Daniel Küblböck: Von DSDS aufs ARD-Schiff

kublbock2Das Bohlen-Thema nervt!

Reif ist er geworden, irgendwie seriöser, aber keineswegs voll angepasst. Seit Daniel Küblböck nach seinem DSDS-Auftritt vor 13 Jahren eine Weile über den Boulevard geschleift wurde, ist es still geworden um die singende Frohnatur aus Bayern. Mittlerweile studiert er Schauspiel, singt Selbstkomponiertes und verdient seit zwei Wochen in der ARD-Nachmittagsdokusoap Verrückt nach Fluss ein bisschen was dazu. Begegnung mit einem jungen Fossil des Trash-TV.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Daniel Küblböck, Sie sind 31 Jahre alt – würden Sie „schon“ oder „erst“ voranstellen?

Daniel Küblböck: (zögert kurz) Ich würde sagen „schon“ 31. Zumal mich viele für älter halten und überrascht sind, dass ich bei DSDS erst 18 war.

Fühlt es sich also 13 Jahre her an oder länger?

Das ist situationsabhängig. Wenn ich wie jetzt grad tief im Schauspielstudium stecke, scheint es eine Ewigkeit her, wenn ich in Ruhe drüber nachdenke wieder nur ein paar Momente. Und in Videos von damals sehe ich eine Naivität, die mir jetzt fremd ist, während die Lebensfreude darin weiter zu mir gehört. Wenn ich nun auf die Bühne will, ist es nicht das Rampenlicht, sondern die Theaterbühne, aber alles was ich heute tue, ist irgendwie von der Zeit geprägt.

Kein Wunder – schließlich haben Sie bereits mit 20 ihre Biografie geschrieben!

Mit 18 sogar, aber ich hatte ja damals auch schon mehr erlebt als viele Gleichaltrige.

Fiele die Betrachtung ihrer Jugend anders aus, wenn Sie sie zehn Jahre später nochmals beschreiben würden?

Das Kapitel vor DSDS wäre bedeutend kürzer, weil es damals noch viel aktueller war und ich mit privaten Rückschlägen jener Zeit heute defensiver umginge. Außerdem wäre der Teil im Verhältnis natürlich kürzer, weil ich zwischendurch wieder viel erlebt habe.

Haben Sie im Rückblick alles richtig gemacht?

Um das bewerten zu können, müssen mindestens nochmals 13 Jahre vergehen.

Anders gefragt: Haben Sie irgendwas bereut?

Bereuen klingt so pathetisch. Natürlich hätte ich manches anders gemacht, aber alles hat dazu beigetragen, was für ein Mensch ich heute bin. Selbst der Gurkenlastunfall ohne Führerschein, von dem vielleicht niemand erfahren hätte, wenn die CSU an dem Tag nicht in der Nähe ihren Parteitag gehabt hätte, gehört halt dazu. Und wenn man bedenkt, dass die Tagesschau darüber berichtet hat, scheint es ja seinen Sinn gehabt zu haben.

Ohne DSDS wären Sie aber vermutlich Erzieher geblieben, statt wie jetzt Schauspieler zu werden oder?

Auf jeden Fall, zuvor war die Bühne keine Option. Aber wie da wir in die Öffentlichkeit geworfen wurden, das war schon gewaltig. Heute kennt man von den Kandidaten sogar während der Shows nicht mal die Namen; damals hatte ich als Drittplatzierter Nr-1-Hits – davon können die heute doch nur träumen. Trotzdem war es kein grader Weg zum Schauspiel. Ich hatte kurz darauf Anfragen, die ich zum Glück ausgeschlagen habe, weil ich nicht vom Fach war. Schauspiel war vorher jedenfalls kein Jugendtraum von mir, ich wollte mit Kindern arbeiten. Aber die DSDS-Bühne hat in mir den Wunsch erzeugt, dieses Handwerk wirklich zu lernen. In zwei Jahren bin ich mit dem Studium fertig, dann müssen wir mal sehen.

Ist die Moderation von Verrückt nach Fluss da Teil deines Weges oder ein Abzweig?

Definitiv Abzweig. Ich musste den Schulleiter fragen, ob ich die Zeit zum Drehen freikriege. Er fragte mich dann, für welchen Sender das sei, und als ich ARD sagte, meinte er okay, solange es nicht RTL ist… Ich selber habe das aber gar nicht als Arbeit empfunden, ehr als Tapetenwechsel, zumal ein Teil dieser Flussfahrt durch meine Heimat führt.

Ansonsten reizt sie die Kamera nicht mehr?

Nein. Obwohl mich an diesem Format überzeugt hat, dass verglichen mit RTL wenig gestellt wird, und man etwas über Geschichte erfährt, zum Beispiel, wie nah vor meiner Haustür der Jugoslawien-Krieg stattgefunden hat.

Wen hat die ARD in Ihnen gebucht – den alten DSDS-Daniel oder den neuen Küblböck?

Tja, wenn ich mir das „Verrückt“ im Titel anschaue, hatten die wohl doch auch das Klischee von mir im Hinterkopf, so rein marketingstrategisch.

Der Sender kündigt Sie als „eine der schrillsten Figuren des jungen Jahrtausends“ an.

Ach, ich habe ja auch mit 31 noch meine schrillen Momente, das stört mich gar nicht groß. Und in Deutschland gilt man halt schon als schrill, wenn man schwer einzuordnen ist.

Besonders, wenn man schwul ist…

Ich bin zwar eher bi, aber es stimmt schon – bei dieser Gleichung schwingt Homophobie mit.

Waren Sie damals in Ihrer schrillen Androgynität wirklich Sie selbst oder ein Konstrukt, das RTL aus Ihnen gemacht hat?

Ich glaube, dass alles, was für eine solche Bühne gemacht wird, mehr oder weniger inszeniert wird. Das ist auf seriösen Sprechbühnen nicht anders. So gesehen war auch ich in Teilen eine Kunstfigur, was ich mit 18 Jahren bestimmt nicht immer gemerkt habe und von RTL ziemlich schamlos ausgenutzt wurde. Aber so funktioniert das Geschäft, ich wär mit jemandem wie mir als Sender wohl nicht anders umgegangen. Sie hätten mal meinen Stylisten erleben sollen, wie froh der war, sich mal an einem wie mir austoben zu dürfen; das war schon auch lustig.

Waren Sie dennoch stets das Subjekt Ihres Handelns oder in gewisser Weise Objekt anderer, um nicht Opfer zu sagen?

Als funktionierende Medienfigur bist du – gerade in dem Alter – immer ein Objekt, gar Opfer. Das beginnt ja schon damit, was alles hineinprojiziert wird, worauf man keinen Einfluss hat. Jedes Bild, das an die Öffentlichkeit gerät, ist manipulierbar. Nehmen Sie die ARD-Doku: Da müsste man nur in der Bildunterschrift „vor dem“ durch „vor seinem“ Schiff ersetzen, schon wäre alles am Foto anders. Jeder will doch sehen, was er will, das macht uns alle zum Objekt.

Sind Sie das heute weniger als früher?

Definitiv!

Haben Sie da zum Abschied noch ein Grußwort an Dieter Bohlen?

Nö. Wir haben uns damals auf einer reinen Geschäftsebene getroffen, von der wir beide profitiert haben. Das Bohlen-Thema nervt.

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