The Bland, The Modern Times, Whitney

The Bland

Ach, noch einmal süße 17 sein – ist aus mehr als doppelt bis nahezu dreimal so alter Sicht natürlich ebenso unattraktiv wie, sagen wir: Pupertätspickel und Führerscheinprüfungen, aber wenn The Bland davon singen, klingt es irgendwie selbst aus erwachsener Sicht gar nicht so furchtbar. Mit funkigen Streichern und Marimba-Samples unterlegt erzählt Sänger Axel Öbergs Wattewachsstimme, wie schön grün der Schnee für Teenager selbst dann noch leuchtet, wenn der Vater deiner Sommerliebe mit dem Gewehr hinter dir her ist und prompt möchte man eine Line dieser ulkigen Droge Sorglosigkeit ziehen, mit der das schwedische Quintett sein Debütalbum erschaffen hat.

Schließlich ist es vom jugendsehnsüchtigen Opener bis zum minimalistischen Wanderer, in dem fröhlich die Vögel flöten, am Rande der Selbstverblödung arglos. Klimakrise und Rechtsradikalismus, Bolsonara und Trump, überhitzte Sommer und nahende Winter? Mit einer transzendierend unernsten Platte drauf gepfiffen, die zehn Stücke lang im sedierten Yeahsayer-Modus das Leben kurz mal auf gemütliches Abhängen reduziert und dabei mit karibischem Skandinavismus zum bekifften Kichern einlädt. Gut, im Video zu 17 endet die Sorglosigkeit im Chaos, aber hey – wer hat in der Hängematte zwischen zwei Palmen schon geöffnete Augen…

The Bland – Beautiful Distance (Backseat)

The Modern Times

Ebenfalls skandinavisch und ein Gegenteil von verkopft ist das neue Album der norwegischen Britrockband The Modern Times. Mit ihrer sensationellen Mischung aus rotzigem Punk ohne Post davor und dem besten aus der jüngeren Alternative-Phase des Indierock, klingt es so herzerfrischend nach Scheißegal, dass man aus dem Schulterzucken gar nicht mehr raus kommt. “It’s the best time in history / to be openly gay” knarzt Sänger Magnus Vold Jensen in It Sure Is Fun To Party durch rüpelhafte Gitarren, reduziert es branchenüblich auf den Standort Berlin und grölt zur Sicherheit noch kurz ein paarmal “we’re having so much fuuuuun”, damit auch ja niemand auf die kommt, nun folge ein politischer Anflug von gesellschaftskritischen gay-pride oder gar politische Parolen.

Nee, nee – Algorithmic Dance Music klingt dem Titel nach zwar ein wenig berechnend. Aber wenn der Rock hier und da von einer irren Ladung Saxofon zersägt wird, zeigt sich: das ist hier alles aus der Magengrube für die Magengrube. Stücke wie Everything is Going to be Fine oder The World Needs More Parties lutschen zuweilen zwar ein bisschen ostentativ auf dem Drops allenfalls halbsatirischer Harmlosigkeit herum, was gerade in den Restbeständen des Punkrock ein wenig irritiert. Zwischen unverzerrt fröhlichen Fuzz-Riffs und einem Schlagzeug ohne jedes männliche Selbstbeweihräucherungspathos macht das aber einfach nur gut gelaunt. Auch mal schön.

The Modern Times – Algorithmic Dance Music (Black Pop)

Whitney

Wäre die Welt ein schöner, guter, gerechter Ort – das neue Album von Whitney würde hier in der Rubrik Hype der Woche gefeiert werden, weil das erste nicht nur 2016, sondern für alle Ewigkeit zum Besten zählt, das jemals mit so viel Eleganz Rockmusik verpoppt hat. Damals schien es, niemals wieder könne ein Werk wie Light Upon The Lake mit solcher Hingabe gleichsam gelassen und wuchtig klingen. Bis jetzt. Denn der späte Nachfolger Forever Turned Around ist – zugegeben – keine allzu große Fortentwicklung des Vorgängers; aber warum auch, wenn es mit ähnlichen Mitteln so schnell vom Kopf über alle Sinnesorgane zu Herzen geht.

Denn wie damals mogeln sich Dutzende virtueller Jazzkapellen ins Westcoast-Orchester von Gitarrist Max Kakacek und Drummer Julien Ehrlich, deren Falsett-Stimmen dazu den Soundtrack maximaler Leichtigkeit liefern. Mit einem halben Dutzend Freunden auf Bigbandgröße angeschwollen, sorgt das Duett aus Chicago damit abermals für eine Art Kammerstrandsoulrevival der Beach Boys, dem man nur mit größter Hartherzigkeit oder unverbrüchlichem Wacken-Appeal nicht verfällt. Ein weiterer Meilenstein des Musizierens für Millionen, ohne im Mainstream zu landen.

Whitney – Forever Turnde Around (Secretly Canadian)

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