Matthias Matschke: Winnetou & Professor T.

team-102-1920x1080Ich liebe es, lustig zu sein

Dass Matthias Matschke vor allem als Komiker wahrgenommen wird, liegt an seiner Qualität. Zugleich nämlich ist kaum ein Schauspieler so vielseitig wie der 48-jährige Marburger. Mit Professor T. ist nun ein zwanghaftes Genie hinzugekommen, das am Samstag (21.45 Uhr, ZDF) den zweiten Auftritt hat. Ein Gespräch über die Wissenschaftler seiner eigenen Studienzeit, den Karrierefaktor Haare und schmeichelhafte Vergleiche mit Steve Buscemi.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Matthias Matschke, haben Sie selber je an einer ordentlichen Universität studiert?

Matthias Mattschke: Das habe ich. Germanistik und Theologie. Und natürlich Schauspiel an der Universität der Künste Berlin.

Und ist Ihnen dabei je ein brillanter Soziopath wie Professor T. begegnet?

Nein, aber der Berufsstand hat eine Menge Potenzial, brillante Soziopathie hervorzurufen. Die Uni habe ich ebenso wie meine Schauspielschule als ökologische Nische erlebt, einen Lebensraum verschiedenster Vogelarten, deren verschrobene Eitelkeit der des Professor T. nicht wesensfremd ist. Die Lust, jeder Absurdität des eigenen Fachbereichs auf den Grund zu gehen, produziert Seltsamkeiten.

Hatten Sie demnach ein reales Vorbild für Ihren Professor?

Das nicht. Meine Vorbilder sind ganz andere, teilweise anorganisch. Aber ich werde Ihnen nicht verraten, welche das sind.

Also war die Figur im Buch vorgegeben oder entstammt sie Ihrem Bauch?

Letzteres. Drehbücher geben generell eher sachdienliche Hinweise, weshalb man als Schauspieler bei der konkreten Ausgestaltung komplett auf sich zurückgeworfen wird. Es gab ein belgisches Original, in das ich mal reingeschaut habe. Und Koen De Bouw macht das super. Aber es hat mich ungemein beruhigt, dass ich den überhaupt nicht als Vorbild nehmen muss. Ich habe im Rahmen seiner Schmutzphobie und einer früheren Beziehung zur ermittelnden Kriminalkommissarin alles an ihm neu erfunden. Im Grunde kann man auch gar nicht anders, als frei zu interpretieren. Sobald man eine Figur an sich heranzieht, ist man als Person für sie verantwortlich.

Im Drehbuch stand also nicht, dass Professor T. ständig wie eingefroren in die Gegend starrt?

Nein, da stehen Worte. Und selbst die sind tot, bevor man sie gesprochen hat. Es stand also nirgends, dass er ins Leere starrt. Aber es ergibt sich fast von alleine, wenn Professor T. vor seinem inneren Auge in die Ferne schweift, wo die Antwort auf die Frage steht. Da ist das Erstarren der richtige Darstellungsweg. Andererseits tickt in ihm ständig eine Zeitbombe, die dank einer kontrollsüchtigen Mutter nur durch äußerste Selbstdisziplin nie hochgeht.

Kann es sein, dass Ihre Figuren öfters gekennzeichnet sind von diesem schmalen Grat zwischen Stoizismus und Cholerik?

Das kann sogar sehr gut sein. Dieser Grenzgang liegt mir. Immer unter der Voraussetzung, selber darüber entscheiden zu können, in welche Richtung es kippt. Ich sehe das allerdings dialektisch: Beide Seiten stecken in jedem Charakter, und je enger sie aneinander liegen, desto interessanter ist es, sie zu spielen.

Empfinden Sie Rollen wie diese hier, aber auch Uwe Barschel oder den NS-Verbrecher Heinrich Ross in Das Zeugenhaus demnach als Geschenk, das auch zu dürfen?

Ja, aber nicht nur die. Auch Hagen Pastewka war ein Geschenk. Ich empfinde eine tiefe Leidenschaft für Figuren, die zugleich verloren und getrieben sind.

Interessanterweise dürfen sie diese Gratwanderung als einer der wenigen hierzulande in fast jedem Genre spielen – ganz gleich ob Drama, Komödie, Blockbuster, Krimi.

Toll, oder?

Mussten Sie sich jemals mühevoll aus einer Schublade befreien?

Schauspieler sind der Wahrnehmung von außen extremer ausgeliefert als die meisten anderen Berufe, das muss man akzeptieren oder man scheitert. Von daher ist es meine Aufgabe, den Leuten ihre Voreingenommenheit bezüglich meiner Rollenauswahl zu nehmen. Eine gewisse Eigenständigkeit ist da unerlässlich.

Und haben Sie sich die offensiv erarbeitet?

Das musste ich gar nicht. Mein nächster Karriereschritt war bislang zum Glück immer auch der, der mir Freude bereitet hat, nicht der, den ich gehen musste, um bestimmte Bilder von mir zu ändern. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass mir Menschen an den wichtigen Hebeln das zutrauen. Wandlungsfähigkeit bedarf zwingend guter Caster mit professionellem Abstraktionsvermögen, die sich meine Person zum Beispiel als Uwe Barschel vorstellen konnten.

Wissen Sie, woran es aus Sicht der Süddeutschen Zeitung unter anderem liegt, dass sie so verschiedene Rollen glaubhaft machen können?

Da bin ich jetzt ja gespannt.

An Ihrem Haar.

(lacht) Wobei das eine Perücke war… Aber wissen Sie, wann ich die noch mal tragen durfte?

Da bin jetzt ich mal gespannt.

Bei Winnetou auf RTL. Schon deshalb glaube ich, dass solche Details nicht über die Rollenwahl entscheiden.

Gibt es dennoch welche, die Ihrer Karriere Vorschub geleistet haben?

Irgendjemand hat geschrieben, ich sei der deutsche Steve Buscemi. Ich weiß aber nicht, ob das 1998 als Kompliment gemeint war.

Damals waren Sie eher am Theater als im Film präsent. Sind sie vom Humor zum Ernst gekommen oder umgekehrt?

Es gab an der Schauspielschule früh das Bedürfnis, auch die ernste Seite meines Berufes auszuloten. Andererseits höre ich mich immer noch den Satz des letzten Ausbildungsjahrs sagen: Ich bin Komiker. Zum einen, um nicht in diese Selbstgerechtigkeit des Dramatikers zu verfallen, mit 23 durchs Theater die Welt verändern zu können. Zum anderen, weil ich mich an die Verzückung bei Sendungen wie Väter der Klamotte oder Dick und Doof erinnert habe, über die ich mich als Kind herrlich unkontrolliert amüsieren konnte. Ich liebe es, lustig zu sein, das ist bei allem Ernst die Antriebsfeder meines Lebens. Und ich hoffe, man findet auch in meinem Professor T. die Momente des Humors.

Haben Sie ihr Germanistik-Studium seinerzeit eigentlich beendet?

Nein, da musste ich mich fürs Schauspiel entscheiden. Beides geht nicht.

Und – jemals bereut, diese Entscheidung?

Nein. Zumal ich die akademische Laufbahn jetzt gerade nachhole. Erst als Professor Spengler bei Winnetou, jetzt als Professor T. im ZDF. Ich bin da sozusagen spätberufen.

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One Comment on “Matthias Matschke: Winnetou & Professor T.”

  1. Franziska Lutz says:

    Leider stimmt die Uhrzeit nicht. Professor T kommt samstags um 21:45 Uhr im ZDF 🙂
    Einschalten lohnt sich!


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