Neue Fakenews & alte Luxushotels

TVDie Gebrauchtwoche

9. – 15. Januar

Es waren, nüchtern betrachtet, wieder keine allzu guten Tage für Meinungsvielfalt und Pressefreiheit. In den USA entzog Donald Trump kurz vor seiner offiziellen Amtseinführung, die am Freitag auch das deutsche Fernsehprogramm dominiert, dem hochseriösen Nachrichtensender CNN auf einer Pressekonferenz mit den Worten das Wort, „you’re fake news“. Kurz darauf lud die zutiefst wahrheitsliebende AfD ausgerechnet ARD und ZDF wegen „unjournalistischer Berichterstattung“ von einer öffentlichen Parteiveranstaltung aus. Und dann darf das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht von der Handball-WM in Frankreich berichten.

Gut, das wollte es zu einer Zeit, da die deutsche Mannschaft bemitleidenswert erfolglos war, auch ein klein wenig weniger als jetzt, da sie zu den Titelfavoriten zählt. Aber man wird ja mal klagen dürfen. Zumal das nachträglich erworbene Recht, zumindest in den Nachrichten bewegte Bilder zeigen zu dürfen, nicht darüber hinwegtäuscht, auf welch beklagenswertem Weg sich die Sportwelt befindet, wenn ein so bedeutender Aspekt davon ausschließlich von einem der Sponsoren übertragen wird und das auch nur ins Internet.

Da gewinnen Breaking News wie diese hier von Sky doch gleich noch weiter an Relevanz. „Kandidatin Susi aus Düsseldorf“, vermeldete der Bezahlkanal zu seiner TV-Kochreihe MasterChef in alle Welt und womöglich weit darüber hinaus, „scheitert am Lachs“. Am Lachs! Oh Gott! Aber wie gut, dass es für gescheiterte Existenzen hierzulande das Dschungelcamp gibt, um sich wie derzeit wieder praktiziert ein wenig am eigenen Ego aufzurichten. Muss Steffi sich allerdings noch kurz ausziehen am Herd, dann klappt das zwar nicht mit dem Lachs, aber vielleicht mit der Anschlusskarriere unter Palmen.

0-FrischwocheDie Frischwoche

16. – 22. Januar

Eine Anschlusskarriere über – Sorry für den plumpen Übergang – Wellen legt dagegen Wasserschutzpolizistin Nele (Floriane Daniel) in der ARD-Vorabendserie WaPo Bodensee hin. Nach gescheiterter Ehe kehrt sie aus dem Hamburger Exil in die Heimat zurück und verkörpert zunächst acht Folgen lang den fernseherprobten Spagat zwischen Stadt und Land, Beton und Natur, Entfremdung und Bodenständigkeit. Wichtiger aber sind natürlich tolle Totalen von Deutschlands größtem See, die das Stammpublikum trotz einiger Probleme mit Happyendgarantie ständig in Urlaubsstimmung versetzen sollen.

Ach Fernsehen, du bist so berechenbar… Und beweist es am Tag zuvor gleich noch mal. Dann filmt sich das ZDF nach dem Adlon durchs nächste Luxushotel in vordemokratischer Epoche. Das Sacher. Wie vor vier Jahren am Brandenburger Tor ist nun das Wiener Kuchendenkmal Schauplatz eines starbesetzten Kostümfestes, in dem die soziokulturellpolitische Wirklichkeit längst vergangener Tage melodramatisch angedickt wird. Wieder dabei: Josefine Preuß als Josefine Preuß nebst Kulissen als Inhaltssurrogat.

Und während am Mittwoch die Fortsetzung läuft, zeigt das Erste den dritten Teil der Schnitzel-Reihe mit Armin Rohde und Ludger Pistor als Unterschichtenclowns mit waghalsigen Plänen zum sozialen Aufstieg. Witzig, ohne albern zu sein. Wie immer. Und damit ist aber auch Schluss mit lustig, für mindestens vier Jahre, so scheint es. Am Freitag nämlich, ab 17.15 Uhr in der ARD, wird Donald Trump feierlich als 45. US-Präsident vereidigt. Und damit wir auch wirklich verstehen, was die Welt zu erwarten hat, zeigt Arte drei Tage zuvor einen ganzen Abend lang Dokumentationen rings um dieses eigentlich so großartigen Land und seinen so kleinmütigen Führer in spe, in denen es um die Wahrheit geht, Haftbedingungen oder Trumps pfälzische Wurzeln.

Ein Kontrastprogramm zeigt währenddessen gewissermaßen 3sat: Um 22.25 Uhr gibt es dort die Antrittsrede von Barack Obama vor acht Jahren, gefolgt von der großartigen Doku Broken Land über die Menschen an jenem Grenzzaun, den der Präsident zur Mauer aufstocken will. Und noch so ein Kontrastprogramm, wieder Arte, die grandiose Feier eines der wichtigsten Pop-Alben aller Zeiten: Pet Sounds. Zum 50. Geburtstag im Vorjahr erzählen die verantwortlichen Beach Boys, wie es 1966 zu diesem Meilenstein der Musik kam. Und was könnte die Wiederholungen der Woche adäquater einleiten als die Rückkehr der Bundesliga am Freitag mit der Live-Übertragung vom Auftaktspiel, das wie immer in der ARD mit Bayern-Beteiligung erfolgt. In Schwarzweiß, unerlässlich, sobald es läuft: Casablanca (Sonntag, 20.15 Uhr, Disney) mit Humphrey Bogart als ewiger Rick, aber ohne „spiel’s noch einmal Sam“, was im Klassiker von 1942 niemand je sagt, echt nicht.

Farbig, aber doch tiefbraun ist das legendäre ARD-Kammerspiel Die Wannsee-Konferenz, in der das Deutsche Reich unter Führung des diabolischen Obersturmbannführers Reinhard Heydrich (Dietrich Mattausch) den Holocaust organisiert hat (Freitag, 21 Uhr, Alpha). Da fällt es nicht leicht, auf leichtere Kost wie den Tatort-Tipp zu verweisen, aber das Leben muss ja weitergehen: Montag um 20.15 Uhr wiederholt der RBB den frühen Furtwängler-Fall Hexentanz von 2003, in dem ein vermeintlicher Mörder gleich nach seiner Haftentlassung ermordet wird.

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