Gruff Rhys, (Sandy) Alex G

Gruff Rhys

Was Südafrika und Wales gemeinsam haben? Kühle, aber selten allzu frostige Winter zum Beispiel. Dazu warme, nie siedende Sommer. Und in sprachlicher Hinsicht außerdem eine Art englisches Grundverständnis, sofern Waliser nicht grad Walisisch reden. Weil der Waliser Gruff Rhys genau das auf seiner neuen Platte tut, verstehen Südafrikaner demnach wohl kein einziges dieses seltsam mediterran klingenden Kolorits. Was Südafrikaner indes bestens verstehen, ist der musikalische Grundton von Pang. Der nämlich stammt vom Kap und klingt kombiniert mit den Vocals mindestens so verschroben wie Ryes’ Vorname im Original.

Nach zuletzt drei englischsprachigen Alben und einer endlosen Reihe von Kollaborationen mit Künstler*innen jeder Art hat sich Gruffudd Maredudd Bowen Rhys nämlich mit dem südafrikanischen Electro-Frickler Muzi zusammengetan und singt begleitet von ein paar Fetzen Zulu im Hintergrund auf Walisisch über, tja, was auch immer… Ein bläserflankierter Ethnosound, der zum Glück nur sehr unterschwellig nach afrikanischer Folklore klingt, bettet die wattig verhallende Stimme des fast 50-Jährigen, bei der man dauernd an Sam Genders von Tunng denkt, dabei so unterhaltsam ein, dass man Pang nur schwer wieder aus dem Kopf kriegt. Gut so.

Gruff Rhys – Pang (Rough Trade Records)

(Sandy) Alex G

Wenn Alexander Giannascoli alias (Sandy) Alex G Musik macht, ist sie hingegen musikalisch wie sprachlich relativ gut verständlich. Auch auf seinem mittlerweile achten Album in nur neun Jahren heißt das allerdings nicht, sie sei je irgendwie gefällig oder gar seicht. Gesang und Sound verströmen zwar stets eine Art von Beachboyshaftigkeit, die mit entspannter Kneipenstimme vom Alltag erzählt und darüber eingängige Dur-Melodien von bezaubernder Leichtigkeit legt. Zugleich jedoch unterwandert der Mittzwanziger aus Philadelphia jeden seiner vielschichtigen Songs mit Klangfacetten, die niemand dort erwarten würde.

Mal huschen – wie in Near – verklimperte Lo-Fi-Riffs unter hippiesken Backvocals hindurch, mal verstört – wie in Taking – ein Kinderchor den alternativen Indie-Pop, mal durchwirken – wie in Walk Away – seltsame Country-Fäden aus dem Rustbelt den Westküsten-Altenative. Und überall wird es immer dann garantiert abseitig, sobald der Mastermind hinter all dem mal kurz in den Mainstream abbiegt. Dafür nennt ihn der Fader nicht nur Ausnahmetalent, sondern heftet ihm – völlig zu recht das Attribut an, ein moderner Neill Young mit Game-Boy-Attitüde zu sein. Dafür fehlt zwar noch die politische Wucht, aber dramaturgisch ist da was dran.

Sandy Alex G – House of Sugar (Domino)

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