Sekuoia, La Femme

tt16-sekuoiaSekuoia

Der Club ist normalerweise Brachland. Außer Hormon- oder Alkoholspiegeln wächst dort in der Regel nicht allzu viel, rings um den Dancefloor ist es halt arm an Sonnenlicht und fruchtbarer Erde. Nichts könnte einer Platte mit technoider Clubatmosphäre daher ferner sein als ein Cover mit Wildblumen drauf wie sie das Debütalbum des dänischen DJs Sukuoia zieren. Wer allerdings genauer hinsieht, erkennt darauf, wo genau das Unkraut wächst: in einer Zimmerecke mit Auslegeware nämlich, vom Blitzlicht eiskalt erwischt wie ein verschrecktes Reh im Vorstadtvorgarten. Sie stehen also ausgerechnet da, wo sonst nichts Organisches steht, und das ist ein ziemlich fantastisches Bild einer ziemlich fantastischen Platte.

Sie heißt flac und ist das Ergebnis der unermüdlichen Fleißarbeit eines 23-jährigen Kopenhageners mit dem Klarnamen Patrick Bech-Madsen, der die Szene seiner Heimatstadt seit geraumer Zeit mit einer Art hypnotisierenden Electronica elektrisiert, die dringend raus ins Grüne will wie eine Biene im Wohnzimmer. Sekuoias Harmonien sind schließlich von so fröhlicher Verspieltheit, dass die Disco dagegen wie ein Knast daherkommt. Nach fast wavigem Einstieg in Rayenne geraten die neun Stücke zwar gelegentlich genregemäß etwas cheesy, doch allein das träumerisch tänzelnde Beau mit seinen Xylophonschnipseln oder mehr noch das drumsamplebefeuerte Bashard am Ende haben die Substanz zum Ohrwurm im einzeltrackfeindlichen Clubkosmos. Überdachte Flora, artifizielle Fauna, Gewächshaus Partyzone, hinreißend.

Secuoia – flac (Humming Records)

tt16-femmeLa Femme

Und wenn an dieser Stelle schon vom Ort des Entstehens in Korrelation mit dem der Verbreitung die Rede ist, darf man beides bei La Femme nicht verschweigen. Ihr Synth-Pop hat seinen Ursprung schließlich im sommerverwöhnten Surfer-Paradies Biarritz, wo sich der Gitarrist Sacha Got vor sechs Jahren mit dem Keyboarder Marlon Magnée zusammentat. Das Lebensgefühl dieses Sehnsuchtsorts der Sechziger hat auch nach dem Umzug ins virile Paris tiefe Spuren hinterlassen. Ergänzt um drei Taktinstrumentalisten und Sängerin Clémence Quélennec erwuchs aus der atlantischen Keimzelle ein Sextett, das den psychedelischen Teil der Sixties krachend in die Garage von heute übertrug.

http://www.vevo.com/watch/FR1A91600627

Der zweiten Platte haben sie nun zwar den Punk ausgetrieben, aber um hypnotische Electronica ergänzt. Mystére wirkt daher, wie es heißt: Unberechenbar, flatternd, zerzaust – ein Panoptikum französischer Trendhalsen von Plastic Bertrand über Cassius bis Daft Punk, vermengt mit einem halben Dutzend Gastsängerinnen, die der Konstruktion krächzender Saxofone und irrer Konsolen-Spielereien schön die Mackerposen austreiben. Dem DJ einer gediegenen Strandparty kann man das getrost mit jenem Satz in die Hand drücken, den er hasst wie keinen zweiten: Kannst du durchlaufen lassen.

La Femme – Mystère (Disque Pointu)

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