INVSN, Lola Marsh

INVSN

Wer Großes hinter sich lassen will, muss versuchen, noch ein bisschen größer zu wirken. Die schwedische Alternative-Band INVSN versucht sich gleich von einer ganzen Reihe Einflüssen zu emanzipieren: Punk zum Beispiel , dem sie daher ein “Post” vorweg klemmt. Außerdem Stoner, der unüberhörbar eingewirkt hat auf das Kollektiv. Und dann wären da noch die eigenen Wurzeln als Invasion oder Mitglieder des Consciousrock-Komittees The (International) Noise Conspirancy. Zusammengenommen führt all das zu einer Form von Sound, der mit bombastisch noch zaghaft beschrieben wäre. Das Schöne daran? All das voluminöse Pathos stört auch beim zweiten Album unter ihrem Kürzel INVSN gar nicht weiter. Im Gegenteil.

Auf The Beautiful Stories nämlich macht das Quartett um Dennis Lyxzén und Christina Karlsson aus seiner politischen, alternativen, krachigen Vergangenheit das Beste, nämlich sozialkritischen Indierock, der stets bereit ist, mit viel Pop im Repertoire dicke Bretter zu bohren. Im Opener Immer Zu etwa klingen die dann fast wie Industrial, münden aber in eine Art Psychobeat, während I Dreamt Music später wie klassischer New Wave beginnt, dann aber fast Dubstep-Elemente einfügt. Sicher, das alles ist gerade stimmlich besonders dann zu melodramatisch, wenn der weibliche Doppelgesang einsetzt. Aber egal – die Wucht dahinter ist angemessen. Und der Bass zutiefst beeindruckend.

INVSN – The Beautiful Stories (Dine Allone Records)

Lola Marsh

Wie nah sich Bombast und Stille, Orchester und Kammerspiel kommen können, zeigt ein neues Gesicht des Pop, das wie so oft, wenn es aus Israel stammt, auch noch zum Niederknien schön ist: Lola Marsh. Der Name ist eine Art Kollektivpseudonym für Yael Shoshana Cohen und Gil Landau, die nach einer vielbeachteten EP nun ihr Debütalbum veröffentlichen. Es heißt Remember Roses und klingt so wehmütig nach Roadmovie der Sechziger, dass man sich wie im Video zu You’re Mine in einen alten amerikanischen Straßenschlitten wünscht, um gemeinsam in die Wüste aufzubrechen. Verantwortlich dafür ist vor allem Sängerin Yael, deren Stimme irgendwo zwischen Shirley Bassey, Nina Simone und Nancy Sinatra durch den Raum weht: Mal trotzig, mal zerbrechlich, aber stets von einer tiefen Ergriffenheit.

Doch erst im musikalischen Gewand des Multiinstrumentalisten Gil Landau wird das Duo aus dem funkensprühenden Tel Aviv zu dem, was es so besonders macht in diesen Tagen: Eine Ode ans Leben selbst im noch so hoffnungslosen Umfeld. Da flattert dann schon mal ein fröhliches Pfeifen über melodramatische Geigen hinweg, da klimpert die Lagerfeuergitarre verträumt zu großen Streicherarrangements, da ist überall die Lust aufs ganz dicke Brett zum sehr kleinen Gefühl. Indiefolk-Glampop für gute wie schlechte Zeiten. Hach…

Lola Marsh – Remember Roses (Universal)

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