Adam Bousdoukos: Fatih Akin & Dimi Schulze

bousdoukosIch liebe mein Viertel

Cineasten und Hanseaten kennen Adam Bousdoukos aus fast jedem Film seines Schulfreundes Fatih Akin. Ab Donnerstag spielt der Deutsch-Grieche aus Hamburg-Altona mit dem Mannheimer Anwalt Dimitrios Schulze im Ersten eher kleine Provinz als großes Kino. Ein Gespräch über seine norddeutsche Herkunft, glaubhafte Kiezfiguren, Umwege ins Schauspiel und was bei der Lindenstraße an Gegen die Wand erinnert.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Bousdoukos, kennen Sie noch Liebling Kreuzberg?

Adam Bousdoukos: Natürlich, Manfred Krug, Legende.

Steht ihr Brennpunkt-Anwalt Dimitrios Schulze dem unkonventionellen, aber betulichen Kleine-Leute-Anwalt aus Berlin näher oder dessen irrer US-Variante Saul Goodman aus Breaking Bad?

Ach, mit beiden ein bisschen. Beide sind in ihrem Viertel verwurzelt, beide bemühen sich um die, die sich eigentlich gar keinen Verteidiger leisten können. Und obwohl Dimi Schulze wie Saul Goodman einen Fernsehwerbespot dreht…

In dem Sie selber rappen.

Genau, getextet von Eko Fresh. Trotzdem steckt mehr Kreuzberg als Albuquerque in Mannheim Jungbusch. Mein Anwalt ist ja nicht selber kriminell und sein Kiez weniger krass als in Breaking Bad. Auch wenn Dimi ab und zu ein bisschen zum Wohl seiner Klienten trickst, hat er ein reineres Herz am rechteren Fleck.

Diese Kiezfiguren mit Herz, aber falschen Freunden spielen Sie häufiger oder?

Ja. Vermutlich, weil ich selbst so eine bin. Ich liebe meine Stadt, ich liebe mein Viertel, ich mag es, wenn jeder jeden kennt wie in meinem Hamburger Dorf namens Altona. Und weil ich diese Verbundenheit zu meinem Kiez offenbar ausstrahle, kommen entsprechende Figuren öfter auf mich zu.

Hat das auch damit zu tun, dass Sie ohne Schauspielschule quer ins Filmgeschäft eingestiegen sind?

Bestimmt sogar. Wer wie ich nicht klassisch ausgebildet ist, spielt wahrscheinlich instinktiver, sucht die Rollen also noch mehr in sich selbst. Das tun gelernte Schauspieler zwar auch, und es ist auch überhaupt nicht wertend gemeint. Aber weil ich all die Theatercharaktere nie einstudiert und verkörpert habe, schöpfe ich stärker aus mir selbst und meiner Erfahrung.

Wollten Sie denn überhaupt Schauspieler werden?

Und wie! Das war schon als Kind mein Traum. Kein Ahnung, woher das kam bei drei Programmen im Fernsehen. Aber ich wollte immer einer wie Belmondo sein, Steve McQueen oder Louis de Funès, von dem ich mein Lust auf Komödie habe. Ich kann mich noch an mein erstes Mal im Kino erinnern, das Spiegel-Kino in Ottensen, wo heute übrigens eine Bank drin ist, ausgerechnet. Meine großen Brüder haben mich in Die Feuerreiter mitgenommen, so ein japanischer Trash-Film. Ich musste zwar nach fünf Minuten wieder raus, weil es mir zu krass war, aber meine Liebe zum Medium hat sich an dem Tag bis heute eingebrannt. Seither wollte ich nichts anderes mehr machen als das.

Trotzdem sind Sie nur über Umwege hineingeraten?

Ach, im Grunde stand die Schauspielerei fest, seit ich mit Fatih Akin in derselben Schulklasse war. Als totale Filmfreaks haben wir uns schon am Gymnasium Videokameras ausgeliehen, um Szenen nachzuspielen. Nach dem Abi ging es dann eigentlich mit Kurz und Schmerzlos gleich los. Zwischendurch hab ich zwar Sozialpädagogik studiert, Physiotherapie gemacht, eine Bar gehabt, aus der ein Restaurant wurde, aber eben auch frühzeitig Schauspielkurse genommen. Im Grunde war ich mein Leben lang Schauspieler.

Und darin bei jedem Film des international angesehensten deutschen Regisseurs dabei?

Wie andere auch, Pheline Roggan zum Beispiel, Fatihs Bruder Cem.

Birol Ünel, Catrin Striebeck…

Wir sind halt eine große Familie. Aber bei mir waren es manchmal doch eher Auftritte als echte Rollen. Ich bin da so eine Art Maskottchen.

Ob Maskottchen oder Hauptrolle – sie spielen generell oft griechischstämmige Migranten in zweiter, dritter Generation wie Dimi Schulze. Ist Ihnen dieses Profil zu eng?

Manchmal schon, aber ich finde es auch nicht schlimm. Ich bin ja Grieche, das sieht man mir sogar an, ich kann die Sprache, weshalb ich auch schon in Griechenland oder Zypern gedreht habe. Wenn der Bedarf besteht und die Leute mich so sehen wollen – warum nicht. Andererseits hab ich schon genug Rollen gespielt, in denen die Wurzeln Nebensache sind. Und mein Dimi Schulze, das sagt ja schon sein Nachname, ist auch halb Deutscher.

So, wie alle Hauptfiguren bis tief in Polizei und Justiz hinein Migrationshintergründe haben, aber gut integriert sind.

Schön oder?

Ist das Teil des Konzepts?

Ich denke schon, auch das ist neu daran. Ansonsten spielen Ausländer immer Kriminelle, die von deutschen Cops gefasst werden. Wäre doch toll, wenn wir das demnächst mal umdrehen.

Womit sich die Frage kaum verhindern lässt, wann Sie wieder mit Fatih Akin drehen…

Hab ich gerade, in Aus dem Nichts mit Diane Kruger in der Hauptrolle. Aber wie vorhin erwähnt: auch da hat er mich am letzten Tag angerufen und gefragt, ob ich Bock hätte einen Knastbruder im Gefängnis zu spielen.

Und?

Ich hab „Ja, Mann“, gesagt, „bin dabei“. Auch das macht man mit großer Leidenschaft, aber eher so nebenbei.

Dimi Schulze hingegen könnte was Längerfristiges werden.

Hätte ich nix gegen. Als ich das erstemal davon gehört habe, war ich wirklich gerührt. Und ich kenne Serie ja auch schon ein bisschen.

Sie haben schließlich eine Weile lang in der Lindenstraße mitgespielt.

Damals hatte ich Der letzte Bulle in Köln gedreht und die Lindenstraße einfach mal mitgenommen. Am Ende war es aber eine großartige Erfahrung. Ganz anderes Arbeiten, schneller vor allem als bei Filmen, die Szenen ratzfatz hintereinander weg ohne viel Umbau, weil Licht und Kulisse längst stehen. Und dann hab ich tolle Leute kennengelernt, wie Hermes…

Hodolidis, den Vasily Sarikakis aus dem griechischen Restaurant.

Mit dem ich seither dick befreundet bin. Darin ähnelt die Lindenstraße der Arbeit mit Fatih. Auch das ist ja eine große Familie. Und es hat Riesenspaß gemacht, da kurz aufgenommen zu werden.

 

INFO Adam Bousdoukos

Geboren in 1974 in Hamburg, kommt Adam Bouskoudos durch seinen Schulfreund Fatih Akin zum Film. Gleich nach dem Abitur beginnen beide am gemeinsamen Durchbruch zu arbeiten: dem Gangstedrama Kurz und Schmerzlos von 1998. Seither spielte der Deutsch-Grieche in fast jedem Werk des international geachteten Regisseurs mit, bevor er in Soul Kitchen 2009 nicht nur die Hauptrolle übernimmt, sondern auch das Drehbuch schreibt. Neben diversen Fernsehnebenrollen gehörte Bousdoukos vor zwei Jahren kurz zum Ensemble der Lindenstraße. Er lebt wie eh und je in Hamburg-Altona.

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