Anna of the North/DüDo Düsterboys/AvAvAv

Anna of the North

Seit die Mafia-Serie Lilyhammer die Leichtigkeit krimineller Energie in Norwegens gleichnamige Kleinstadt verpflanzt hat, traut man der polaren Provinz nahezu alles zu. Warum also nicht auch wunderlich feinperlige Musik wie sie Anna Lotterud alias Anna of the North weit einiger Zeit kreiert. Aus einem Nachbardorf des ehemaligen Olympia-Standortes in die weite Welt hinaus gezogen, versprüht ihr elektrophiler Krimskramspop eine Art getragener Fröhlichkeit, die auch auf dem zweiten Album sofort zu Herzen geht.

Wie beim Debüt Lovers vor zwei Jahren rollt auch Dream Girl intellektuell gesehen nicht die ganz großen Steine durch den Kies, keine Frage. Aber wenn sie mit sonnigem Lalala zu viele Lust und Liebe auf den Lippen zwischen Seventies-Soul und Nineties-Samples ihre Weiblichkeit in einer Zeit poröser Beziehungen und Wertemodelle reflektiert, würde man wohl selbst im Feierabendstau lächeln. Zwei, drei Stücke Anna aus dem Norden – fertig ist die gute Laune für den Moment.

Anna of the North – Dream Girl (PIAS)

Düsseldorf Düsterboys

Düsseldorf ist seit jeher ein gutes Pflaster für bessere Independent als üblich. Von A wie Antilopen Gang über K Kreidler bis S wie Stabil Elite entstehen dort auch anderthalb Generationen nach dem Punk-Hype allerlei maßgebliche Bands – wenngleich die derzeit grandioseste nur namentlich aus dem Dunstkreis des Ratinger Hofs kommt. Aber egal: wie die Essener Düsseldorf Düsterboys ihrem Namen Ehre bereiten, ist schlichtweg zum Niederknien.

Analog eingespielt, ist ihr Debütalbum Nenn mich Musik ein blubbernder Topf überm psychedelischen Lagerfeuer, was ein bisschen nach Ruhrpottfeldweg klingt, der sich in die Wüste Arizona träumt, aber auf halbem Wege am Strand von Ibiza landet. Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti, die Köpfe von International Music, schaffen es im Quartett mit zerzauster Gitarre, Bläsertupfen und verwehendem Doppelgesang einen Folkpop zu zaubern, der äußerst unterhaltsam nach futuristischem Kammerpunk klingt. Ach, Düsseldorf – du bringst es auch, wenn du Essen bist…

Düsseldorf Düsterboys – Nenn mich Musik (Staatsakt)

Hype der Woche

Av Av Av

Aus den Hallräumen der Achtziger, als Düsseldorf noch ein Nabel des deutschen New Wave war, kommt die selbsterklärte Supergroup Av Av Av, in der sich drei dänische Top-DJs und Produzenten namens Eloq, Unkwon, Er Du Dum Eller Hvad zusammen getan haben. Bei einem Land, dass so herausragende Electronica-Projekte wie Den Sorte Skole oder Analogik hervorbringt, sind solche Vereinigungen natürlich immer bemerkenswert. Und in der Tat: Das Debütalbum No Statues (The Bank Music) vereinigt orchestralen House und engmaschige Samples mit einer Ladung Breakbeats und vordergründig phrasenhaftem, hintergründig politischem Sprechgesang zu einer hocheleganten, hochenergetischen Melange, die ein bisschen an French House auf Dubstep erinnert. Vor allem aber: sehr, sehr, sehr tanzbar sein dürfte.

 

Av Av Av – Statues (The Bank Music)



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