Frankie Cosmos, girl in red, 5K HD

Frankie Cosmos

Das Wesentliche ist manchmal mehr als genug. Greta Simone Kline zum Beispiel, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Frankie Cosmos, macht gar nicht viel, um ihrem Bedroom Pop ein Sammelsurium sprühender Ideen beizufügen. Ein paar unverzerrte Gitarrenriffs, leicht verschlepptes Schlagzeug, der Bass eher sedierend als treibend – fertig ist das vierte Album namens Close it Quietly der ziemlich jungen New Yorkerin, mit dem sie abermals ein bisschen an die seligen Moldy Peaches mit ein wenig mehr Drive und ein wenig weniger Adam Green erinnert.

Woran das liegt? Einer schier unglaublichen Leichtigkeit, mit der die Songwriterin im Kreise einer leider namen- und gesichtlosen Band den Alltag in Gefühl ohne Pathos verwandelt. “I am so blue / I make everything blue / my friends, my enemies / you” singt sie in einem der 21 (!) selten mehr als zwei Minuten langen Stücke mit einer Stimme, die wie nach einer durchmachten Nacht in einem Frühhstückscafé von Brooklyn klingt – nicht mehr ganz wach, leicht verstrahlt, emotional voll da, wunderbar für den Sonnenaufgang.

Frankie Cosmos – Close It Quietly (Sup Pop)

girl in red

Eher red als blue, also weniger wehmütig als aufgekratzt scheint hingegen – zumindest dem Bandnamen nach – die junge Norwegerin Marie Ulven zu sein. Seit zwei Jahren erst macht sie überhaupt Musik vor Publikum und bringt nun nach einer EP im Vorjahr ihr Debütalbum heraus; passenderweise mit beginnings betitel, klingt es allerdings erstaunlich versiert und selbstbewesst – wovon auch zeugt, dass die Person, der sie im Opener I Wanna Be Your Girlfriend zuhaucht, eine Frau namens Hanna ist.

Für die NYT macht sie das gleich mal zur neuen LGBTQ-Ikone. Mit etwas weniger Erwartungsdruck reicht es zunächst mal, dass girl in red ihren verträumt schönen Selbstbehauptungspop ohne viel Politik und Pathos mit betörendem Shoegaze anreichert, aus dem die ganze wilde wunde Weisheit der Jugend spricht – etwa wenn sie zu verwehenden Fuzz-Klängen “fuck my thoughts / I think too much” schmachtet, aber nicht in Larmoyanz verfällt. Nein, da möchte man nicht noch mal 18 sein, aber 18-Jährigen mit mehr Respekt begegnen. Marie Ulven hat ihn allemal verdient.

girl in red – beginnings (Marie Ulven)

5K HD

Es gibt nicht viel und doch so einiges, woraum man sich im musikalischen Mainstream heute einigen kann: Autotune sucks zum Beispiel, wer zu oft fuck rappt, hat damit vermutlich ein kleines Praxisdefizit, Rock ist tot, Rock is alive und ganz wichtig: was immer von alldem aus Österreich über die Alpen in die (zumindest deutschsprachige Welt) suppt, ist unbedingt und vollumfänglich abzufeiern – darüber durften sich grad mal wieder die heillos überschätzten Wanda freuen.

Mit ähnlichen (Vorschuss-)Lorbeeren bedacht wurden auch 5K HD um die irrisierende Sängerin Mira Lu Kovacs. Kein Wunder. Vor zwei Jahren schien das gitarrenlose Gefrickel der fünf Wiener*innen den Missing Link zwischen avantgardistischer Electronica und dem Future Pop von Bilderbuch zu liefern. Was irgendwie auch gelungen ist, auf dem zweiten Album High Performer mit all dem Keyboard-, Samples-, Zitatestreuen aber bereits ein wenig berechnend klingt. Elegant ist es dennoch und sehr, genau: poppig.

5K HD – High Performer (fiveK Records)



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