Isabell Sonnenfeld: Google & Gefahr im Netz

Quasi Hilfe zur Selbsthilfe

Nachdem sie mit 26 Jahren Twitter in Deutschland aufgebaut hat, wechselte Isabell Sonnenfeld 2015 zu Google und verantwortet dort mit Anfang 30 das News Lab, eine Art Schnittstelle zwischen Internet und Journalisten für eine – so sieht es zumindest ihr weltumspannender, mächtiger, hoch umstrittener Arbeitgeber – bessere Berichterstattung im digitalen Zeitalter. Ein Gespräch über Medien im Zeitalter von Populisten und Fake News, Herausforderungen statt Bedrohungen und wie man so jung schon so viel bewegen kann.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Sonnenfeld, ist Google ein Medium im Sinne eines Zwischenhändlers oder Lieferanten von Information und Wissen?

Isabelle Sonnenfeld: ​ Google ist ein Technologie-Unternehmen, das mit der Suchmaschine eine Plattform aufgebaut hat, um Informationen besser im Netz zu finden. Wir geben tagtäglich milliardenfach Antworten auf Fragen unserer Nutzerinnen und Nutzer, leiten aber auch Verlagsinhalte weiter – beispielsweise auf der Suche nach politischen News.

Aber greift die ​Google News Initiative​ mit dem von Ihnen geleiteten ​News Lab nicht aktiv in den Informationsbildungsprozess ein und wird so vom Vermittler zum Produzenten?

Nein, wir greifen inhaltlich nicht ein. Ich würde hier eher von “ermöglichen” sprechen. Die Google News Initiative will Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit geben, Technologien bei ihrer Arbeit zu nutzen. Dazu gehören Recherche und Storytelling, aber auch Erlös-Chancen. Es geht, abgesehen von einem Know-How zu nötigen Tools, vor allem um das Training. In den ersten drei Jahren der Initiative haben wir mehr als 50.000 Journalistinnen und Journalisten darin geschult, mit den passenden Werkzeugen richtig umzugehen, damit die Medienbranche optimal für das digitale Zeitalter gerüstet ist.

Das klingt jetzt durch und durch altruistisch. Welche Intention steht aus Sicht des Konzerns hinter solchen Projekten?

Es geht darum, Partner zu sein, aber auch Verantwortung wahrzunehmen. Google pflegt seit mehr als 15 Jahren den intensiven Austausch mit Verlagen und Medienunternehmen in der ganzen Welt und die Forderung, diesen Austausch zu institutionalisieren, kam von Seiten der Verlage. Deshalb haben wir in Europa die ​Digital News Initiative​, kurz DNI, mit dem ​News Lab ​ als Trainingseinheit für Redaktionen und redaktionelle Innovation aufgebaut und für drei Jahre mit 150 Millionen Euro ausgestattet. Im März dieses Jahres haben wir die DNI als globale Google News Initiative erweitert. Als eine der größten teamübergreifenden Google-Projekte, bei dem auch Strategie- oder Produkt-Units und Web-Anwendungen wie YouTube zusammenkommen, hat es sich zu einem Meilenstein entwickelt.

Auf welchen Feldern konkret?

Eine Rückmeldung, die wir immer wieder von Verlagen erhalten, bezieht sich auf die Ladegeschwindigkeit der Verlagswebseiten. Online-Leser springen von diesen Seiten ab, wenn der Ladevorgang eines Artikels zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Wir beobachten, dass 53 Prozent aller Nutzer das Laden einer mobilen Webseite abbrechen, wenn dies länger als drei Sekunden dauert. Um dieses Problem gemeinsam zu lösen, haben wir das Open-Source-Projekt ​Accelerated Mobile Pages (AMP) entwickelt. Wenn wir das Internet so beschleunigen, dass Inhalte schneller konsumiert werden können, verbessern wir auch den Journalismus insgesamt. Anfang diesen Jahres haben wir Google Subscribe auf den Markt gebracht um Verlagen weitere Erlösquellen zu ermöglichen.

Klingt immer noch selbstloser als von einem profitorientieren Konzern erwartet…

Das Geschäftsmodell dahinter ist simpel: Wir sind nur dann erfolgreich, wenn auch unsere Partner, in diesem Fall die Verlage, erfolgreich sind. Die Google-Suche basiert darauf, dass die gefundenen Inhalte dem qualitativen Anspruch der Anfrage entsprechen. Medienmarken erfolgreicher zu machen, ist auch für uns wirtschaftlich von Nutzen. Dabei dürfen wir aber nie vergessen, dass seriöser Journalismus – gerade in Zeiten des Populismus – eine der wichtigsten Säulen lebendiger Demokratie ist.

Sind das die „wichtigsten Herausforderungen“, bei denen sie Journalisten laut Selbstbeschreibung Ihres News Labs unterstützen wollen?

Auch. Denn für die freie Meinungsbildung ist der freie Zugang zu einer ausgewogenen Informationsbandbreite unerlässlich. Wenn wir die Verlage hochwertiger Medien darin fördern, zahlt sich das auch für uns aus. Mit der Weiterentwicklung entsprechender Tools und Instrumente fördern wir nicht nur die ausgewogene Berichterstattung, sondern auch unsere Erwerbsmöglichkeiten.

Google liefert aber nur die technische, nicht die inhaltliche Basis?

Richtig. Wir schulen Journalistinnen und Journalisten in den Trainings nicht inhaltlich, sondern erklären Ihnen, wie sie unsere Angebote langfristig nutzen können – über bekannte Tools wie Google Trends und ​User-generated Content ​ auf YouTube bis hin zu Google Earth. Es mir persönlich ein großes Anliegen, dass sie sich intensiv mit den erwähnten neuen Herausforderungen auseinander setzen. Ich bekomme viel Feedback von Daten-Journalisten, die den Online-Dienst ​Google Trends nutzen und uns Hinweise darauf geben, wie man bestimmte Features zum beiderseitigen Nutzen verbessert. Die GNI sieht sich ganz klar in der Vermittlerrolle.

Wenn wir als Journalisten Probleme bei oder Fragen zur Arbeit mit Ihren Werkzeugen haben, können wir uns also jederzeit kostenlos an Google wenden?

Ja. Wir erhalten zum Beispiel viele Anfragen aus Redaktionen, die wissen möchten, wie sie Informationen oder Videos mithilfe von Google Earth verifizieren können.

Haben Sie das Labor nach drei Jahren schon mal evaluiert?

Nicht im Sinne eines Zwischenfazits. Es gibt drei Dinge, die für mich von Relevanz sind: Zum einen haben wir den Austausch zwischen Verlagen und uns verstärkt. Zum anderen haben wir die Herausforderungen der Verlage und Redaktionen herausgearbeitet und Möglichkeiten, wie wir sie gemeinsam angehen können. Und zuletzt haben wir es geschafft, mit den Partnern der Medienbranche Innovation im Journalismus auf technologischer Ebene definieren zu können. Neben dem News Lab hat der Innovationsfonds vom April 2015 dazu geführt, dass in den Redaktionen über neue Technologien nachgedacht wird. Von dort wird mir berichtet, dass allein die Bewerbung für den DNI Fonds oder auch unsere Trainings eine Initialzündung für die spätere Entwicklung von journalistischen Formaten oder Produkten ist.

Quasi als Hilfe zur Selbsthilfe?

Wenn Sie so wollen, etwa um zu unterschiedlichen Themen journalistische Prototypen zu entwickeln, die sich mit Audio, Video oder Podcasts befassen, aber auch Virtual Reality und Data Journalism. Es geht vor allem um das Experimentieren.

Auffällig ist aber ja, dass Google diesbezüglich vor allem auf den Märkten aktiv ist, wo die Pressefreiheit zwar unter Druck gerät, aber noch nicht bestandsgefährdet ist.

Die Google News Initiative ist mit den drei Bereichen “Produkt”, “Partnerschaften” und “Programme” global angelegt.

Das News Lab ist also auch in einem Land wie China anwendbar?

Die ​Google News Initiative ​ ist zunächst ein globales Anliegen und arbeitet in den wenigsten Ländern allein, sondern mit Partnern vor Ort – zum Beispiel mit ​Code for Africa​, die Trainings oder Hackathons organisieren. Das ist allerdings erst der Startpunkt eines wirklich globalen Ansatzes und für alle Mitwirkenden einerseits ein moralischer, andererseits ein wirtschaftlicher Faktor.

Wie groß ist denn dieser wirtschaftliche Faktor?

Über die Google-Suche und Google News kommen Millionen von Leser auf die Webseiten der Verlage. Wir leiten monatlich über zehn Milliarden Klicks kostenlos zu den Verlagswebseiten weiter. Außerdem vermarkten wir Werbung auf diesen Webseiten. Rund zehn Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr an unsere Publishing-Partner ausgespielt. Die Google News Initiative wurde mit 300 Millionen Dollar über dreieinhalb Jahre aufgesetzt. DNI, im April 2015 gestartet und als Grundlage für die jetzige GNI, war mit 150 Millionen Dollar aufgesetzt worden.

Wird sich durch die Änderung des EU-Leistungsschutzrechts da etwas für Google News ändern?

Wie Richard Gingras dem Guardian erklärt hat, gibt es mehrere Varianten des Europäischen Leistungsschutzrechts, die diskutiert werden. Es ist zu früh, um zu spekulieren, welche Auswirkungen die finale Direktive auf unsere Produkte hat. Wir begrüßen die Möglichkeit, mit politischen Entscheidern und der Medienbranche an einer Lösung zu arbeiten, die für den Journalismus und die Verlage gewinnbringend ist.

Also wird der Fonds neu aufgelegt?

Die sechste und letzte Bewerbungsrunde lief bis Anfang Dezember. Seither evaluieren wir den DNI-Fonds. Und noch ist der aktuelle nicht geleert worden. Bislang hat er mehr als 115 Millionen Euro für 559 Projekte im Bereich des digitalen Journalismus in 30 europäischen Ländern zur Verfügung gestellt.

Und welche Länder sind das?

Die üblichen, in denen sich die Verlagsbranche schon frühzeitig mit technologischer Innovation auseinandergesetzt hat, z.B. in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Es wurden aber auch Projekte aus Ländern gefördert, von denen man es weniger erwartet hätte, wie Dänemark, Polen und Ungarn.

Geht die Initiative allein von Ihnen, also dem Anbieter, oder den Verlagen also Nutzern aus?

Das ist immer wechselseitig. Die Verlage haben großes Interesse, auch im freien Raum Projekte zu entwickeln, für die die Routine des Produktionsalltags weder Zeit noch Ressourcen zulässt.

Aber Google spricht die Medien nicht von sich aus an und weist sie daraufhin, welche Defizite oder Verbesserungsmöglichkeiten deren Online-Auftritt noch haben?

Sicherlich diskutieren wir im engen Austausch Verbesserungsmöglichkeiten. Der DNI Fonds ist ein offener Call to Action, sich mit innovativen Ideen zu bewerben. Und auch bei unseren News Lab Trainings können wir Tipps geben, wie sich journalistische Werkzeuge einsetzen lassen können. Wir geben keine inhaltlichen Ratschläge, gelegentlich helfen wir aber dabei, den Fokus neu zu justieren. Die Ideen zu den verschiedenen Projekten kommen aus den Redaktionen.

Aber gibt es gerade aus kritischen Redaktionen nicht den Vorwurf des informationellen Greenwashings, also dass sich die Datenkrake Google, der gerade mal wieder vorgeworfen wird, sich der chinesischen Zensur zu unterwerfen, ein soziales Gewissen erkauft?

 

Wir arbeiten seit 15 Jahren intensiv mit der Medien- und Verlagsbranche zusammen. Diese Zusammenarbeit wurde durch die GNI nur institutionalisiert – und hat übrigens auch unsere eigene Arbeit nachhaltig verändert. Ohne die Initiative hätten wir ein Open-Source-Projekt wie AMP womöglich niemals in Kooperation mit den Verlagen realisieren können.

Die Antwort lautet also: Nein, kein Info-Greenwashing?

Bei einem Technologiekonzern der Größe von Google steht dieser Vorwurf immer im Raum, keine Frage. Umso mehr glaube ich, dass man ihm nur durch offenen Austausch aller Beteiligten eines qualitativ hochwertigen Journalismus konstruktiv begegnen kann. Allerdings immer als Partner, nicht als Content-Lieferant.

Aber wenn man sich ​YouTube Premium ​ oder ​YouTube Originals ​ ansieht, wo längst eigener Inhalt online geht – konkurriert Google da nicht auch inhaltlich mit Video-on-Demand-Portalen, Streamingdiensten, gar Fernsehsendern?

Nein, denn das beschränkt sich lediglich auf Entertainment – besonders, was YouTube Premium betrifft. Dass wir zum Beispiel eigene Nachrichten produzieren, halte ich für ausgeschlossen.

Es gibt da nicht mal Gedankenspiele?

Nein, derzeit nicht.

Besteht die Aufgabe der ​Google News Initiative ​ inklusive Ihres ​News Lab ​ trotzdem auch darin, das Renommee des Unternehmens zu verbessern?

Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. ​Zu erklären, was wir tun und wollen, ist Teil unserer Verantwortung – ob nun in der Zusammenarbeit mit Medien, Bildungseinrichtungen, anderen Unternehmen oder Nutzern. Um transparent zu zeigen, was im News Lab geschieht, suche ich deshalb den direkten, gerne auch kritischen Austausch. Voriges Wochenende war ich beim „Vocer Innovation Day“ von VOCER und ​Der ​ ​Spiegel ​ in Hamburg, wo genau solche Fragen erörtert werden. Dort Gesicht zu zeigen, beugt Sorgen besser vor als alle Verlautbarungen.

War das Bedürfnis, für Transparenz in der Medienbranche zu sorgen, mit ein Grund, warum Sie vor drei Jahren von Twitter zu Google gewechselt sind?

Die viereinhalb Jahre bei Twitter waren großartig – allein weil es so herausfordernd war, das Geschäft in Deutschland als damals erste Mitarbeiterin bei Null mit aufzubauen. Genau darin liegt auch mein Talent. Und als dann die Idee im Raum stand, das ​News Lab ​ im deutschsprachigen Raum zu entwickeln, empfand ich das als spannende Herausforderung.

Sie sind eine Herausforderungsnomadin?

Ich finde Herausforderungen spannend und wachse gerne an und mit ihnen. Aber eine Nomadin bin ich nicht.

Ziehen Sie dennoch nach dieser hier weiter zur nächsten?

Nein, nein! Ich bin mit meiner Rolle gerade sehr glücklich, suche aber im Kosmos des News Lab ständig neue Herausforderungen.

Als Sie die Herausforderung bei Twitter gesucht haben, waren Sie erst 26 und als ​Head of News, Governance & Politics für Medien und Politik verantwortlich. Woher rührt ihr frühes Interesse an harten Fakten?

Ich habe Europapolitik studiert und wollte eigentlich nach Brüssel. Von dem war ich schließlich aber doch nicht so fasziniert, wie zunächst gedacht. Deshalb habe ich im Masterstudium Politikmanagement mit Fokus auf das Zusammenspiel von Technologie, Politik und Medien studiert. Meine Abschlussarbeit habe ich über Twitter geschrieben, wofür ich unter anderem mehrere Tausend Tweets analysiert habe. Darüber hinaus bin ich von Kindesbeinen an News-Junkie.

Wie kam es dazu?

Schon meine Eltern hatten immer ​Zeit​Spiegel und den ​Bonner General-Anzeiger​ zuhause. Durch die Beschäftigung mit Twitter, habe ich mich dann mit dem Prozess der digitalen Transformation des Journalismus und dessen Geschwindigkeit auseinandergesetzt. Die technischen Möglichkeiten, Informationen zu produzieren und verbreiten, haben mich da besonders interessiert. Diese Interessen werden erst bei Twitter, dann im News Lab perfekt gebündelt. Ich hatte anfangs zwar keine Ahnung, ob ich das kann, bin aber einfach mal los gerannt.

Und haben beim Laufen festgestellt, welche Relevanz digitale Medien und soziale Netzwerke für politische Diskurse kriegen oder war Ihnen das beim Start schon bewusst?

Dadurch, dass ich mir beim Kanzler-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier ein relativ kleines Spektrum der Twitter-Konversation angeschaut hatte und wie normale User in die Kommunikation der Journalisten und Politiker eingebunden waren – zunächst nämlich fast gar nicht –, war es hierzulande im Gegensatz zu den USA nur zu ahnen. Aber es war ungemein spannend zu beobachten, wie die neuen Kanäle den Journalismus beschleunigt, aber auch niedrigschwelliger gemacht haben. Plötzlich konnte jeder von jedem Ort berichten.

Niedrigschwellig klingt, wenn es um die Verfügbarkeit von Infos und Wissen geht, positiv. Negativer ist, wie sehr seriöse News im Meer unseriöser, oft falscher untergehen.

Das stimmt.

Haben Sie das damals schon kommen sehen?

Anfangs nicht, dafür war die Nutzergruppe in Deutschland zu klein.

Und jetzt?

Hat diese Entwicklung natürlich auch negative Aspekte. Die Verbreitung von Fake News und die Schwierigkeit, sie von richtigen zu unterscheiden – das hat uns im News Lab gerade im Zusammenhang mit Wahlen stark beschäftigt. Wie man damit umgeht, ist allerdings nicht nur technologisch eine Herausforderung. Das betrifft die Branche generell und beschleunigt sich weiter. Das Ausmaß der Manipulation im Netz ist allerdings erst ein paar Jahre so richtig spürbar. Wie sehr der Missbrauch gerade wächst, war damals noch nicht abzusehen.

Sehen Sie, was die Informations- und Debattenkultur betrifft, da optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft?

Ich sehe die Größe der Herausforderungen. Umso wichtiger ist, dass Technologie- und Medienunternehmen mit NGOs und Experten zusammenarbeiten. Deshalb arbeiten wir im News Lab seit langem mit der internationalen Fact-Checking-Organisation ​First Draft ​ zusammen. Mit dem Fact-Check-Tag können Redaktionen ihre Artikel für die Google-Suche und Google News als zuverlässig kennzeichnen. User erkennen verifizierte Nachrichten dank des Tags sofort. Bei der Bundestagswahl haben wir mit dem Investigativ-Recherchebüro Correctiv zusammengearbeitet. Unsere Unterstützung bestand im technischen Versand eines täglichen Newsletters an deutsche Journalistinnen und Journalisten zum Thema Desinformation.

Sie sprechen konsequent von „Herausforderungen“, nicht „Bedrohungen“ – ist das eine Mentalitätsfrage oder gute PR?

Während man auf Bedrohungen eher reagiert, kann man bei Herausforderungen agieren. Ich benutze das Wort, weil es aus meiner Sicht etwas Aktives hat und den Raum öffnet, statt ihn zu schließen. Das liegt mir mehr.

Wie ist es um Ihren Ehrgeiz bestellt, damit im Unternehmen aufzusteigen?

(lacht) Ich finde mein Arbeitsumfeld gerade sehr spannend, aber frau möchte doch immer über sich hinauswachsen bzw. sich weiterentwickeln, oder? Nach acht Monaten Elternzeit habe ich, bildlich gesprochen, erstmal ein Stück weißes Papier genommen und überlegt, welche Themen und Möglichkeiten sich für News Lab in Zukunft ergeben können. Die erste Woche habe ich deshalb damit verbracht, mich mit Kolleg*innen und meinen Verlags-Partnern zu treffen. Mit einer neuen Perspektive in die Rolle zurückzukommen, hilft auch, kreativer zu sein.

Möchten Sie denn grundsätzlich eher an der Basis bleiben, also im Arbeitsprozess, oder den doch eher von der Spitze weg dirigieren?

Mir gefällt beides. Ich bin gut darin, Neues aufzubauen, aber auch strategisch Dinge weiterzuentwickeln. Ich würde den Job nicht mit soviel Leidenschaft machen, hätte ich nicht den Ehrgeiz, weiter aufzusteigen.

Womöglich auch aus weiblicher Sicht, um den Frauenanteil im Führungspersonal, das besonders in der Tech-Branche extrem männlich ist, zu erhöhen

Ich würde es mal als positiven Beitrag betrachten, unseren Anteil zu erhöhen. Weil zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung sowohl in meiner Branche als auch in Medien, Politik und Wirtschaft allgemein weibliche Vorbilder fehlen, ist mir das wichtig. Ich habe vor drei Jahren abseits von Google und Twitter ein Projekt namens „Role Models“ gegründet, das in einem wöchentlichen Podcast und monatlicher Eventreihe weibliche Vorbilder in Spitzenpositionen jeder Art sichtbar macht. Wir hatten in diesem Zusammenhang kürzlich die Justizministerin Katarina Barley auf der Bühne. Sowas inspiriert auch mich selbst ungemein und ich versuche, es auch im Unternehmen voranzutreiben. Aber es ist noch ein langer Weg…

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