Skinny Pelembe, J-E-T-S, Rammstein

Skinny Pelembe

Es gibt, wenn man es mal aufs Wesentliche reduziert, zwei Ansätze des musikalischen Zugangs: Läuft irgendwie von alleine rein oder benötigt ein wenig Eigenleistung. Zwischen diesen zwei Polen spielt sich von Volksschlager bis Grindcoremetal im Grunde alles ab. Da ist es umso verblüffender, wenn Künstler wie Skinny Pelembe auftauchen, der seinen multipolaren Pop aus Tausend Quellen in ein Meer der Vielfalt fließen lässt, das wahlweise eiskalt oder brühwarm ist, wenn man seinen großen Zeh kurz hineinsteckt, nach dem ersten Schock aber angenehm wie ein isländischer Hotpot im Schneegestöber wirkt.

Insofern ist der Titel seines neuen Albums Dreaming Is Dead Now mindestens missverständlich. Sobald man dem Johannesburger Klangforscher nämlich in seine variantenreiche Welt analoger und digitaler Soundkonstruktionen folgt, begibt man sich in eine Traumwelt, in der es manchmal schrill und kantig, manchmal watteweich, aber fast immer irgendwie einladend zugeht. Mit Ethnoelectronica wäre dieses Konglomerat globaler Einflüsse demnach zu kurz umschrieben. Skinny Pelembe macht Musik fürs Gemüt in seiner unermesslichen Komplexität. Nur einschlafen kann man in diesem Traumland nicht. Dafür ist es dann doch zu aufgekratzt.

Skinny Pelembe – Dreaming Is Dead Now (Brownswood Recordings)

J-E-T-S

Wie aufgekratzt das Debütalbum einer bemerkenswerten Kollaboration der Generation Electrofunk ist, erschließt sich hingegen erst, wenn man ein paar echt softe Tracks von Zoospa durchdrungen hat. Gebastelt von Jimmy Edgar und Machinedrum, die sich auf den Vorzeigelabels Warp oder Ninja Tune zu Vorreitern der experimentellen Tanzmusik gemacht haben, schleicht sich die Platte mit ein paar angenehm verzerrten, am Ende aber doch ganz schön geschmeidigen R’n’ B-Avancen ins Gemüt des Mainstreams – bevor die zwei Briten mithilfe exzellenter Gastmusiker irgendwann doch tief in den Werkzeugkasten digitaler Verwirrungstaktik greifen.

 

Unterm Projektnamen J-E-T-S, je nach Bedarf mit Punkten, Strichen oder puristisch geschrieben, franst Zoospa zur Mitte hin in stark divergierenden HipHop aus, der dank Mykki Blanco in Play extrem trippig klingt, dank Tkay Maidza in Real Truth irgendwie roboterhaft und dank der Begabung, im Absurden nach Sinn zu suchen oder umgekehrt in Stücken von Hyper Hibernate über Q Natural bis Water and Stone ohne Feature-Stars wie ihr eigenes Samplingprogramm, das Harmonien mit großer Spaß am Zerstören erst dekonstruiert, dann neu konstruiert und damit Clubmusik der allerbesten Sorte schafft.

JETS – Zoospa (Innovtive Leisure)

Hype der Woche

Rammstein

Davon ist ein präkambrisches Erdbeben, das sich von Deutschland aus über den ganzen Globus verbreitet und vermutlich selbst auf den Osterinseln am gegenüberliegenden Ende noch für Eruptionen sorgt, natürlich weit entfernt: Rammstein haben nach zehn Jahren ihr siebtes Album (Vertigo) gemacht, und weil es die Band einerseits mit neuer Wucht in die Gegenwart katapultiert, andererseits aber aufs brachiale Grundgerüst der ersten zwei Platten zurückführt, heißt es schlicht wie das Sextett in unverbrüchlicher Originalbesetzung. Abgesehen vom gewohnt provokanten Ankocher der vorab lancierten Single Deutschland mit etwas KZ-Ästhetik im Macho-Gehabe klingt Rammstein also elf Stücke lang wieder wie Rammstein, als der Mob des Mainstreams nicht nach mehr Popmechanik verlangte. Radio zum Beispiel ist ursprünglicher Marsch-Rock, den Flakes Kammerflimmern zerstäubt. Ausländer geht mit Engelszungen um was ganz anderes und auch wieder nicht. Tattoo pudert der eigenen Klientel ähnlich derbe den Hintern. Und zwischendurch geht es in Sex um klaustrophobische S/M-Fantasien, die niemand so kehlig serviert wie Til Lindemann. Ein Fazit? Kein Fazit! Rammstein ist wieder Rammstein bleibt weiter Rammstein nervt uns mit Rammstein, ernährt uns mit Rammstein. Auf ewig.

 

 



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