Personalien & Crash Test Promis

Die Gebrauchtwoche

18. – 24. Juni

Football? What Football! So sehr die Weltmeisterschaft der Despoten, Millionäre, Korruption und Wir-bringen-der-Menschheit-Frieden-Verlogenheit auch alle Medien beherrscht, stehen zumindest hierzulande gar nicht so sehr die Fußballer im Fokus. Es ist unter anderem einer, der ansonsten über sie berichtet. Hajo Seppelt nämlich, dem DFB und Auswärtiges Amt davon abgeraten haben, seinem Beruf in Russland nachzugehen, weil Putins Russland Journalisten als Feinde betrachtet. Oder auch der WDR-Spielfilmchef und Tatort-Koordinator Gebhard Henke, dem sein Arbeitgeber nun endlich gekündigt hat, nachdem die Zahl angeblich sexuell belästigter Mitarbeiterinnen zuletzt abermals angestiegen war.

Fünf Erregungsstufen tiefer findet sich das Coming-Out des RTL-Moderators Jochen Schropp, der diesen Schritt so lange gescheut hatte, weil ihm seine sexuelle Orientierung allen Ernstes auch im 21. Jahrhundert noch beruflich geschadet hätte. Vorstandschef Conrad Albert hat derweil die Entlassung von 141 Mitarbeitern der ProSiebenSat1 Media AG bekannt gegeben, was weniger ist als befürchtet, aber mehr, als der Fernsehbranche gut tut. Und auch die Personalie Trump darf in solch einer Liste natürlich nicht fehlen. Der nämlich hat seinen kleinen Medienkrieg mit dem nationalen Kartellamt verloren. Das nämlich gestattet gegen die Twitter-Tiraden des Pressefreiheitsfeindes die Mega-Fusion der Kommunikationskonzerne AT&T und Time Warner.

Dabei hatte der US-Inhaber seiner Welt gemeinsam mit dem Philanthropen Kim Jong-un doch gerade für immer und ewig Frieden, Liebe und Glückseligkeit geschenkt. „Historisch oder hysterisch“ hatte die Süddeutsche zum bizarrsten Politgipfel aller Zeiten getitelt – was das Personalkarussell doch noch mal zum Sport drehen lässt. Unterm ganzen Dutzend Reportern, die für Deutschlands beste Tageszeitung von der WM berichten, ist exakt eine, in Zahlen 1 Frau. Und Birgit Schönau berichtet, nein, nicht aus Russland, sondern aus Italien und was die armen Tifosi während des Turniers eigentlich so machen…

Die Frischwoche

25. Juni – 1. Juli

Weil die meisten Sender während dieses Turniers unabhängig von Geschlechterfragen kaum Neues verschleudern. Die Wiederholungen der Woche sind diesmal daher Alternativangebote zum jeweiligen Abendspiel. Am Montag um 20.15 Uhr empfehlenswert: Francois Truffauts Gaunerinnenkomödie Ein schönes Mädchen wie ich von 1972 auf Arte. Dienstag auf Nitro, ebenfalls aus Frankreich, ähnliche Zeit, andere Welt: Balduin der Heiratsmuffel mit Louis de Funès als Louis de Funès. Am Mittwoch, keine Wiederholung und doch derselbe Mist wie immer: Crash Test Promis, ein zweiteiliger Testosteron-Rausch auf RTL in vier Disziplinen wie gegen Wände laufen.

Donnerstag mal something completely different auf Arte: Macbeth aus der Berliner Staatsoper mit Placido Domingo in der Titelrolle. Und bevor 3sat dem Vorrundenspiel der Deutschen am Samstag mit Franz Lehárs Operette Das Land des Lächelns aus Zürich vermutlich kaum Zuschauer abnehmen dürfte, wildert Sat1 tags zuvor im Revier der Tierfreunde: 111 völlig verrückte Viecher! kompiliert „Die witzigsten Tiere der Welt“, gefolgt von 111 krasse Kollegen. Tja. Zum Glück gibt’s abgesehen vom 58 Jahre alten Schwarzweiß-Tipp Jack Lemmon und Shirley MacLaine in Das Appartement (Sonntag, 16.30 Uhr, 3sat) und dem Bremer Alt-Tatort: Abschaum von 2004 (Montag, 22.15 Uhr, RBB) noch ein paar echte Innovationen.

Heute um 19.30 etwa feiert Kevin James zehn Jahre nach der Comedy-Legende King of Queens sein Comeback in der 24teiligen Serie Kevin Can Wait, für die man James und Sictoms allerdings schon ganz schön grundsätzlich mögen muss. Am selben Abend um 23.55 Uhr folgt dann jedoch ein echtes Highlight. Zum Start des ZDF-Vierteilers Auf der Flucht begleitet der junge Filmemacher Jakob Preuss (23.55 Uhr) einen Flüchtling bei seiner Odyssee von Kamerun nach Brandenburg. Als Paul über das Meer kam ist eine hinreißende Hommage an die Menschlichkeit – und ein guter Anlass einer Debatte darüber, wie sehr sich ein Berichterstatter mit seinem Berichtsgegenstand gemein machen darf/kann/soll.

Noch eine Doku von herausragender Intensität, wenngleich mit weniger dramatischem Thema: Nowitzki. Der perfekte Wurf (Mittwoch, 22.45 Uhr, BR), Sebastian Dehnhardts gelungenes Porträt des besten deutschen Basketballers seit der vorvergangenen Eiszeit. Und als krönender Abschluss: Morris aus Amerika, Chad Hartigans grandiose Coming-of-Age-Erzählung eines dicken, farbigen, eigenbrötlerischen New Yorkers, der sich am Dienstag im Rahmen des ARD-FilmDebüts (1.10 Uhr) mit HipHop und Eigensinn in der Heidelberger Fremde durchboxt.

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