Käptn Peng, San Cisco, Kasabian

Käptn Peng

Ach, Robert – HipHop war vor dir ein anderer und wird seither nie mehr ganz der gleiche sein. Wenn du auf deiner neuen Platte Neue Freunde mit “ihr seid hipsterdissende Hipster / die Hipster dissen” begrüßt und weiter rappst, “doch Hipster dissen ist nicht hip / solange alle Hipster Hipster dissen”, dann fragt man sich, ob Sprechgesang vorher überhaupt existiert hat oder einfach nur von Sprechern vorgetragen wurde, die halt nicht singen können. Wer Das nullte Kapitel von Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi hört, kommt irgendwie nicht umhin, zu sagen: völlig egal, was vorher, was nachher war. Diese Art von HipHop ist einfach so derartig zum Niederknien grandios, dass sich Vergleiche mit irgendwas von selbst verbieten.

Gut, Langspielplatte Nr. 3 reicht nicht ganz ans Debüt Expedition ins O vor vier Jahren heran, dessen Mix aus analogem Freejazzfunk und dem Philosophieklamauk des Schauspielers, Schriftstellers, Tunichguts und Tausendsassas Robert Gwisdek wie ein Poesiekomet ins Genre krachte. Aber auch die 15 frischen Tracks tarieren es mit vorwiegend kryptischer, sehr schön fließender Lyrik neu aus. Textlich, aber auch stimmlich. Meister und Idiot zum Beispiel ist eine Art Sprechgesangsscratching, Wobwobwob eine Art Sprechgesangsdubstep, π eine Art Sprechgesangsproseminar Mathematik. Stets loten die aberwitzigen Wortkaskaden überm klassischen Bandequipment die Grenzen des Machbaren im HipHop aus und sind dabei fast immer zum Brüllen komisch. Ach, Robert – werd’ bitte nie erwachsen oder sonstwie abgebrüht!

Käptn Peng – Das nullte Kapitel (Kreismusik)

San Cisco

Ach, die Leichtigkeit des Seins am steilen Abgrund der Weltpolitik, dem wir uns gerade allerorten zügigen Schrittes nähern – als kritisches Bildungsbürgergewächs möchte man einfach mal niederknien vor der Naivität einer Band wie San Cisco, den Irrsinn um uns herum mit munterem Trashpop einfach so runterzuspülen wie ein kaltes Getränk am sommerlichen Surfstrand. Gut, vielleicht wirkt die bittere Realität weitab vom sonnig-fernen Australien ein bisschen abstrakter als in den Augen des Sturms von Washington über Paris bis Ankara.

Doch als trieben Josh, Scarlett, Jordi und Nick aus dem freiheitsduftenden Hafenkaff Fremantle den Missmut fern der Heimat vor sich her, durchbricht ihr drittes Album The Water gleich zum Auftakt mit geslappter Gitarre zu irrlichternden Keyboards alle Absperrungen und proklamiert, Erwartungen mal nicht entsprechen zu wollen, denn Kids, so heißt es im ersten Stück, Are Cool. Punkt. Das ist nicht tiefschürfend, es ist schon gar nicht klug, womöglich ist es sogar ein bisschen ignorant. Vor allem aber ist es in seiner discotauglichen Lebenslust ein prima Ventil, das Licht am Ende des Tunnels doch nicht für einen herannahenden Zug zu halten. Für 30 Minuten wirkt das wirklich erholsam.

San Cisco – The Water (Embassy of Music)

Kasabian

Wer Britpop sagt, muss auch … nein – aus Sicht vieler nicht unbedingt Kasabian sagen. Seit ihrem Debüt vor 13 Jahren stand zwar jede der vier Platten ewig auf Platz 1 der englischen Charts und nicht nur deshalb in mancher Liste der besten 100 Platten ever. Trotzdem wird das Werk der vier Schulfreunde aus Leicester meist von jenem artverwandter Bands wie Franz Ferdinand überschattet. Dabei sind Kasabian kreativer, vielschichtiger, mutiger, ergo: besser als vieles, was ihnen als Referenzgröße dient. Nach dem dezidiert digitalen 48:13 zum Beispiel tritt Gitarrist Sergio Pizzorno für For Crying Out Loud nun wieder aus dem Hintergrund zurück an die Bühnenkante.

Dort macht er aus dem rasend erfolgreichen Electroclash von 2014 einen rasend erfolgversprechenden Mix aus Melodyrock der Achtziger und Glampop von heute. Da hallen die Shallalla-Choräle über breit verzerrte Nostalgie-Riffs, dass die Funken nur so sprühen, da peitschen Straßenköterparolen durch profane Liebeslyrik, bis es knallt. Gleich zu Beginn etwa zapppelt ein feingliedriger Funk durch den Hochgeschwindigkeitstrash von Ill Ray, bevor You’re In Love With A Psycho exakt klingt, wie es heißt: nach einer Liaison exzellenten Songwritings mit dem Wahnsinn, dem im Seventies-Revival Comeback Kid noch Bläser untergejubelt werden. Irre. Gut.

Kasabian – For Crying Out Loud (Sony)

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One Comment on “Käptn Peng, San Cisco, Kasabian”

  1. Andi says:

    It’s good to get a fresh way of lonoikg at it.


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