Moop Mama, Stabil Elite, Fidji Condo Chief

MOOP_MAMA_Album_160309_500Moop Mama

Der deutsche HipHop mag auf vertikaler Ebene, also insgesamt betrachtet, ziemlich vielfältig wirken; horizontal betrachtet, also auf der Ebene einzelner Bands hingegen erscheint er zuweilen etwas, nun ja, monothematisch. Da gibt es die Quatsch-Rapper und die Gangster-Rapper, die Stadien-Rapper und die Conscious-Rapper, die Crossover-Rapper und die Just-Schmuse-Rapper. Was in dieser Aufzählung entsprechend fehlt, sind die Aberwitz-Rapper mit dem Mut, ihr Genre mit subversivem Witz zu dekonstruieren, dabei aber nicht ins Lächerliche zu ziehen oder bloß billigstmöglich auszubeuten. Rapper wie Moop Mama. In Fußballmannschaftsstärke ringt die Brasscombo aus München dem Sprechgesang eine virtuose Vielfalt ab, die auch auf dem dritten Album hinreißt.

Ob das Kollektiv sich überhaupt dort verortet, sei mal dahingestellt, aber M.O.O.P.topia flankiert Keno Langbeins leicht näselnde Raps mit einer fabelhaften Spielfreude, die kaum eine andere Interpretation zulassen. Atmosphärisch erinnert das bisweilen an Seeed, allerdings musikalisch mit dem Wagemut von K.I.Z. und Guaia Guaia, was das Ganze zum permanent beweglichen Parforceritt durch alle denkbaren Begleitstile des HipHop macht. Mal poppig, mal rockig, oft jazzig, meist funky, vielfach einfach nur wahnsinnig unterhaltsam. Nicht die Neuerfindung des Stilbruchs, keine Frage. Aber ein großangelegter Breitbandspaß für alle außer Puristen.

Moop Mama – M.O.O.P.topia (Mutterkomplex)

TT16-SpumanteStabil Elite

Der Frühling ist eine Zeit prachtvoller Entfaltung mit altbekannten Mitteln. Es grünt und blüht und sprießt, als entstünde die Welt komplett aufs Neue. Aber das tut sie natürlich nicht. Was uns die Sinne mit Farbe, Sound, Geruch vernebelt, entspringt demselben Genpool wie im Mai zuvor. Und sieht es bei nüchterner Betrachtung nicht auch exakt so aus? Gegenfrage: Wieso nüchtern betrachten? Meinen auch Stabil Elite, öffnen ein Fläschchen Spumante und feiern den musikalischen Hedonismus, als wären Popper keine Erfindung der frühen Achtziger, sondern von gestern Mittag bei 25 Grad. Wie auf dem Debütalbum vor vier Jahren holen die fünf – ausgerechnet! – akkurat gekleideten Düsseldorfer das geschmeidige Synthiegeklimper von damals aus dem Keller.

Jene fernen und doch ständig wiederbelebten Tage, als der New Wave zur Neuen Welle geriet. Daraus machen sie allen Ernstes saxofonschwangeren Synthiepop zwischen Peter Licht und Palais Schaumburg. Das ist in jeder Note fast zu viel des Grünens, Blühens, Sprießens und doch der ideale Soundtrack einer Zeit des Erwachens. Zumal die dahingehauchten Texte in blumigem Deutsch das Leben in der Matrix ringsum regelmäßig mit poetischer Nonchalance entlarven. Die durchpolitisierte Hochkultur darf ja gern weiterhin Club Mate im Diskurskeller trinken; Stabil Elite sonnen sich derweil mit Softeis und Milchcafé im Strandcafé nebenan.

Stabil Elite – Spumante (ITALIC Recordings)

fidji-condo-chief-condo-islandFidji Condo Chief

Nur ein paar Tische weiter, Blick auf den Rhein, erholen sich womöglich gerade Fiji Condo Chief von einer Nacht besagtem Club darunter. Statt Softeis und Milchkaffee nehmen die fünf – ausgerechnet! – exzentrisch gekleideten Kölner allerdings eher warmen Absinth und Filterlose zu sich, was aber nichts über den Grad der Entspannung aussagt. Grundlage ihres windschief swingenden Retropops ist schließlich eine Mischung aus Fusion-Jazz und Psychobeat, den das Kollektiv um die Electroavantegardistin Niobe mit spielerischer Gelassenheit aus dem Souterrain ins Sonnenlicht befreit.

Wie zuletzt der persisch-hanseatische Wahlberliner Malakoff Kowalski oder einst die Fun Lovin‘ Criminals, entfesselt ihr Debütalbum Condo Island zum struppigen Crooner-Gesang des Bühnenkantengewächses Tillian eine nostalgische Coolness, die in kein Raster passt und doch alle ausreizt. Praktisch jedes Genre aus dem Mitteldrittel des 20. Jahrhunderts von Rock’n’Roll bis Disco findet da elektronisch aufgemöbelt Platz. Denkt man sich das papierne Dictionary-Englisch mal weg: die lässigste Platte des Frühlings.

Fidji Condo Chief – Condo Island (Onglagoo Records)

Zwei der Reviews sind vorab auf Zeit-Online erschienen
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