Sky Du Mont: FDP-Schnösel & Fernsehikone

schuh-des-manitu-der-dumont-sky-sky-du-mont-2-rcm260x260uDas Leben besteht aus Klischees

Wer dem Schauspieler Sky Du Mont gegenübersitzt, ist überrascht, wie sehr er seiner bevorzugten Rolle als augenzwinkernder Schnösel entspricht und zugleich davon abweicht. Selten zuvor hatten die freitagsmedien einen interessanteren Interviewpartner, der sich für nichts schämt und zugleich vieles kritisch reflektiert. Sein Einstehen fürs Eliteinstitut Gymnasium darf man natürlich trotzdem wie viele seiner Rollen ablehnen, aber als Gesprächspartner zu Themen vom Schuh des Manitu (Freitag, 20.15 Uhr, ProSieben) über Haarausfall bis Rainer Brüderle ist er die Wucht.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Du Mont, war es eigentlich im Sinne Ihrer Familie, dass Sie Schauspieler geworden sind, oder hätte die sich einen standesgemäßen Beruf gewünscht?

Sky Du Mont: Nein, das war nicht in ihrem Sinne.

Sie waren aber nicht folgsam.

Natürlich nicht. Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf. Es war nur so, dass meine Lehrerin an der Schauspielschule, wo ich später die staatliche Prüfung abgelegt habe, zu mir sagte: Mit deinem Äußeren wirst du immer abgestempelt werden. Also mach die Prüfung, geh ans Theater.

Ihr Äußeres, das ist eher aristokratisch.

Kann man so sagen. Aber dann müssen Sie mal sehen, was passiert, wenn die Leute am Set meine Tätowierungen entdecken. Die wollen das dann immer ganz hektisch überschmücken, weil das oft nicht zur Rolle passt.

Wo haben Sie denn überall welche?

Och, überall, hier (zeigt auf den Arm), am Rücken, zu viel für klassische Aristokraten jedenfalls. Ein Sakko trage ich jetzt nur für Sie, sonst bevorzuge ich lockere Kleidung.

Seit wann sehen Sie denn aus, wie Sie aussehen?

Immer schon.

Früh ergraut also?

Auch. Haben Sie sich nicht verändert?

Natürlich.

Wo konkret?

Die Haare vor allem. Als Jugendlicher Dreadlocks, später kahl rasiert, jetzt etwas bürgerlicher mit kahlen Zonen.

Sehen Sie! Ich würde mir liebend gern den Kopf rasieren, aber dann verdiene ich nichts mehr, weil ich immer ins Klischee dieser Seidenschal-Rollen gedrängt werde. Ich wollte mir meine Haare mal blau färben – ging nicht.

Kann man sich ab einem bestimmten Zeitpunkt seiner Karriere nicht mehr erlauben?

Nein, weil ich dann nicht mehr das erfülle, was man mit mir verkaufen will.

Klingt da eine Klage durch?

Keine Klage, bloß eine Feststellung. Julia Roberts hat ihr halbes Leben gegen Pretty Woman angespielt. Aber je weniger Schönheit diese ausgezeichnete Schauspielerin gezeigt hat, desto weniger Menschen sahen ihr dabei zu. Man kann das Publikum halt zu nichts zwingen. Darunter leide ich nicht, es geht mir gut, was gäbe es zu klagen. Ich habe also was von den Klischees, in die man mich besetzt. Aber Snobs spiele ich heute zutage kaum noch.

Ihr Theo Schlikker, der seiner entlassenen Verkäuferin auf die Frage, wie sie ihre Kinder ernähren soll, antwortet, dann müsse sie sich halt etwas zurücknehmen, ist kein Snob?

Mein Schlikker hat als Metzgerlehrling begonnen, weiß also, was Armut ist, hat dann aber ein Vermögen verdient, war in den höchsten Kreisen eingeladen, alle kamen angekrochen – da hat er die Bodenhaftung verloren. Das ist nicht snobistisch, das ist weltfremd.

Wie würden Sie denn einen Snob beschreiben?

Als Narzisst, der sich für einen besseren Menschen hält. Ein Snob klebt sich Aufkleber mit „Eure Armut kotzt mich an“ auf den Porsche. Grauenvoll. Früher habe ich solche Typen in der Tat öfter spielen müssen; ich war halt jünger und musste meine Miete verdienen. Aber das war noch die Zeit von Derrick.

Verhöre in der Grünwalder Villa.

Genau. Aber dann hab ich meine Liebe zur Komödie entdeckt, so vor 15 Jahren. Und glauben Sie mir: es folgten finanziell schlanke Jahre. Weil ich viel abgesagt habe und zugleich Industriezeugs machen musste. Imagefilme für Fräsmaschinen, solche Sachen. Ich hatte keine Lust mehr, nur noch die miesen Typen zu spielen. Die Wende begann mit dem ersten Otto-Film. Ich durfte zeigen, dass ich auch komödiantisch sein konnte. Ich habe dann viele Komödien am Theater gespielt und dann kam der Schuh des Manitu.

Wo Sie einen miesen Typen spielen.

Weil ich vorher zu Bully gesagt habe, ich mach nur mit, wenn ich mich über mich selber lustig machen kann und mein eigenes Klischee karikieren. Mein Credo lautet: Mach alle Witze über dich selbst, bevor es andere tun.

Und finden Sie den Ansatz gelungen, das ernste Thema Schlecker-Pleite humoristisch zu verarbeiten?

Das ist eine sehr deutsche Frage, die man im angelsächsischen Raum nie stellen würde. Meine Antwort: Warum nicht!

Deutsche Anschlussfrage: Muss man über alles lachen dürfen?

Solange man über sich selbst lacht, schon.

Wie viel vom fiktionalen Sky Du Mont, über den wir gemeinsam am Bildschirm lachen, entspricht denn dem realen?

Nichts, Null. Aber als ich mal einen Todkranken gespielt habe, musste ich plötzlich fürchterlich anfangen zu weinen. Weil ein Schauspieler nur glaubhaft machen kann, was er empfinden kann.

Könnten Sie sich so in einen arbeitslosen Handwerker fühlen, dass er glaubhaft wird?

Ja.

Schon mal versucht?

Ich überlege. Nein. So was bietet man mir nicht an. Ist aber nicht schlimm. Das ganze Leben besteht aus Klischees und wer es in der Kürze eines Fernsehfilms so abbilden möchte, dass es viele verstehen, ist gut beraten, bestimmte Bilder im Zuschauer zu bedienen, sonst wird es Art-Haus. Und meine Klischees passen nun mal auch einfach gut zu mir.

Zumal Sie sie auch privat erfüllen.

Inwiefern?

Als aktives FDP-Mitglied, dass sich zum Beispiel an vorderster Front fürs Elitesystem Gymnasium einsetzt.

Da satteln Sie das falsche Pferd, Herr Freitag. Sie gehen nämlich davon aus, dass die FDP eine Apotheken-Partei der sozialen Kälte ist.

Ach, das ist sie nicht?

Nein. Zumindest entspräche das nicht meinem Begriff von Liberalität. Ich finde, jeder hat das Recht, zu tun, was er will, solange er nicht anderen schadet. Ich bin dagegen, dass der Staat mir alles vorschreibt, was ich zu tun habe. Ich bin dagegen, dass er mehr reguliert, als nötig. Aber um es klar zu sagen: Nur weil ich liberal bin, muss ich kein Anhänger der FDP unter Rainer Brüderle sein.

Im Gegensatz zu Ihrer Partei sind Sie derzeit zudem überaus wahrnehmbar – auch, weil Sie wie in Typisch Frau, typisch Mann an der Seite Ihrer Frau Intimes aus Ihrem Privatleben preisgeben.

Weil das eine unheimlich unterhaltsame Sendung ist. Ein reines Vergnügen. Für das es unter uns auch ein bisschen Geld gab.

Man könnte meinen, bei der Reputation, die Sie auch im Ausland genießen, wäre das kein Kriterium mehr. Besetzt man Sie dort auch nach Klischee?

Dort besetzt man mich wie hier nach meinem Äußeren, darüber hinaus aber auch, weil ich zweisprachig aufgewachsen bin. Für Hollywood war ich immer der englische Aristokrat. Aber nach drei Jahren Amerika hat es mich nicht mehr interessiert. Jetzt interessieren mich Sachen wie die Schlikker-Frauen.

Was genau?

Die Fallhöhe. Schlikker kommt von ganz oben, bleibt stehen, ist faul, kleinlich, bequem und verliert alles. Diese Situationen kenne ich aus meinem eigenen Leben: ganz unten angekommen zu sein und zwei Alternativen zu haben: Entweder ich mache mit Tränen in den Augen weiter und rappel mich auf. Oder ich springe aus dem Fenster. Andererseits bin ich kein großer Kämpfer. Ich gebe eher auf, hänge auch nicht an meine Karriere und bin ihr nie nachgelaufen.

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