Ryley Walker, audiobooks, Moonface

Ryley Walker

Songs zu covern ist relativ einfach. Mit ein wenig handwerklichem Geschick und musikalischem Gespür verwandelt man das Original in Kopien, die sich nicht allzu sehr vom Ursprung entfernen, aber dennoch Eigensinn entfalten. Ein Album zu interpretieren, dass kaum jemand kennt, stellt da eine besondere Herausforderung dar. Und weil er die mag, hat sich der Experimentalmusiker Ryley Walker aus Chicago The Lillywhite Sessions vorgenommen, die die seinerzeit stadionfüllende Dave Matthews Band 2001 offenbar nicht so richtig wichtig genommen hatten. Ryley Walker hat. Und daraus ein wirklich erstaunliches Cover-Album gemacht.

Mit seiner instrumentell extrem virtuosen Vielschichtigkeit verwandelt er den Jamrock seiner amerikanischen Superstar-Landsleute in ein jazziges Fusionfolk-Album, das in seiner Filigranität fast zu hintergründig und klug ist, um dem Durchschnittsgeschmack einigermaßen gerecht zu werden, also kein Nerdzeugs zu sein. Für den nötigen Kitt in den Mainstream sorgt dabei nicht nur Walkes hintergründige verwaschener, leicht Eddy Vedderiger Gesang, sondern ein Link in den Postrock, der die Absurditäten kontrollierter Improvisation ein bisschen abpuffert. Ein starkes Stück für musikalische Persönlichkeit.

Ryley Walker – The Lillywhite Sessions (Dead Oceans)

audiobooks

Die ewige Frage nach dem richtigen Leben im Falschen, ob man den Tiger also lieber reiten oder meiden sollte, ist für Menschen auf der Suche nach Systemalternativen schwer zu beantworten. Das englische Indie-Duo audiobooks dagegen springt einfach auf und knallt den autotunesüchtigen Charts der Gegenwart ein Stück wie It Get Be So Swansea vor den Rechner. Die Kunststudentin Evangeline Ling krächzt darin ein so heillos verzerrtes Durcheinander von Lyrics über den aufgemotzten Retrowave ihres Mixers David Wrench, dass selbst die Autotune-Pionierin Cher vor Schreck wohl das Botox ausliefe.

Und auch sonst umweht das Debütalbum Now! (In a Minute) ein Hauch von Irrsinn, der sich nicht nur aus exaltierten Alltagsgeschichten speist, sondern der Fähigkeit, gleichermaßen lässig und albern zu sein – also ungefähr so zu klingen wie die beiden Londoner aussehen. Hot Salt zum Beispiel bringt diesen Spagat prima zum Ausdruck. Zwischen dem Elektroclash der Neunziger und dem Synthiepop der Achtziger, führt Wrenchs Keyboardsprengsel ein wirres Gefecht mit Lings Gesang aus, bei dem es am Ende drei Sieger gibt: Spaß, Kreativität und Tanzwut.

audiobooks  – Now!(In a Minute) (PIAS)

Moonface

Auf seiner neuen Platte hört sich Spencer Krug demgegenüber vielfach so an, als hätte er den audiobooks heimlich Brian Ferry ins Studio geschmuggelt und ihren Sound danach leicht beschleunigt in eine Art weltmusikalisches Bällebad geworfen. Während seine vielen Hauptformationen von Swan Lake bis Wolf Parade oft eher getragen sind, manchmal sogar leicht melodramatisch, bringt Spencer Krugs Solo Moonface seit ein paar Jahren bereits die experimentelle, gelegentlich fast glamouröse Persönlichkeit des kanadischen Soundbastlers zum Schwingen.

Die Stimme gewohnt warm und dunkel, mischt er Steeldrums, Marimba, Xylophon und fröhliche Fanfaren jeder Art in ein Album, das mit This One’s For The Dancer & This One’s For The Dancers Bouquet nicht nur ausgesprochen feierlich betitelt ist, sondern angeblich auch sein letztes als Einzelkünstler sein soll. Schade eigentlich. Denn wie er die Erzählungen griechischer Mythologie darauf mit brummenden Synths und orchestralem Pop kombiniert, das zeugt von einer Kreativität, die jede noch so triste Mollsequenz mit Begeisterungsfähigkeit aufhellt. Polyglotter Darkwave zum Jubeln, souverän verabreicht von einem Riesen der Nische.

Moonface  – This One’s For The Dancer & This One’s For The Dancers Bouquet (Jagjaguwar)

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