Júníus Meyvant, Special-K, Dendemann

Júníus Meyvant

Guðmundur Kristinn Jónsson, Hljóðriti, Unnar Gísli Sigurmundsson – wer im Kosmos des Northernsouthernsonstwoclassicsoul zuhause ist, der seinen Fetisch rarer Seveninches im weißen Cover pflegt wie Metalheads ihre Kutten, dürfte damit wenig anfangen. Noch! Denn ersterer ist ein isländischer Produzent, der im zweitgenannten Studio für letzteren ein Album aufgenommen hat, das die Nostalgie des Stils mit skandinavischer Verschrobenheit garniert und daher alle Aufmerksamkeit der Platzhirsche verdient. Vor zwei Jahren hatte der orgelsynthetisierte Orchesterpop von Sigurdmundssons Band Júníus Meyvant den Soul noch so aufgeblasen, dass er sein Plattendebüt Floating Harmonies auf maximal gewaltiger Weltbühne uraufführen durfte.

Als die Hamburger Elbphilharmonie noch jung und hip und cool war, flatterte sein kratziges Engelsfalsett durch den großen Saal, dass es die Zuschauer von den Sitzen risse. Auf dem neuen Album Across The Borders (Record Records) nun legt sich der feenhafte Vollbartgesang vom verblüffenden Popkulturstandort Reykjavik zwar nicht mehr über so unglaublich epische Arrangements wie noch 2016. Der eklektisch aufgepoppte Retro-Nu-Funk schafft es aber auch mit etwas weniger Grandezza, selbst Soul-Puristen zu überwältigen. Nicht schlecht für einen Fjordschrat von Westmännerinseln.

Júníus Meyvant – Accross The Boarders (Record Records)

Special-K

Und wo wir uns gerade auf Island befinden. Und wo wir gerade bei flatterhaft durchscheinenden Gesangsstimmen sind. Und wo es hier um zurückhaltenden Pop von autosuggestiver Strahlkraft geht: Neben all den irren, tollen, einzigartig verschrobenen Bands von der präpolaren Insel gibt es jetzt gleich die nächste, besser – ein Soloprojekt, vor dem man nach einer Weile der Gewöhnung instinktiv niederkniet und gar nicht mehr hochkommen will. Es heißt Special-K, und dass der Name ein wenig nach Cornflakes klingt, ist vielleicht ebenso wenig ein Zufall, wie der aktuelle Lebensmittelpunkt Berlin.

Dort nämlich lebt die isländische Künstlerin Katrín Helga Andrésdóttir seit ein paar Monaten, nachdem sie sich daheim bereits im feministischen Rap-Kollektiv Reykjavíkurdætur einen Namen gemacht hatte. Von dort aus hat sie allerdings nicht den HipHop, sondern einen zuckrig süßen, melodramatischen Dreampop mitgebracht, der einzig keyboardbegleitet im Ohr verweht wie entspanntes Atmen und sich dennoch im Gemüt verfängt, als hätte er Widerhaken. Dabei hilft es ungemein, das Special-K ihr Debütalbum I Thought I’d Be More Famous By Now vollumfänglich visualisiert und als Video-Sammlung erstellt hat. Musik zum Fühlen, Gucken, Wirkenlassen.

Special-K – I Thought I’d Be More Famous By Now (Teto Records)

Hype der Woche

Dendemann

Nicht elfenhaft, sondern raubeinig, nicht aus Island, sondern Hamburg, kein Feen-, sondern Sprechgesang – Willkommen zurück im  Plattenbau, hochverehrter Dendemann; was haben wir dich vermisst. Mit seinem ersten Solo-Album seit beun Jahren, das dem besten Titel aller Zeiten von Fettes Brot (Außen Top-Hits, innen Geschmack) ein hinreißendes Vom Vintage verweht vor den Latz geknallt hatte, tritt der nette Daniel Ebel mit da nich für! (Universal) wieder ins Rampenlicht, das er nach dem Abgang aus Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale verlassen hatte, und nein – sein Kratzbürstenrap liegt musikalisch betrachtet noch immer nicht im oberen Drittel der Niveauskala. Aber seine Reime, dieses Gefühl für Punchlines, ach, das ganze grandiose Konstrukt: auch ohne Eins, Zwo ist und bleibt Dendemann mit Mitte 40 der Toppoet unter den Poppoeten!

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