Umstrittene News & Münchner Migra

Die Gebrauchtwoche

6. – 12. März

Es war kein schlechter Witz von Joko & Claas, dem galadusseligen ZDF ein – noch nicht mal allzu ähnliches – Double von Ryan Gosling auf die Fernsehbühne zu schmuggeln, für den die Funke-Mediengruppe eigens eine Goldene Kamera namens La La Land erfunden hatte, damit der reale Auftritt des falschen Stars nach mehr aussah als Prominenz um der Prominenz Willen. Nichtsdestotrotz wirkt es leicht doppelzüngig, wenn ausgerechnet der promisüchtige Plastikkanal Pro7 die öffentlich-rechtliche Konkurrenz mit deren Promisucht aufzieht – zumal in Zeiten, wo man Fake-News bei seriösen Medien nicht auch noch inszenieren sollte. Schon, um denen Fans der unseriösen keinen Zucker zu geben.

Wie zum Beweis hat Facebook begonnen, falsche Posts als „umstrittene Nachrichten“ zu kennzeichnen. Was löblich klingt, wurde aber gleich mal ins Gegenteil verkehrt: Als das Landgericht Würzburg eine einstweilige Verfügung gegen die kalifornische Datenkrake ablehnte, das zum Terroristen verfremdete Bild eines arglosen Flüchtlings mit Kanzlerin zu löschen, log Facebook, man habe ja keine „Wundermaschine“, um falsch von richtig zu unterscheiden. Noch so eine Fake News, die der Konzern kaum löschen dürfte.

Wahrhaftiger sind da die Grimme-Preisträger 2017. Allen voran Ashwin Raman für zwei Dokumentationen zum Thema Islamismus. Außerdem Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale natürlich. Dazu die herausragende NSU-Trilogie Mitten in Deutschland. Aber auch die Online-Serie Wishlist des öffentlich-rechtlichen Jugendablegers Funk, wobei unklar ist, ob das Format oder doch das Prinzip ausgezeichnet wird, mit dem sich das analoge Fernsehen auf einem Feld neu zu erfinden versucht, wo bislang Streamingdienste wie Netflix oder Amazon das Sagen haben.

Die Frischwoche

13. – 19. März

Letzterer so laut, dass die erste deutsche Eigenproduktion Your Are Wanted mit von, um, über, durch Matthias Schweighöfer am Mittwoch mit Rotem Teppich vorm Berliner Waldorf Astoria präsentiert wird, bevor die Cyberkriminalitätsserie – eine Art Lola rennt! des digitalen Zeitalters – zwei Tage später ins Netz geht. Zwischendurch jedoch geht das alte Medium mal wieder kriminalistisch in Reihe, was allerdings öder klingt als es letztlich ist. Kommissar Pascha unterscheidet sich klar von anderen Krimis auf Plätzen wie dem ARD-Donnerstag.

Verantwortlich dafür ist Tim Zeyfi, dessen Chef einer „Migra“ genannten Einheit Ermittler im Münchner Milieu weder seine türkischen noch bayrischen Wurzeln ins Lächerliche zieht. Der Ehrenmord zum Auftakt inszeniert Täter wie Opfer mal nicht delinquent, verwahrlost, islamistisch oder alles in einem; die handelnden Einwanderer und ihre Kinder sind integrierte Mitglieder der multikulturellen Gesellschaft, machen darin aber dennoch manchmal Mist. Geben wir dem zweiten Teil also eine Chance, es doch noch ein bisschen besser zu machen als der erste.

Sein Niveau zu halten, würde Christian Rach als Restauranttester in der heutigen Neuauflage des Formats ab 21.15 Uhr locker reichen, um sich vom blödsinnigen Rest auf RTL qualitativ abzusetzen. Der ARD-Freitagsfilm Ich will (k)ein Kind von dir hat zwar einen noch blöderen Titel als Kommissar Pascha, dreht die Suche nach Familienidylle mit Franziska Weisz als wunschlos glückliche Karrierefrau, deren Mann (Felix Klare) unter Vernachlässigung eigener Berufspläne um Nachwuchs kämpft, aber auf angenehm unaufdringliche Art um.

Name und Inhalt gelungen gilt für den BBC-Zehnteiler The Coroner, der ab Freitag (21.45 Uhr) in fünf Doppelfolgen auf ZDFneo die Serienlegende Six Feet Under unter Krimiaspekten wiederbelebt. Und nachdem hier kurz das Finale der Wintersportsaison gefeiert wird, die am Sonntag letztmals acht Stunden lang das ARD-Programm verstopft, widmen wir uns vor den Wiederholungen der Woche der Musik: Mittwoch um 21.05 Uhr treten die Kölner Folkpop-Superstars AnnenMayKantereit mit K.I.Z. und Bilderbuch bei One auf, zwei Tage später gibt es auf Arte (21.45 Uhr) das grandiose Zappa-Porträt Zapped, erzählt in den eigenen Worten des Jazzrockgiganten. Und direkt im Anschluss zeigt der Kulturkanal ein (Skandal-)Konzert der Elektrotrashqueen Peaches von 2015 in Paris.

Gut 40 Jahre älter, aber unübertroffen zeitlos ist Das fliegende Klassenzimmer (Montag, 20.15 Uhr, MDR) mit Joachim Fuchsberger als Studienrat Bökh. Weitere vier Jahre betagter ist Jacques Derays Filmklassiker Swimming Pool, dem François Ozon 2003 ein famoses Remake mit Charlotte Rampling, Charles Dance und Ludivine Sagnier verpasst hat, das 3sat morgen um 20.15 Uhr zeigt. Noch schwarzweiß war das Krimidrama Mord im Fahrpreis inbegriffen (Mittwoch, 20.15 Uhr, Arte) von 1965 mit Yves Montand als Inspektor, der im Nachtzug einen Mörder jagt. Und um einen Mord der perfidesten Art handelt es sich beim Tatort-Tipp Franziska am selben Tag (22 Uhr, SWR), in dem Tessa Mittelstaedt als Assistentin der Kölner Kommissare 2014 einen unvergesslichen Abgang bekam.

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