Fontaines D.C., Chemical Brothers

Fontaines D.C.

Ob Punk’s so rein popkulturell musikalisch betrachtet wirklich dead is, ist schon längst keine rein quantitative Fragen des physischen Überlebens einer antiquierten Stilrichtung mehr, sondern eine eher eine qualitative der Definition. So unterhaltsam, ausgefuchst und rüde zeitgenössischer Hardcore oftmals sein mag – mit dem Label Punkrock, der ihm oft übergestülpt wird, hat er in der Regel wenig zu tun. Dafür ist er schlichtweg oft zu virtuos. Im Grunde gilt das auch für Fountaines D.C., die fünf Dubliner haben jedoch etwas, das andere nicht haben: Grian Chatten.

Der Sänger und Songwriter des Quintetts aus dem Arbeiterviertel The Liberties legt ein so wunderbar monochromes Nölen übers Debütalbum Dogrel, dass die elf Stücke scheinbar alle gleich klingen – gleich angepisst, gleich gelangweilt, gleich aufmüpfig. Durchs Gitarrengeschredder von Conor Curley und Carlos O’Connell zu Tom Colls geradlinigen Tempodrums wirken die Kommentare auf Gentrifizierung, Katholizismus, Bigotterie und den Versuch, in diesem Meer der Ignoranz zu schwimmen, allerdings wie Schnappatemübungen des Durchhaltevermögens. Endlich ein Punkrock, der diese Bezeichnung verdient.

Fontaines D.C. – Dogrel (Partisan Records)

Hype der Woche

Chemical Brothers

Sie sind noch da, unverwüstlich, unverdrossen energisch, einfach nicht totzukriegen: The Chemical Brothers. Dabei hatte ihr technoider Breakbeat-Hardcore die eurodancesedierte Welt bereits Mitte der Neunziger so brachial tanzbar auf kommende Verwerfungen vorbereitet, dass die Twin Towers scheinbar im Sound der Block Rockin’ Beats eingestürzt sind. Heute nun erscheint ihr neuntes Album, und wie einst auf Exit Planet Dust oder Dig Your Own Hole entfachen Stücke von Gravity Drops bis Mad As Hell bereits im Titel das Feuer früherer Tage. Die Tonlage legt aber doch eher Eve of Destruction fest. Der Opener überzieht den gewohnten Drum’n’Bass mit einem Schmelz von fast housiger Lässigkeit und auch sonst schalten Tom Rowlands und Ed Simons auf No Geography (Universal) zwei Gänge zurück auf Big Beat mit vielfach fast melodischer Tiefenschärfe. Trotzdem bleibt auch das siebte Nummer-1-Album in spe die Antwort der Disco aufs Chaos vor der Clubtür: tanzt die Katastrophe einfach weg! Für ein paar Stunden wirkt das bestens.

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