Datenschutz & Cumbersnob

Die Gebrauchtwoche

21. – 27. Mai

Sehen wir’s doch mal pragmatisch: Die Europäische Datenschutzgrundverordnung, nicht grad kurz, aber doch abgekürzt EUDSGVO, ist ein bürokratisches Papiermonster, das seit Tagen alle Medien in Atem hält, um ja keine Persönlichkeitsrechte anzutasten. Mails mit neuen, alten, überarbeiteten Geschäfts- oder Nutzungsbedingungen fluten den digitalen Raum. Es ist ein gigantisches Zeit- und Ressourcenverbrennungsprogramm. Was ihm aber innewohnt, ist die Chance, endlich mal sämtliche Push-Nachrichten und Newsletter abzubestellen, die Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr die Kanäle verstopfen. Betrachten wir die DSGVO also nicht nur als Recht auf informationelle Selbstbestimmung, wie es das Verfassungsgericht vorsieht, sondern ein echter Reinigungsprozess.

Bei Internetgiganten wie Facebook hagelt es seit Freitag jedenfalls schon Beschwerden. Und die bereiten ihren Inhabern wie Mark Zuckerberg gewiss mehr Kopfzerbrechen als die dubiose Fragestunde vorm EU-Parlament. Die war nämlich kein expertenbesetzter Untersuchungsausschuss, sondern ein fraktionsführerbesetztes Schmierentheater, in dem keinerlei Nachfragen erlaubt waren, geschweige denn ein echter Dialog. Gegrillt wurden also allenfalls Rechtstaatlichkeit und Parlamentarismus. Mark Zuckerburg indes kehrte nicht mal leicht angesengt aus Straßburg heim ins Valley.

Wer amtlich gegrillt werden dürfte, ist dagegen der gefallene Harvey Weinstein, dem seit Freitag in New York der Prozess wegen hundertfachen Missbrauchs gemacht wird. Schon jetzt soll es mehrere Film- und Serienprojekte geben, die sich mit dem bislang spektakulärsten Fall der anhalten #MeToo-Debatte befassen. Ob Netflix darunter ist, das mit Barack & Michelle Obama gerade ein umfangreiches, hochdotiertes Kooperationsprojekt beschlossen hat, bleibt bislang im Dunkeln. Aber auch Amazon wäre ein Kandidat. Und Sky.

Die Frischwoche

28. Mai – 3. Juni

Dort startet Dienstag aber zunächst mal ein Fünfteiler, dessen Hauptdarsteller allein schon für herausragendes Fernsehen bürgt: Bendidict Cumberbatch. In der britischen Romanverfilmung Patrick Melrose spielt er wie zuvor bereits in Sherlock einen exzentrischen Snob mit massivem Drogenproblem – das allerdings nicht bloß Cumberbatchs großes Talent zur darstellerischen Grenzüberschreitung offenlegt, sondern einen Fall von Missbrauch, der demütig macht und stumm, zugleich aber über die Maßen tragikomisch ist. Besser kann Fernsehen schlichtweg nicht sein.

Wie gut es selbst aus Deutschland bisweilen wird, zeigt sich wie jedes Jahr um diese Zeit auf der ARD-Plattform FilmDebüt im Ersten. Den Auftakt der Reihe für Regieneulinge bildet am Dienstag um 22.45 Uhr Peter Stubers grandioses Melodram Herbert, mit dem der kantige Peter Kurth als Ex-Boxer mit ALS einen Geniestreich lebensechter Milieu-Studien liefert. Jonas Rothlaenders Beziehungsdrama Fado im Anspruch zeigt allerdings, mit welch schwierigen Sendezeiten Erstlingswerke im öffentlich-rechtlichen Programm oft zu kämpfen haben. Manchmal allerdings verdient sich selbst leichte Kost ihre Primetime. Zum Beispiel am bedeutsamen ARD-Mittwoch.

Im Gegenwartswestern 13 Uhr mittags zeigt Jörg Schüttauf als norddeutscher Gary Cooper, dass sich Hollywood-Historie durchaus auf die hiesige Küstenregion übertragen lässt. Sein Einsatz als stinkfeiger Landpolizist, der bei jeder sich Gelegenheit vorm Showdown mit einer leidlich fiesen Verbrechergang zu fliehen versucht, ist wirklich sehenswert. Und auch der Tatort ist dieses Mal am Sonntag um 20.15 Uhr bestens aufgehoben. In Freies Land kriegt es das Münchner Odd-Couple Batic/Leitmayr mit einem Mord im Umfeld der Reichsbürger-Bewegung zu tun, die hier als Rudel staubbedeckter, selbstgerechter, durchgeknallter Waldschrate dargestellt wird – was sie größtenteils ja auch sind.

Mit denen hätte einst auch Kommissar Stoever sein Vergnügen gehabt. Dessen Darsteller Manfred Krug widmet ZDF-Info heute um 20.15 Uhr ein sehr schönes Porträt. Ein Tatort jüngeren Datums, der kaum drei Jahre nach seiner Erstausstrahlung schon legendär ist, leitet hiermit die Wiederholungen der Woche ein: In Das Haus am Ende der Straße (Dienstag, 22 Uhr, NDR) verabschiedete sich Joachim Król 2015 per furiosem Rededuell mit Armin Rohde von seinem Frankfurter Morddezernat und wanderte am Ende in die untergehende Sonne der Frühverrentung. Wahnsinn! Gespenstisch hingegen sind drei Gruselfilme, mit denen ZDFneo den Samstagabend füllt.

Den Auftakt macht um 20.15 Uhr Nick Murphys Geisterparabel The Awakening (2011), gefolgt von den weniger subtilen, doch unverwüstlich spannenden Carpenter-Klassikern Das Ding und Halloween. Ganz ohne Mystik kommt am Sonntag um 20.15 Uhr Arte das oscarprämierte Scheidungsdrama Kramer gegen Kramer von 1978 mit Dustin Hoffman vs. Meryl Streep aus. Und heute um 22.30 Uhr beschließt das italienische Meisterwerk Fahrraddiebe um einen Plakatkleber, der sich durchs schwarzweiße Nachkriegsjahr 1948 wurschtelt, die Wiederholungen.

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