so ausgeprägte Plattenliebhaber sein, bei ein paar Bier über nur eine Platte zu sprechen?

Von Marthe Ruddat

Falk: Das war nicht so einfach für uns! Als DJs kennen wir natürlich sehr viele Platten.

Max: Die Wahl war wirklich schwer! Wir haben uns deshalb entschieden, das Ganze eher auf einer Metaebene zu betrachten. Was ist also die wichtigste Platte für uns? Und da haben wir festgestellt, dass das die letzte Platte ist.

Falk: Also die letzte Platte des Sets! Natürlich ist jeder Song des Sets irgendwie wichtig. Aber mit dem letzten Song entlässt man das Publikum, mit dem man ja im besten Fall schon die ganze Nacht getanzt hat, in die Nacht hinaus. Mit diesem Song nehmen sie das letzte Gefühl aus dem Club mit.

Falk: Und bei Grace Jones’ La vie en rose bleibt die Melodie besonders lang im Ohr.

La vie en rose ist ein 1947 veröffentlichter Chanson von Édith Piaf. Grace Jones veröffentlichte den Song 1977 mit ihrem Debutalbum Portfolio in einer Discoversion. Die Albumversion ist dabei mit über 7 Minuten Spielzeit deutlich länger als die Singleversion. Auch eine 1985 veröffentlichte Neuaufnahme des Songs stieg in die englischen Charts ein.

freitagsmedien: Der so oft gehörte typische Rausschmeißer ist das ja nicht gerade.

Max: Genau!

Natalie: Eigentlich ist nämlich genau das ganz schön! Wir betrachten so ein Set als eine Reise: Man startet zusammen und spannt den Bogen um eine Welt, in der man sich richtig austoben kann. Irgendwie muss man die Reise dann ja aber auch zu Ende bringen. Genau dieses Ende kann sehr melancholisch sein. Wir finden es aber viel schöner, die Menschen mit einer Euphorie zurück zu lassen.

So eine Euphorie erzeugen bestimmt auch andere Stücke. Was ist das Besondere an dem Grace Jones-Song?

Natalie: Besonders schön ist, dass dieses Lied so lang ist und wir selber auch dazu tanzen können.

Falk: Genau, es hat einen sehr langen Aufbau, der sich wiederholt. Es fängt also ganz langsam an und irgendwann bricht es dann voll aus. Und dann lassen wir Marthe-Graceganz gerne das DJ-Pult hinter uns und stürmen auf die Tanzfläche.Außerdem ist der Song so interessant zeitlos. Grace Jones hat ihn zwei Mal, zu jeweils musikalisch ganz verschiedenen Zeiten veröffentlicht und war beide Male sehr erfolgreich. Ich glaube, er ist deshalb auch ein gutes Beispiel dafür, dass wir gerne verschiedene Stile miteinander verbinden.

Natalie:Dieses Lied begleitet uns einfach schon sehr lange. Es war früher im richtigen Moment schon die richtige Wahl und das hat sich bis heute nicht geändert.

Was wäre denn der falsche Moment für den Song?

Natalie: Oh, da gibt es Diverse! Als erstes Lied wäre er zum Beispiel ganz fürchterlich!

Max: Auf jeden Fall! Wir sind da wirklich sehr behutsam und machen uns viele Gedanken über unsere Sets. Das betrifft insbesondere das erste Lied. Das letzte Stück steht niemals fest, weil wir ja nie wissen, wohin der Abend führt. Es muss aber in jedem Fall ein besonderes Stück sein. Und häufig hatLa vie en rose dieses Besondere.

Auch der Titel des Songs scheint ja besonders passend für RSS Disco.

Falk: Richtig! Das müssen wir auch noch besprechen. Frei übersetzt heißt das so etwas wie die rosarote Brille. Genau das ist ja, wo wir hin wollen! Wir wollen durch Musik mit dem Publikum ein bisschen Eskapismus erreichen. Der Titel drückt das super aus!

Max: Genau! Und manchmal trinken wie auch Rosé-Cremant.

Natalie: Und wir hätten alle gerne das rosa Kleid aus dem Youtube-Video!

Wer sich an dieser Stelle wundert, dass der rosa Flamingo es nicht aufs Bild geschafft hat: Er macht gerade alkoholfreien Monat und war deshalb entschuldigt.

Ist Grace Jones als schillernde Persönlichkeit mit all dem, was sie verkörpert, eine Art Vorbild für Euch?

Max: Naja, also wenn wir Vorbilder haben, dann gehört sie auf jeden Fall dazu. Sie hat einfach eine unglaubliche Ausstrahlung und verkörpert die Dinge, die auch uns wichtig sind.

Falk: Ihre Art Performance und Mode zu verbinden ist sehr spannend. Außerdem ist sie total experimentell und macht trotzdem Popmusik.

Natalie: Und sie lässt sich nicht auf eine Geschlechterrolle festlegen und ist damit super modern. Sie ist schon toll!

 

Grace Jones – La vie en rose

When he takes me in his arms

And whispers love to me

Everything’s  lovely

It’s him for me and me for him.

All our lives

And it’s so real what I feel

This is why.

Et dèsque je l’apercois

Alors je sens en moi, mon coeur qui bat.

La vie.

La vie en rose, la vie en rose…

 

Hört ihr Grace Jones und den Song also auch privat? 

Natalie: Nein, das geht nicht. Insbesondere dieser Song ist viel zu belegt.

Falk: Viel zu aufgeladen! Man muss sich privat so ein bisschen von dieser Musik distanzieren, sonst denkt man immer nur darüber nach, ob und wann man welches Lied wohl spielen könnte. Deshalb greife ich da eher zu tanzmäßig nicht so aufgeladener Musik, also Rock, Indie…

Natalie: Ich höre dann meistens irgendwelchen Seventies-Kram.

Max: Ich spiele das Stück tatsächlich manchmal für meine Kinder. Die finden es einfach großartig und fahren voll drauf ab. Aber das sind ganz andere Zusammenhänge.

Marthe1Welche fünf Adjektive beschreiben La vie en rose am besten?

Max: Vielleicht führen wir das lieber wieder zurück auf die Metaebene. Also fünf Adjektive für die letzte Platte. Die sind dann zwar nicht speziell für diesen einen Song, treffen auf ihn bestimmt aber auch zu.

Okay, fünf Adjektive für die Meta-Letzte-Platte!

Falk: Melancholisch!

Natalie: Euphorisch!

Falk: Das ist schon mal ein super Spannungsbogen.

Max: Aber dann auf jeden Fall auch rhythmisch. Das sind ja schon immer Stücke, die den vorherigen Rhythmus mit aufnehmen.

Falk: Rhythmisch ist gut.

Langes Überlegen, es werden neue Adjektive erfunden.

Natalie: Warm?

Falk: Warm ist super! Aber ich glaube über das letzte müssen wir noch länger nachdenken.

Wer neugierig auf das fünfte Adjektiv ist, kann am 13. Februar bei der Beta Lounge in der Hamburger Botschaft mal danach fragen oder am Ende der Nacht gar eigene Vorschläge machen. Alle weiteren Termine und vor allem ganz viel Tanzbares für Zuhause gibt es hier.

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