Palina Rojinksi: Podkinski & Yo! MTV Raps

Wie eine Instagram-Story

Palina hier, Rojinski dort – die rothaarige Moderatorin russischer Herkunft mausert sich zur Allzweckwaffe gehobenen Trash-Entertainments. Und jetzt reanimiert der frühere Sidekick von Joko & Klaas auch noch eine Legende: Yo! MTV Raps. Ein Interview mit der Moderatorin übers Musikfernsehen von früher bis heute und was das HipHop-Magazin für ihr eigenes Leben bedeutet.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Palina Rojinski, als 1995 nach sieben Jahren die letzte Ausgabe Yo! MTV Raps lief, waren Sie gerade mal ein Jahr älter als die Sendung und erst kurz zuvor aus Russland nach Deutschland gezogen.

Palin Rojinski: Drei Jahre, um genau zu sein.

Was verbinden Sie da mit einer Musiksendung, die bereits Geschichte war, bevor Sie sie sehen konnten?

Oh, einiges. Schon weil ich sehr jung begonnen habe, dieselbe Musik zu hören. Meine Jugend war HipHop, meine Gegenwart ist HipHop, mit HipHop verbinde ich demnach ein Lebensgefühl, das sich schon damals in der Sendung wiederfand und hoffentlich jetzt wiederfinden wird.

Sind Sie denn eher der Oldschool-Typ oder offen für neue Entwicklungen?

Ich bin vor allem alive, deshalb mag ich Oldschool, aber auch Neuausrichtungen wie Trap oder Cloud-Rap. Außerdem finde ich es toll, dass darin mittlerweile so viele Frauen mitmischen und sich das Genre langsam in eine ausbalanciertere Richtung entwickelt.

Ist das Ihre Kernqualifikation für die Neuauflage dieser Legende – ein weiblicher Fan zu sein, der Leidenschaft mitbringt und die weibliche Seite des HipHop repräsentiert?

Beides, aber nicht ausschließlich. Es ist ja nicht so, dass ich mir jeden Morgen mein Update auf nerdigen Rap-Seiten hole, um auf dem neuesten Stand zu sein. Und dass ich die Show mit MC Bogy in einer gemischten Doppelspitze moderiere, ist angemessen zeitgemäß.

Soll das nur zeitgemäß oder auch emanzipiert sein?

Ich nenne es nicht Emanzipation, sondern Balance. Ohne Frauen gibt’s keine Kinder, ohne Männer aber auch nicht.

Sie gehörten einst selbst zur MTV-Familie, in der Sie mit Joko & Klaas MTV Home moderiert haben. Fühlt es sich zehn Jahre später da wie eine Heimkehr an?

Weil sich beim Sender, aber auch im Fernsehen insgesamt so viel verändert hat, fühlt es sich eher nicht so an. Aber obwohl ich nicht nach Hause komme, freut es mich total, dass ich mit Anfang dreißig wieder in meinem Jugendzimmer herumspringen kann. Auch wenn HipHop genauso erwachsen geworden ist wie ich. Wenn man sich die Szene ansieht, sind viele Künstler, die auch schon über 40 sind und trotzdem Nummer-1-Alben produzieren.

Die stammen wie Yo! MTV Raps aus einer Zeit als – wie Oli Schulz zurückblickt – Musik noch richtig groß war, während das Musikfernsehen längst richtig klein ist. Welche Relevant hat die Neuauflage auf einem Kanal, von dessen Existenz die meisten vermutlich gar nichts mehr wissen, da für die Popkultur?

Eine große. Denn Yo! MTV Raps bietet der Musik mal wieder eine prominente Plattform, auf der jene Rapper, die man sonst nur von Spotify oder Deezer kennt, live spielen. Pro Sendung gibt es zwei solcher Auftritte. Außerdem sollen bei uns Musikvideos laufen, die einem nicht nur von Youtube empfohlen werden. Ansonsten kennen Fernsehen und Internet entweder Videos oder Konzerte oder Interviews. Bei uns ist alles kompakt beisammen, in einer ausgewogen schönen Mischung. Wie eine Instagram-Story, bloß als Fernsehendung.

Das heißt, Yo! MTV Raps orientiert sich am Ursprung Ende der Achtziger, nicht dem Ende Mitte der Neunziger, als die Show bloß Clips kompiliert hat?

Ja eher. Es ist eine neue eigene Show mit altem Namen, die sich an der Musik orientiert und an sonst nichts.

Könnte sie das einst wirklich weltbewegende Musikfernsehen damit reanimieren und in Konkurrenz zu Spotify oder Deezer für die Jugendkultur wieder bedeutsam werden?

In Konkurrenz zu irgendwas definitiv nicht, nein. Eher ergänzend. Man darf nicht vergessen, dass nahezu alle Rekorde, die im Bereich der Videozugriffe grad gesprengt werden, irgendwie mit HipHop zu tun haben – und obwohl weder von den Machern noch den Nutzern womöglich allzu viele MTV gesehen haben, wollen wir auch für jene da sein, die damit aufgewachsen sind. Ich sehe uns als eine Art Jugendzentrum, dessen Angebot gleichermaßen für die Jugendlichen und die Sozialarbeiter gemacht ist.

Erweitern Sie mit dieser Sendung auch ein wenig Ihr Portfolio?

Inwiefern?

Voriges Jahr haben Sie eine Reportage-Reihe zur Fußball-WM in Russland gemacht, jetzt ein eigenes Musik-Magazin, dazu einen Podcast…

Schön, dass Sie den erwähnen. Er heißt Podkinski und ist eine Spielwiese mit Prominenten, die so gut zu mir passen, dass ich eine Stunde auf Spotify mit denen quatschen, aber auch spielen kann.

Spielen heißt?

Eine Art Seelenstrippoker. Ich glaube, es war Platon, der gesagt hat, man lerne den Menschen durch eine Stunde Spielen besser kennen als in einem Jahr Gespräche. Das nehme ich als Inspiration und meine Gäste sehr intim und spielerisch unter die Lupe. Das sind dann Leute wie Fahri Yardim, Guido Maria Kretschmer, Stefanie Giesinger, Nura oder Oli Schulz. Sehr bunte Mischung. So wie ich.

Eine Mischung, die abgesehen von Guido Maria Kretschmer nach Freundeskreis klingt.

Lustigerweise ist das mein ältester Bekannter.

Zurück zur Portfolio-Erweiterung. Gibt es so was wie eine Kernkompetenz, die sich bei Ihren Tätigkeiten herausschält oder sind Sie für alles zu haben?

Sagen wir so: Ich bin für alles zu haben, was auch mich unterhält; nur dann steckt genügend Neugier und Interesse dahinter, um die Zuschauer mit auf diese kleine Reise nehmen zu können. Meine Kernkompetenz ist demnach, dass man an meiner Seite die Welt entdecken kann.

Bislang hatten Sie das allerdings häufig als Sidekick anderer getan.

Ich bin ein Teamplayer, muss also nicht zwingend alleine im Rampenlicht stehen. Ich würde mich aber auch nicht als ständigen Sidekick bezeichnen; das war ich vor vielen Jahren bei MTV Home. Oder worauf zielt die Frage ab?

Die Branche sucht händeringend nach jungen, aber erfahrenen Showmastern, die die ganz große Fernsehbühne bespielen können. Kämen Sie dafür infrage?

Auf jeden Fall. Aber ehrlich gesagt sind in dem Moment in dem ich das mache mein eigener Podcast oder Yo! MTV Raps für mich richtig schöne große Bühnen und ich gebe alles von mir. Da fühle ich mich wohl und weiß auch keine andere Show, die ich jetzt unbedingt machen wollen würde. Die Branche hat sich gefühlt auch verändert, ein Podcast der früher vielleicht unter ferner liefen irgendwo versauert ist, hat jetzt mehr Zuhörer als je zuvor und wird super aufwändig und qualitativ hochwertig produziert. Die Kanäle sind mehr geworden es gibt nicht mehr nur die eine Samstag-Abendshow. Es macht nur Sinn sich da breiter aufzustellen und ich liebe diese Diversität sehr.

Die Größe einer Bühne bemisst sich bei Ihnen also nicht in Quadratmetern oder Quote, sondern?

Dass ich darauf bereit bin, alles, was von mir dazu gehört und innovativ ist, hineinzugeben.

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