Danger Dan, Moffat & Hubbert, McGowan

Danger Dan

Wenn man auf der richtigen Seite steht, also bei den Guten, den Klugen, den Reflektierten, dann darf man auch schon mal Blödsinn verzapfen. Kraftklub zum Beispiel haben der Ex eines Mitglieds auf ihrer letzten Platte kürzlich als “verdammte Hure” zur Hölle gewünscht, was von, sagen wir, fast jeder anderen Band schwer verachtenswert gewesen wäre. Jetzt haut der Berliner Conscious-Rapper Danger Dan auf seiner Solo-Platte erst jemandem aufs Maul (womöglich sich selbst) und glorifiziert danach (ein bisschen) Heroin – aber hey, wer mit der Antilopen Gang zuvor den deutschen HipHop gerettet hat und damit ein bisschen uns alle, der darf das.

Zumal der multiinstrumentell begabte Grenzgänger auch sonst ein Album von hinreißender Polarisationslyrik hingelegt hat, das dem Genre einen wirklich wunderbaren Crossover-Pop verpasst und uns allen dabei lebenslustig, aber durchaus ernst in die zivilisationsmüden Seelen blickt. Es heißt daher nicht umsonst Reflexionen aus dem beschönigten Leben. Ach, klänge klassenbewusster Rap doch immer so fröhlich verkopft, so sachlich enthemmt, so kraftvoll emanzipiert und dabei ulkig. “Es ist uns eine Ehre / mit euch verfeindet zu sein”. Love it!

Danger Dan – Reflexionen aus dem beschönigten Leben (Check Your Head)

Aidan Moffat & RM Hubbert

Was große Erfahrung, noch größere Gelassenheit und grandiose Virtuosität auch aus Stimmen heraus kitzelt, die weder singen noch rappen, sondern einfach so vor sich hin erzählen, belegt eine Band der betagteren Art: Aidan Moffat, allenfalls Nischenkundigen vom Slowcore-Duett Arab Strap bekannt, hat sich mit seinem schottischen Landsmann RM Hubbert zusammengetan, der zumindest daheim in Glasgow als einer der besten Indierock-Gitarristen unserer Zeit gilt. Gemeinsam machen die zwei Mittvierziger einen Sprechgesang, der in seiner musikalischen Verschwiegenheit ganz stumm macht – obwohl er einiges zu berichten hat.

Wie Spukgeschichten düster und rau brummt Moffat verschrobene Poesie über die Narben des Lebens und die Liebe als Balsam über die Inselgruppen seines meisterhaften Pickings. Oberflächlich gehört ist das – schon wegen des ortsüblichen Idioms – so unzugänglich, dass man die Texte eher als Grundraunen wahrnimmt. Dank der eindrücklichen Aura aus Geigen, Drones, Percussion und dem feenhaften Gastgesang von Siobhan Wilson, wird Here Lies The Body jedoch zum Manifest der maximalen Wirkung durch minimalen Einsatz. Ein Album zum Absinken.

Aidan Moffat & RM Hubbert – Here Lies The Body (Rock Action)

Seán McGowan

Wer es als Erfüllung eines ganz großen Traumes bezeichnet, den unverzagten Klassenkämpfer Billy Bragg auf Tour begleitet zu haben, der offenbart zwei Dinge von sich: Offenbar steht er noch am Anfang seiner Karriere. Und er trägt das Herz am linken, also rechten Fleck. Die Rede ist von Seàn McGowan, ein Mittzwanziger aus dem südenglischen Southampton, der seinem bald dreimal so alten Idol in vielerlei Hinsicht ähnelt, ohne ihm zu gleichen. Schon der Titel seines Plattendebüts Son of the Smith verströmt eine proletarisch geprägte Streitlust, die anders als hierzulande eher durch galligen Folkrock Gehör verschafft als im artigen Bergmannschor.

Doch wie ihr Mentor beschränkt sich Seán McGowans Band nicht darauf, parolenhaft die Verhältnisse anzuprangern. Mit Fiddel und Krach und Melancholie und, ja, gehöriger Wut macht sie daraus eine Art folkloristischen Spaßpunk, der nicht nur wegen des breiten Cockney-Slangs an Jamie T und die Levellers erinnert. Liebeskummer hat darin ebenso viel Raum wie Gerechtigkeitsfuror. Und zu beidem kann man Arm in Arm von einer besseren Welt träumen oder entfesselt durch den Club hüpfen. Billy wäre entzückt.

Seán McGowan – Son of the Smith (Xtra Mile Recordings)

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