Celebritynotstand & Nachrichtenödnis

TVDie Gebrauchtwoche

19. – 25. September

Oh Gott, jetzt ist es amtlich, was der Boulevard schon zu raunen begann, als Angelina Jolie und Brad Pitt noch taufrisch liiert waren: Brangelina sind Geschichte. Für Celebritymedien von taff über Instyle bis hin zum ARZDF-Frühstücksfernsehen ist das ein Verlust wie einst der Bestand eines Stapels Kriegsanleihen der unterlegenen Kriegsnation. In den vergangenen zehn, zwölf Jahren hat die Yellowpress schließlich ein gutes Drittel ihrer, hüstel, Arbeitskraft aufs glamouröseste aller Glamourpaare verwandt und jetzt – Aus? Einfach so? Ohne redaktionelle Konsultationen oder zumindest die Bitte um Stellungnahme aus dem Burda-Verlag? Nun ja, ein paar Monate lang wird der insinuierte Rosenkrieg schon noch dauern, bevor das Genre bei der Suche nach einer vergleichbar glitzernden Mischung aus Sex’n’Politics die nächste Sau über den Boulevard jagt.

Kandidaten?

Heidi Klum könnte Guido Maria Kretschmer umdrehen, Donald Trump seine Familie für Miley Cyrus verlassen. Oder wie wär’s mit einer quirligen Kreuzbeziehung aus den Geissens und den Windsors? Das böte jedenfalls reichlich Stoff für eine zünftige Fiktionalisierung auf dem Serienmarkt, der – inszeniert vielleicht von Steven Spielberg – die unendliche Dominanz von Game of Thrones beim Emmy-Award durchbrechen könnte. Zwölf der wichtigsten TV-Preise hat das Fantasy-Epos grad in L.A. geholt, insgesamt also 38. Da muss man fast dankbar sein, dass mittlerweile nicht auch welche für die schauspielerische Leistung darunter sind, um die es im Aufmarsch der Spezialeffekte ja nun wirklich nie geht.

Interessant bei der Verleihung vor einer Woche war aber vor allem, dass lineares Fernsehen in den Siegerlisten praktisch nicht vorkam. Abgeräumt haben Pay-TV und Streamingdienste von HBO bis Netflix, was dem Leitmedium ein niederschmetterndes Zeugnis ausstellt, verdichtet im tollen Nachruf der Süddeutschen Zeitung, mit Zimmer frei! sei ein „Relikt des guten alten Fernsehens“ verschwunden, „das noch Quatsch mit Tiefgang kombinierte und nicht Belanglosigkeit mit Zynismus“.

Gute Nacht.

0-FrischwocheDie Frischwoche

26. September – 2. Oktober

Durch die gut zu kommen ein anderes Relikt ab Sonntag nicht mehr wünschen wird. Dann moderiert Thomas Roth letztmals die „Tagesthemen“ und man möchte sagen: endlich. Denn mit seiner biederen Weißköpfigkeit kennzeichnet Roth einen Fernsehtypus, der schon beim Amtsantritt 2013 antiquiert war und seither rasant gealtert ist. Wie er sich staatstragend zu geben versuchte und dabei bloß steif war. Wie er sich locker zu geben versuchte und dabei zu Stein erstarrte. Wie das ganze Konstrukt aus schnauzbärtiger Seriosität und plastinierter Ödnis alles Mögliche bewirkte, aber nicht gut durch die Nacht zu kommen. Da wird auch dem letzten ARD-Gremlin klar, was Außenstehende schon wussten, als Thomas Roth Studiochef in New York war: Ingo Zamperoni hätte schon damals kommen müssen. Umso mehr freuen wir uns, dass er es nun tut.

Dem Ersten fehlt er dann allerdings schmerzlich in den USA, wo die heiße Phase des Präsidentschaftswahlkampfs heute Nacht mit dem TV-Duell Trump vs. Clinton zu sieden beginnt. Phoenix überträgt mit Vorberichten und Dokus ab 23 Uhr deutscher Zeit live, wobei es gegen halb drei richtig losgeht. Und nebenbei Futter für die Jubiläumssendung von extra 3 liefert. Am Mittwoch um 23 Uhr feiert das Satireformat mit Gästen und Archivschätzen 40. Geburtstag im NDR. Zuvor widmet sich der ARD-Themenabend „Cyber-Grooming“, leichter verständlich als Internet-Anbahnung. Zum Auftakt wird die Lena Urzendowsky in ihrer ersten (aber gewiss nicht letzten) Rolle Opfer im Spielfilm Das weiße Kaninchen Opfer dunkler Netzmächte.

Den Feind im eigenen Leib beschreibt dagegen die heutige 3sat-Doku Das dunkle Gen, in der sich ein depressiver Neurologe um 22.25 Uhr auf die Suche nach der physischen Grundlage seiner Krankheit macht. Mit Selbstzweifeln so gar nichts am Hut scheint der Star eines Vox-Abends am Donnerstag zu haben: Mark Wahlberg. Nach seiner hinreißenden Komödie Ted mit einem durch und durch vulgären Plüschbären zur Seite, widmet der Sender dem Fahrstuhl-Schauspieler ein Porträt. Und auch Netflix schildert eine Person von Belang: Amanda Knox. Ab Freitag zeigt der Streamingdienst eine herausragende Doku über die US-Studentin, die ihre Mitbewohnerin ermordet haben soll.

Nochmals USA: Der Dallas Buyers Club (Dienstag, 22.45 Uhr, ARD) erzählt nicht nur die halbreale Story des homophoben Rodeo-Reiters Ron nach, der 1985 an HIV erkrankt und fortan verbotene Heilmittel aus Mexico in die USA schmuggelt; er hat aus dem Surfertyp Matthew McConaughey einen Schauspieler gemacht. Das gleiche Sönke Wortmanns Der bewegte Mann, der Til Schweiger in der Wiederholung der Woche am Dienstag, 0.55 Uhr, ARD, ganz kurz mal aus dem tiefen Tal irrelevanter Selbstüberschätzung holte. Sehr kurz. Langlebig ist demgegenüber der schwarzweiße Tipp: Hitchcocks Psycho (Sonntag, 0.35 Uhr, NDR) von 1960 – partout nicht totzukriegen.

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