Claus Theo Gärtner: Matula & ein Fall für einen

Ich kann nicht lang stillsitzen

Als Josef Matula 2013 die Lederjacke an den Haken hing, ging angeblich endgültig ein TV-Relikt in Rente. Vier Jahre später zieht Claus Theo Gärtner sie allerdings wieder an – für ein Special mit Fortsetzungsgarantie (Freitag, 20.15 Uhr, ZDF). Ein Gespräch über Fernsehrebellen, Stunts im Alter und Matulas Nachfolger bei Ein Fall für zwei.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Herr, Matula, Verzeihung, Herr Gärtner…

Claus Theo Gärtner: (lacht) Ach, da gewöhnt man sich dran.

Wissen Sie noch, wie oft Josef Matula in den ersten 300 Folgen von Ein Fall für zwei verprügelt wurde?

Die genaue Zahl weiß ich nicht, aber es waren einige Male.

Im Schnitt mehr als jede zweite Folge einmal. Nach vier Jahren Ruhestand ist es jetzt gleich dreimal in einer Episode. Lassen Sie es im gehobenen Alter nun erst recht krachen?

Absolut und ganz bewusst. Matula kämpft sich schließlich aus seiner falschen Existenz als Kaufhausdetektiv zurück ins richtige Leben.

Haben Sie wie früher alle Stunts selbstgemacht?

Bis auf einen ja, als ich an einem Container in der Luft hin, aber das hatte er juristische Gründe; bei dem Verletzungsrisiko macht ja keine Versicherungsgründe mit. Aber wenn man mich gefragt hätte, hätte ich auch das gemacht.

Aber wann droht das denn endgültig unglaubwürdig zu werden?

In dem Moment, wo sie gebrechlicher wird und man die Körperlichkeit türken muss. Ich sage den Autoren manchmal, Leute, da muss es eine intelligentere Lösung geben, als dass Matula gleich jemanden auf die Nase haut. Der Matula von heute ist allerdings auch ein wenig weiser geworden. Als er sich an einer Stelle überlegt, ob er durch das runterfahrende Rolltor springt, lässt er es lieber bleiben. Früher wäre er gesprungen.

Da schließt sich die Frage an, warum Sie sich das eigentlich noch immer zumuten?

Weil ich es mir zutraue. Und weil das ZDF gefragt hat. Als mich der Programmdirektor zum 70. Geburtstag angerufen hat, meinte er, ob ich nicht Lust hätte weiterzumachen. Worauf ich zurückfragte, ob er ein gutes Drehbuch hat.

Und er hatte?

Er hatte – und da bin ich! Es hat zwar beim Drehen einmal ordentlich gezwickt im Rücken, da ging was auf die Bandscheibe. Man hört das sogar im Film: als ich Ulrike Krumbiegel in einer Szene aus dem Wasser holen musste, hat es kurz mal Knack gemacht. Das war aber nach zehn Minuten wieder in Ordnung.

Sehen Sie selber eigentlich gern Krimis wie den Ihren?

Hin und wieder, aber Fernsehen ist für mich eher ein Informationsmedium, nicht so sehr ein Unterhaltungsmedium. Wenn ich was sehe, dann vor allem wegen bestimmter Kollegen. Ich sehe zum Beispiel den Jan Fedder sehr gern.

Und was halten Sie von Ihren Nachfolgern im Fall für zwei, Antoine Monot Jr. und Wanja Mues?

Die machen das großartig, ich finde auch die Art und Weise, wie so was heutzutage geschnitten wird, richtig cool. Aber das macht es letztlich auch zum anderen Format als zum gleichen mit anderer Besetzung. Außerdem haben wir seit den Zeiten von Günther Strack immer den Unschuldigen aus Knast geholt. Hier läuft doch vieles anders.

Aber einmal immerhin mit Ihnen als Gast.

Na ja, als Eye-Catcher. Bevor Sie sich einmal die Nase geschnäuzt hätten, war ich schon wieder aus dem Bild. Und da wurde mir abermals klar, was sich schon Jahre zuvor in einem Film über Helmut Kohl angedeutet hatte: Als ich damals den Heiner Geißler spielen durfte, fragte die Frankfurter Allgemeine: „Was macht Matula in der Pfalz?“ Ich war offenbar so verbrannt für andere Rollen, dass ich damals den Entschluss fasste, mit der 300. Folge Schluss und was anderes zu machen als Matula.

Aber was fasziniert das Publikum denn bis heute so sehr an diesem unkonventionellen Ermittlertypus, der das Recht im Zweifel zum Wohle des Rechts beugt?

Matula ist letztlich eine Kunstfigur, die sich fast alles leisten kann. Aber ich glaube, viele wären gern so wie er – ein bisschen antiautoritär, ein bisschen flippiger, ein bisschen unangepasster als man es sich meistens leisten kann.

Könnte das an einer unterbewussten Rebellion gegen deutschen Bürokratismus liegen.

Sehr reizvolle Idee, oder?

Das passt zu ihrer eigenen Rebellenzeit.

Als 68er sowieso. Auch wenn es am Ende ein Stück erdachtes Papier ist, steckt deshalb noch immer viel von mir selber im Matula. Er spricht wie ich die Sprache der Straße und stellt sich auch keinen Rotwein in den Kühlschrank.

Sind sie selber ein Haudegen?

Schon, aber nicht in dem Maße natürlich. Wenn ich die Lederjacke ausziehe, bin ich wieder Claus Theo Gärtner.

Der sich mit fast 74 Jahren ja langsam mal den wohlverdienten Ruhestand gönnen dürfte oder?

Aber da würde ich vor Langeweile doch eingehen… Ich hoffe natürlich schon, irgendwann zu der Erkenntnis zu kommen, jetzt ist aber auch mal wirklich gut. Andererseits kann ich eben nicht allzu lange stillsitzen und habe nach wie vor sehr großen Spaß daran, unterwegs zu sein. Deshalb muss ich entweder reisen oder arbeiten.

Zum Beispiel am Theater in Basel, für das Ihre Frau Drehbücher schreibt?

Könnte sein. Sie hat grad wieder ein Stück fertig, dessen Hauptdarsteller abgesprungen ist. Da hat sie mich gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könnte. Bei ihrer vorherigen Inszenierung war ich schlicht zu faul, so viel Text in so kurzer Zeit zu lernen; ich hab ja nicht aufgehört, um mich dann wieder zu quälen. Diesmal würde ich mitmachen, hab aber ausgerechnet am Tag der ersten Probe auch den ersten Drehtag für den nächsten Matula.

Mit der Zielsetzung, dass es darin weitergehen wird?

Ja. Das nächste Drehbuch ist in Arbeit, die Motiv-Hunter sind im Allgäu und in Südtirol unterwegs, es geht weiter. Matula wird zum reisenden Detektiv.

Das Interview ist zuvor in ähnlicher Form bei DWDL erschienen
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2 Comments on “Claus Theo Gärtner: Matula & ein Fall für einen”

  1. lv201080 says:

    An Karfreitag schalte ich auf jeden Fall mal rein. Kommt ja sonst nicht viel im TV…


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