Alwara Höfels: Cowboygang & Kommissarin

alwara-hoefels-ist-henni-sieland-team-dresden-100-_v-standard368_b7ff45Gescheitert? Mehrfach!

Obwohl sie nur bedingt den optischen Anforderungen des deutschen Films entspricht, zählt Alwara Höfels (Foto@Andreas Wünschirs/MDR) gerade zu den angesagtesten Schauspielerinnen im Land. Sonntag gipfelt die gute Buchungslage der Hessin in ihrem ersten Einsatz als Hauptkommissarin im Dresdner Tatort: Auf einen Schlag. Ein Gespräch über ihren Cowboygang, Geschlechterfragen im Krimi, gebotenen Zweckpessimismus und ob man Dresden dieser Tage ohne Pegida erzählen kann.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Höfels, wo Sie grad stehen – können Sie einmal kurz zeigen, wie sie ohne Kamera gehen?

Alwara Höfels: Gehen? Ist das hier ein Catwalk oder was? (lacht)

Das ist ein Test, ob Sie auch in echt laufen wie ein Cowboy, dem man das Pferd unterm Hintern weg geklaut hat, oder nur in ihrer Rolle als Oberkommissarin Henni Wieland.

(geht einmal durch den Raum) Und?

Ein bisschen burschikos ist ihr Gang schon.

Die Art der Körperlichkeit ist eine erste Idee zur Figur, die die übliche Sexualisierung weiblicher Charaktere im Film ein wenig unterdrückt. Mit der Physis gehen ja immer viele Fantasien einher; trotzdem steckt meine Figur noch in den Kinderschuhen.

Zeigt aber bereits im ersten Fall so klare Kante in Geschlechterfragen, dass der Krimi dabei fast in den Hintergrund rückt.

Ich finde, das ist leicht überinterpretiert.

Aber wenn die drei Frauen zum Beispiel mit dem Kommissariatsleiter Schnabel zu tun haben, geht es doch exakt um nichts anderes als Frauen und Männer?

Neben dem Mordfall geht es eher um Zwischenmenschliches als Geschlechterfragen. Deshalb finde ich es auch gar nicht so erwähnenswert, dass wir das erste rein weibliche Tatort-Team sind. So wie sie sich die Gesellschaft wandelt, wandeln sich auch ihre Filme: Schleichend. Da ist meine Henni nur ein kleiner Beitrag.

Würden Sie sich denn als ebenso feministisch bezeichnen wie Ihre Kommissarin, die fast alles in den Kontext der Emanzipation stellt?

Puh, das sind aber große Fragen zu einem kleinen Krimi. Ich bin wie meine Figur eine denkende Frau, die sich mit ihrer Umgebung kritisch auseinandersetzt. Viel mehr Schnittmenge ist da nicht. Mir ist wichtig, bei ihr erst mal vieles in der Schwebe zu lassen. Klar kann man bereits sagen, dass sie pragmatisch, resolut, empathisch ist und einen diffusen Kinderwunsch hat, aber wir legen uns da noch nicht fest.

Der Autor Ralf Husmann ist spätestens seit Stromberg dafür bekannt, dass Männer in seinen Büchern schlechter wegkommen als Frauen. Wenn man sich seinen Dresdner Wutbürger ansieht oder Martin Brambachs Chef – haben Sie das Gefühl, hier ist das ähnlich?

Nein. Unabhängig vom Geschlecht sind viele Figuren sicher ein Stück weit als Klischees notiert, die wir im Prozess ihrer Entwicklung sozial einbinden müssen. Aber so funktioniert Gesellschaft insgesamt, die der Tatort bekanntlich gern abbildet. Und ich finde auch Martins Rolle vielschichtiger, als Sie es darstellen.

Na ja – sein Peter Michael Schnabel ist rassistisch, sexistisch, heimattümelnd. Darf man das als Kommentar auf die aktuelle Stimmung in Dresden verstehen?

Ein bisschen schon, aber eigentlich liefert den eher Walther Ungerland.

Ein schwer sächselnder Schlagerfan.

Genau.

Womit er sich von fast allen anderen Ausgaben der Reihe unterscheidet, die das Hohelied auf ihren Standort singen. Wie, glauben Sie, kommt der Dresdner vor Ort an?

Schwer zu sagen. Ich weiß, dass er nicht die Freundlichkeit anderer Tatorte ausstrahlt, denke aber auch, er hat Potenzial für positive Kritik von Einheimischen. Warten wir’s mal ab.

Ist es Ihnen wichtig, dass Ihre Filme über die Unterhaltung hinaus zur Kritik anregen?

Wer Geschichten aus der Gesellschaft erzählt, sollte schon eine Vision haben. Die gilt es in jedem Drehbuch zu überprüfen. Nur, wenn man sie glaubhaft und mitfühlend aus den Menschen heraus erzählt, vermeidet man Beliebigkeit oder erhobene Zeigefinger. Nur die schönen oder schrecklichen Aspekte zu erzählen, interessiert mich nicht. Das Leben ist eben schrecklich schön und die Chance unseres Berufes besteht darin, vielfältiger sein zu können als andere. Dummerweise sind wir als Schauspieler auf das angewiesen, was man uns anbietet, befinden uns also dennoch am Ende der Nahrungskette. Umso mehr müssen wir uns ständig die Frage stellen, was wir sind und wo wir hinwollen.

Und – was sind Sie und wo wollen Sie hin?

In Vielfalt und Beständigkeit. Deshalb hab ich mich schon ein ums andere Mal lieber in die zweite Reihe gestellt, wenn die Geschichte dort erzählenswerter war als in der Hauptrolle oder Romantic Comedys bei Privatsendern.

Dennoch sind Hauptrollen in anspruchsvollen Filmen angesichts Ihrer jüngsten Karriereentwicklung derzeit wahrscheinlicher oder?

Seit drei, vier Jahren, das ist mein Riesenglück, in der Tat. Aber weil wir wissen, wie schnell sich das Blatt wendet, bleibe ich dankbar und demütig meinen Aufgaben gegenüber. Man weiß es nicht…

Ist das der gebotene Zweckpessimismus, um nicht überrascht zu werden?

Nein, ich komme aus einer Schauspielerfamilie, da verliert man alle Illusionen über den Beruf zugunsten eines gewissen Realismus. Ich habe frühzeitig gelernt, dass es stets auf und ab geht und Scheitern eine Chance ist.

Sind Sie schon mal so richtig krachend gescheitert?

Natürlich, mehrfach! Und ich bin im Nachhinein dankbarer dafür als für jeden Erfolg. Niederlagen spürt man sofort, und ich mag das, mich zu spüren. Nur so weiß man, wo man wirklich steht. Trotzdem gibt es Karrieren, die nur bergauf gehen, kann auch klappen. Ich komme vom Theater und hatte überhaupt nicht vor, zum Film zu gehen – bis Til Schweiger kam und mich von Shakespeare zu Keinohrhasen geholt hat. Da war es wichtig für mich, hinterher gleich eine tiefsinnige Literaturverfilmung zu machen, um nicht im kommerziellen Erfolg zu verbrennen. Das geht nämlich gerade in Deutschland verdammt schnell.

Könnten Sie umstandslos aus dem Rampenlicht des Films wieder heraustreten und auf der Bühne glücklich werden?

Ja! Das ist mein Boden, da will ich hin zurück, irgendwann, bald.

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