The Loudest Voice: Fox-News & Russell Crowe

Trumps Erfinder

Ohne Roger Ailes und sein antiliberales Sturmgeschütz Fox-News säße heute höchstwahrscheinlich jemand anderes im Weißen Haus und die Welt drumherum wäre weniger gespalten. Die Showtime-Serie The Loudest Voice mit Russell Crowe (Foto: Sky) in der Hauptrolle skizziert seit Montag auf Sky nun das bizarre Leben des Medienmoguls – und macht Angst, was da noch kommt.

Von Jan Freitag

Das Ende dieser Fernsehfiktion aus dem ganz realen Nachrichtenwesen der USA kommt bereits nach drei Sekunden – und bei aller Pietät, es ist für lange Zeit die erste gute, aufrichtig journalistische, solide recherchierte News: Roger Ailes ist bereits tot, als eine Showtime-Serie über den legendären Mastermind von Rupert Murdochs reaktionärem Fernsehsturmgeschütz Fox-News gerade mal anfängt. Pillen am Boden, ein Fleischberg daneben, als Bluter verblutet, Gegner hoffen bis heute: elendig verreckt. Zu Lebzeiten hat The Loudest Voice der USA schließlich auch all jenen ein schmerzhaftes Ende gewünscht, die seinem Ideal einer Gesellschaft zum Wohle von Nation, Rasse, Kapital und Roger Ailes im Wege stehen. Er wisse daher, sagt der Verstorbene aus dem Jenseits, was die Leute nach seinem Tod über ihn sagen: rechts, paranoid, fett. „Ich werde nicht mit ihnen darüber streiten.“

Dieser Satz ist insofern bemerkenswert, als das berufliche Dasein des ehemaligen Nixon-Beraters aus Streit, Streit und nochmals Streit bestand. Das Alphatier aus dem konservativen Rostgürtel, erfahren wir ab heute im furiosen Siebenteiler The Loudest Voice auf Sky, war nur im Kampfmodus glücklich, auf dem Schlachtfeld erhaben, unter Feinden befriedigt. Und um zu verstehen, wie es dazu wurde, zieht uns Regisseurin Kari Skogland nach Gabriel Shermans Biografie ganz in den Bann eines Mannes im publizistischen Blutrausch, der vieles von dem erklärt, was die Welt seit Jahren an den Abgrund drängt. Als Roger Ailes 300 Pfund Gewicht 22 Jahre vorm Serientod über den Fernseher wälzt, startet er nämlich gerade einen Krieg gegen die Demokratie.

Doch der Reihe nach…

Zunächst mal zieht er mit Methoden gegen den Journalismus zu Felde, die Showtime spürbar schaudernd bebildert. Im ersten Teil wird die sechsmonatige Gründungsphase seiner Erfindung Fox vom aufrichtig rechten Gegenstrom im angeblich linken Medienmainstreams zum erfolgreichsten Senderstart der Geschichte skizziert. Im zweiten folgt die Zuspitzung des antiliberalen Kreuzzugs auf einen Militärschlag, den Ailes nach den Anschlägen von 9/11 mit der Kraft seines Netzwerks im Irak herbeiführt. Der dritte zeigt den Frontalangriff auf Barack Obama, den Ailes beharrlich „afrikanischer Sozialist“ schimpft. Stets animiert er sein Team, Ethos durch Rendite zu ersetzen und Fakten durch Fakes. Als die seriöse Starreporterin angesichts dieses dauernden Prinzipienbruchs mahnt, „das ist eine Nachrichtensendung, keine Sitcom“, antwortet Ailes süffisant: „Missy, das ist eine Meinungssendung.“

Das Sklavensynonym Missy und der Neutralitätskontrast Meinung – zwei Worte, die Ailes‘ Rassismus, Sexismus, Radikalismus auf den Punkt bringen. Zwei Worte, denen aber auch jemand Nachdruck verleiht, von dem es nicht zu erwarten war: Russell Crowe. Der versierte Heldendarsteller spielt den virtuosen Spin-Doctor trotz Fatsuit mit einer Variationsbreite, die mindestens ebenso erschüttert wie sein Original. Denn das engagierte ja nicht nur deshalb Models statt Moderatorinnen, um schlichte Zuschauer zu blenden, sondern – Kernthema der letzten drei Folgen – um sie sexuell zu missbrauchen. Anspruchsvolle Zuschauer lernen also von der ersten bis zur letzten Minute: Ailes vereint alles, was an Männern mit Macht verachtenswert ist.

Umso dankenswerter ist es, ihn nicht (nur) als Monster zu zeigen. Seine Trauer beim Abschied als Chef des Kaufkanals CNBC ist schließlich so echt wie die Wut über Obama und verdeutlichen: hier ist kein narzisstischer Opportunist wie sein Premiumprodukt Trump am Werk, sondern ein Überzeugungstäter, dem der Niedergang seiner Heimatstadt so glaubhaft zu Herzen geht, dass er die liberale Lokalzeitung kauft und von Ehefrau Beth (Sienna Miller) auf Kurs bringen lässt. Es ist ein weiterer Baustein in der reaktionären Mauer durch Amerikas Gesellschaft. Und wie nah dessen Erbauer auch posthum der Vollendung ist, zeigten Donald Trumps Twitter-Tiraden gegen etwas zaghafte Fox-Kritik am Nachmittag. Im Reich des Königsmachers Roger Ailes eine Majestätsbeleidigung.



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